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Dramatische humanitäre Lage in Syrien
International 3 Min. 20.03.2018

Dramatische humanitäre Lage in Syrien

Helfer berichteten unterdessen von einer dramatischen humanitären Lage im Kurdengebiet Afrin im Nordwesten Syriens nach dem Einmarsch türkischer Truppen und ihrer Verbündeten. Besonders stark betroffen sind Kinder, Frauen und Ältere.

Dramatische humanitäre Lage in Syrien

Helfer berichteten unterdessen von einer dramatischen humanitären Lage im Kurdengebiet Afrin im Nordwesten Syriens nach dem Einmarsch türkischer Truppen und ihrer Verbündeten. Besonders stark betroffen sind Kinder, Frauen und Ältere.
Foto: AFP
International 3 Min. 20.03.2018

Dramatische humanitäre Lage in Syrien

In Afrin und Ost-Ghuta mangelt es Tausenden Menschen an Nahrung, Wasser und medizinischer Versorgung. Auch anderswo in Syrien nimmt das Leid kein Ende. Zehntausende sind auf der Flucht.

(dpa) - Bei mehreren Angriffen in Syrien sind am Dienstag Dutzende Menschen getötet worden. Helfer berichteten unterdessen von einer dramatischen humanitären Lage im Kurdengebiet Afrin im Nordwesten des Landes sowie im belagerten Rebellengebiet Ost-Ghuta nahe der Hauptstadt Damaskus.

Mindestens 35 Zivilisten kamen bei einem schweren Raketenangriff auf einen Markt in Damaskus ums Leben, sagte der Direktor eines örtlichen Krankenhauses der Deutschen Presse-Agentur am Mittwoch. 40 Menschen seien zudem verletzt worden. Bei dem Angriff am Dienstag handelt es sich um einen der schwersten auf Damaskus, das von den Kräften von Präsident Baschar al-Assad kontrolliert wird. Die Hauptstadt gilt eigentlich als relativ gut gesichert.

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana sagte, „Terroristen“ hätten die Rakete auf das Viertel Kaschkul abgefeuert. Als „Terroristen“ bezeichnen staatliche Medien auch die islamistischen Aufständischen in der nahen Rebellenhochburg Ost-Ghuta. Die syrische Regierung wirft Rebellen dort immer wieder vor, die syrische Hauptstadt mit Artillerie und Raketen anzugreifen und dabei Zivilisten zu töten. Die Region wird vor allem von Islamisten kontrolliert.


TOPSHOT - A Turkish-backed Syrian rebel walks past a burning shop in the city of Afrin in northern Syria on March 18, 2018.
Turkish forces and their rebel allies were in control of the Kurdish-majority city of Afrin in northwestern Syria, AFP journalists on the ground reported.
 / AFP PHOTO / BULENT KILIC
Berichte über Plünderungen durch Milizen in Afrin
Rund zwei Monate nach Beginn ihrer Offensive kontrollieren die türkische Armee und ihre syrischen Verbündeten die von Kurden bewohnte Region Afrin. Zehntausende Menschen sind auf der Flucht.

Zuvor hatten Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ein Gebiet nahe Damaskus mit einem Überraschungsangriff erobert. Bei dem Sturm auf das Viertel Kadam wurden in der Nacht zum Dienstag laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte 36 Regierungskämpfer getötet. Dutzende weitere sind demnach verletzt oder werden vermisst. Die Terrormiliz meldete ebenfalls den Angriff auf das Viertel.

Der IS, der noch vor wenigen Monaten große Teile in Syrien und dem Irak kontrolliert hatte, ist dort als militärische Formation so gut wie geschlagen. Allerdings sind die Extremisten nicht als Terrorgruppe besiegt. In den beiden Ländern befinden sich zahlreiche Zellen des IS, die noch immer Anschläge und Angriffe ausführen können.

Bei einem Luftangriff auf ein Flüchtlingslager in der von Rebellen kontrollierten Provinz Idlib im Nordwesten des Landes wurden nach Angaben der Beobachtungsstelle mindestens neun Menschen getötet, darunter vier Kinder und zwei Frauen. Auch die Rettungsorganisation Weißhelme berichtete über Twitter von dem Angriff nahe des Ortes Haas. Die Provinz Idlib ist zum größten Teil unter Kontrolle von Rebellen. Zu den stärksten Gruppen gehört dort der syrische Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida.

Russland und der Iran als Verbündete der syrischen Regierung und die Türkei als Unterstützer der Opposition hatten in der Provinz eine so genannte Deeskalationszone errichtet. Allerdings sind Extremisten wie Anhänger von Al-Kaida davon ausgenommen.

Helfer berichteten unterdessen von einer dramatischen humanitären Lage im Kurdengebiet Afrin im Nordwesten Syriens nach dem Einmarsch türkischer Truppen und ihrer Verbündeten. Besonders stark betroffen sind Kinder, Frauen und Ältere. Tausende seien in den vergangenen Tagen „verzweifelt und in Panik“ aus Afrin geflohen, twitterte der Regionaldirektor des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Robert Mardini, am Dienstag. Sie hätten keine Unterkunft sowie kaum Nahrung, Wasser und medizinische Versorgung.

Die UN meldeten, rund 100 000 Menschen seien in der Region bereits seit längerem auf der Flucht. Bis zu 50 000 weitere seien in den vergangenen Tagen hinzugekommen.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR war zugleich alarmiert über die sich verschärfende humanitäre Krise im belagerten Rebellengebiet Ost-Ghuta nahe Damaskus. Dort kamen am Montagabend bei einem Luftangriff auf eine Schule 16 Kinder und vier Frauen ums Leben, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Hilfsorganisationen und die Beobachtungsstelle machen die russische Luftwaffe für die Bombardierung der von Rebellen kontrollierten Stadt Irbin verantwortlich.

Die türkischen Streitkräfte und syrische Verbündete hatten die vor allem von Kurden bewohnte Region Afrin und die gleichnamige Stadt im Nordwesten Syriens am Sonntag nach zweimonatigen Kämpfen erobert. Die türkische Regierung stuft die Kurdenmiliz YPG wegen ihrer Verbindungen zur PKK als Terrororganisation ein und bekämpft sie.

Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks Unicef brauchen 100 000 Menschen aus Afrin dringend Hilfe, die Hälfte davon Kinder. Das IKRK meldete am Dienstag, ein Hilfskonvoi habe den von Kurden kontrollierten Ort Tal Rifat erreicht. Dort haben nach UN-Angaben mindestens 75 000 Vertriebene aus Afrin Zuflucht gefunden.

Auch aus Ost-Ghuta flohen dem UNHCR zufolge in den vergangenen Tagen 45 000 Menschen. Das von Regierungstruppen belagerte Gebiet erlebt seit rund einem Monat die schwerste Angriffswelle seit Beginn des syrischen Bürgerkriegs vor rund sieben Jahren. Dabei wurden nach Angaben der Menschenrechtsbeobachter fast 1500 Zivilisten getötet. Mittlerweile haben Regierungstruppen den größten Teil Ost-Ghutas eingenommen.


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