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Druck wächst bei Suche nach Straßburger Attentäter
International 4 Min. 13.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Druck wächst bei Suche nach Straßburger Attentäter

Am Donnerstagnachmittag gab es erneut eine Polizeiaktion im Straßburger Stadtteil Neudorf.

Druck wächst bei Suche nach Straßburger Attentäter

Am Donnerstagnachmittag gab es erneut eine Polizeiaktion im Straßburger Stadtteil Neudorf.
Foto: AFP
International 4 Min. 13.12.2018 Aus unserem online-Archiv

Druck wächst bei Suche nach Straßburger Attentäter

Wo steckt Chérif Chekatt? Die deutschen und französischen Behörden suchen mit einem Fahndungsaufruf nach dem mutmaßlichen Attentäter. „Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen“, warnen sie.

 (dpa) - Bei der Großfahndung nach dem Straßburger Attentäter wächst die Nervosität in Frankreich und Deutschland. „Das Beste wäre auf jeden Fall, ihn so schnell wie möglich zu fassen und dieser Jagd ein Ende zu setzen“, sagte der französische Regierungssprecher Benjamin Griveaux am Donnerstag dem Sender C News.

Die deutsche Bundespolizei fahndete im deutsch-französischen Grenzgebiet, auch Spezialkräfte waren im Einsatz.

Die Zahl der Todesopfer stieg nach dem Terroranschlag von zwei auf drei. Ein viertes Opfer sei hirntot, bestätigte die Staatsanwaltschaft der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Von dem polizeibekannten mutmaßlichen Attentäter Chérif Chekatt fehlte zunächst weiter jede Spur.

700 Polizisten im Einsatz

Die französische Polizei war mit 700 Polizisten im Einsatz, um Chekatt zu fassen. Außerdem hatte die Regierung die Soldaten im Anti-Terror-Einsatz verstärkt - die Armeeangehörigen der Operation Sentinelle (Wache) sollen die Sicherheit auf öffentlichen Plätzen und Weihnachtsmärkten im Land gewährleisten.


Members of the German police searches all the vehicles driving towards the border between France and Germany at the German bordering city of Kehl, on December 12, 2018, in order to find the gunman who opened fire near a Christmas market the night before, in Strasbourg, eastern France. - Hundreds of security forces were deployed in the hunt for a lone gunman who killed at least three people and wounded a dozen others at the famed Christmas market in Strasbourg, with the French government raising the security alert level and reinforcing border controls. (Photo by Frederick FLORIN / AFP)
Attentat in Straßburg: mindestens drei Tote und neun Schwerverletzte
In Straßburg hat ein bewaffneter Mann drei Menschen erschossen und zwölf verletzt. Der Täter ist flüchtig und könnte ins Nachbarland geflüchtet sein. Ein terroristischer Hintergrund ist nicht sicher.

Die Bundespolizei kontrollierte insbesondere in der deutschen Grenzstadt Kehl, aber auch im Hinterland, wie eine Sprecherin der Bundespolizei der dpa sagte. Überwacht würden Fahrzeuge, der Personenverkehr über einer Fußgängerbrücke über dem Rhein sowie Züge und Straßenbahnen.

Der Attentäter hatte am Dienstagabend mitten in der Weihnachtssaison das Feuer in der Straßburger Innenstadt eröffnet. Zeugen haben ihn, nach Angaben des Chefermittlers Rémy Heitz, „Allahu Akbar“ („Gott ist groß“ auf Arabisch) rufen hören. Anschließend war er auf der Flucht vor der Polizei von Soldaten verletzt worden und schließlich spurlos verschwunden. Unklar war, ob er sich noch in der Elsass-Metropole nahe der deutschen Grenze aufhält.


Straßburg-Täter 2012 in Luxemburg aufgefallen
Chérif C., der Attentäter von Straßburg war mutmaßlich 2012 in Luxemburg an einem Einbruch beteiligt. Seine DNA wurde im Rahmen der Spurensicherung gefunden.

Am Donnerstagnachmittag gab es einen größeren Polizeieinsatz im Straßburger Stadtteil Neudorf. Auf Fernsehbildern waren zahlreiche Einsatzfahrzeuge zu sehen. Der Anlass für die Aktion war zunächst unklar. In Neudorf, unweit des Stadtzentrums, hatte sich der mutmaßliche Täter unmittelbar nach dem Anschlag mit einem Taxi absetzen lassen und war danach verschwunden. In der Nähe befindet sich seine Wohnung, die zuvor durchsucht worden war.

Eine weitere Verhaftung, fünf Verdächtige in Gewahrsam

Außerdem nahmen Ermittler einen weiteren Verdächtigen aus dem Umfeld des mutmaßlichen Attentäters in Gewahrsam. Er gehört nicht zur Familie Chekatts, bestätigte die Staatsanwaltschaft der dpa in Paris. Damit sind insgesamt fünf Verdächtige im Gewahrsam.

Die französische Polizei veröffentlichte am Mittwochabend ein Fahndungsfoto des radikalisierten Gefährders Chekatt samt Täterbeschreibung. Auch süddeutsche Bundespolizei-Stationen, das Bundeskriminalamt und die Schweizer Bundespolizei verbreiteten auf Twitter den Aufruf der Police Nationale. Die Polizei sucht Zeugen.


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Bettel: "Keine akute Terrorgefahr in Luxemburg"
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In dem Aufruf heißt es: „Der Mann ist gefährlich, bitte nicht selbst eingreifen.“ Der Gesuchte sei 29 Jahre alt, 1,80 Meter groß, habe kurze Haare, sei vielleicht Bartträger und habe eine Narbe auf der Stirn. Der mehrfach vorbestrafte mutmaßliche Angreifer soll sich im Gefängnis radikalisiert haben. Der gebürtige Straßburger mit nordafrikanischen Wurzeln saß wegen schweren Diebstahls auch in Deutschland in Haft.

Auch die deutschen Behörden haben sich in die Ermittlungen gegen Chekatt eingeschaltet. Die Bundesanwaltschaft leitete ein Verfahren gegen den Angreifer wegen Mordes, versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung ein, wie ein Sprecher der Behörde sagte.

"Hohe kriminelle Energie, rücksichtsloses Profitstreben"

Deutsche Behörden hatten Chekatt bereits Ende 2016 eine „hohe kriminelle Energie“ bescheinigt. Die Verurteilung wegen schwerer Einbrüche offenbare „eine von rücksichtslosem Profitstreben geprägte Persönlichkeitsstruktur“ und lasse annehmen, dass er „in Zukunft Straftaten ähnlicher Art und Schwere begehen“ werde. Das geht aus der Anordnung des Regierungspräsidiums Freiburg für die Abschiebung aus der Haft hervor. Die Abteilung für Bevölkerungsschutz des Regierungspräsidiums hatte auch ein Einreise- und Aufenthaltsverbot für Chekatt für die Dauer von zehn Jahren festgelegt.


A French gendarme patrols in front of the Strasbourg cathedral while searches are conducted on December 12, 2018 for the gunman who opened fire near a Christmas market in Strasbourg, eastern France, the night before. - Hundreds of security forces were deployed in the hunt for a lone gunman who killed at least three people and wounded a dozen others at the famed Christmas market in Strasbourg, with the French government raising the security alert level and reinforcing border controls. (Photo by SEBASTIEN BOZON / AFP)
Terroralarm in der „Weihnachtshauptstadt“: so erlebten die Bewohner das Attentat
Straßburg im Schockzustand: Ein Angreifer tötet in der Elsässer Vorweihnachtsidylle drei Menschen. Zunächst gelingt ihm die Flucht. Frankreich ist im Alarmzustand.

Das RBB-Inforadio berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, Chekatt sei unmittelbar vor der Tat aus Deutschland angerufen worden. Er habe den Anruf jedoch nicht angenommen. Unklar sei, wer ihn angerufen habe und warum. Dieser Frage gehen deutsche Ermittler nun intensiv nach, wie der Sender weiter berichtete.

Unklar war, wann der geschlossene Straßburger Weihnachtsmarkt wiedereröffnet. Er war seit dem Anschlag am Dienstagabend geschlossen. Frankreichs Innenminister Christophe Castaner wollte am Abend in die Elsass-Metropole fahren und gemeinsam mit dem Bürgermeister die Lage bewerten.

Es war nicht nur Frankreich, das getroffen wurde - eine französische Stadt, unsere Bürger -, sondern es war genauso eine große europäische Stadt, die vor einigen Tagen tödlich getroffen wurde.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach den Opfern und Familien am Donnerstag in Brüssel erneut die Solidarität der gesamten Nation aus. „Es war nicht nur Frankreich, das getroffen wurde - eine französische Stadt, unsere Bürger -, sondern es war genauso eine große europäische Stadt, die vor einigen Tagen tödlich getroffen wurde.“

Macron war nach Brüssel zum Gipfeltreffen der 28 Staats- und Regierungschefs der EU-Länder gereist. Auch dort wurde der Opfer gedacht. „Zuerst eine Schweigeminute zu Ehren der Opfer der Straßburg-Anschläge“, schrieb der Sprecher von EU-Ratspräsident Donald Tusk am Donnerstag im Kurznachrichtendienst Twitter.


Straßburg: Drittes Anschlagsopfer gestorben
Vom Straßburger Attentäter Chérif Chekat fehlt nach seiner spektakulären Flucht jede Spur. Wo kann er stecken?

Unter den Todesopfern ist ein 45 Jahre alter Tourist aus Thailand, wie das Außenministerium in Bangkok bestätigte. Nach französischen Medienberichten wurde außerdem ein Franzose getötet, der gerade vor einem Restaurant auf seine Familie wartete.

Unter den Opfern ist außerdem ein Straßburger mit afghanischen Wurzeln. Die Moschee Eyyûb Sultan de Strasbourg bestätigte der dpa, dass er in den kommenden Tagen beerdigt werde. Ein viertes Opfer ist nach Angaben der Staatsanwaltschaft hirntot. Das bedeutet, dass die Funktionen des Gehirns unwiederbringlich ausgefallen sind. Die Atmung und der Herzschlag können künstlich aufrecht erhalten werden.


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