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Donald Trumps rüpelhafter Auftritt in Brüssel: „Was hat ihn nur geritten?“
International 2 5 Min. 26.05.2017

Donald Trumps rüpelhafter Auftritt in Brüssel: „Was hat ihn nur geritten?“

Trump rückt sein Jackett zurecht, nachdem er Dusko Markovic etwas zur Seite geschoben hat.

Donald Trumps rüpelhafter Auftritt in Brüssel: „Was hat ihn nur geritten?“

Trump rückt sein Jackett zurecht, nachdem er Dusko Markovic etwas zur Seite geschoben hat.
Foto: REUTERS
International 2 5 Min. 26.05.2017

Donald Trumps rüpelhafter Auftritt in Brüssel: „Was hat ihn nur geritten?“

Trump brüskiert die Alliierten in Brüssel nicht nur mit Worten. Der US-Präsident wird in den Medien und sozialen Netzwerken vor allem wegen seines rüpelhaften Benehmens gegenüber Premier Dusko Markovic aus Montenegro gescholten.

(ham) - Es vergeht kaum noch ein Tag ohne dass der Mieter im Weißen Haus negativ auffällt. Dabei sollte die erste große Auslandsreise des 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten doch von den jüngsten Skandalen in Washington ablenken. Und das scheint Donald Trump auch zu gelingen. Wenn auch weniger mit staatsmännischem Auftreten, als mit neuen Unzulänglichkeiten und rüpelhaftem Auftreten.

Nach dem doch recht intimen Besuch bei den Saudis, einem dürftigen Eintrag ins Gästebuch des Holocaust-Denkmals Yad Vashem („so amazing“) und dem frostigen Besuch beim Papst, sollte Trump am Donnerstag in Brüssel erstmals mit den Nato-Staats- und Regierungschefs zusammentreffen. Statt aber die Alliierten mit einem Bekenntnis pro Bündnisfall zu beruhigen, brüskierte Trump die 27 anderen Staaten mit Geldforderungen und einem rüpelhaftem Benehmen.

Die von Insidern als doch recht seicht bezeichnete Unterredung am Morgen mit EU-Ratspräsident Donald Tusk und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker geriet angesichts der Geschehnisse vom Nachmittag denn auch schnell in Vergessenheit.

Trump demütigt US-Partner

Mit seinem Auftritt im neuen Hauptquartier der Nato habe Trump „sämtliche Illusionen zerschmettert, er sei nach Europa gekommen, um Risse zu kitten“, schreibt zum Beispiel die New York Times. Er habe die„America First“ Doktrine mit ins Herz  von Europa gebracht und die Nato-Partner sichtlich erschüttert.

„Was hat ihn nur geritten, die Alliierten der USA so zu demütigen?“, fragt sich das „Editorial Board“ der Times. Fotos vom überaus freundlichen Geplänkel mit den Saudis oder den Russen stünden im „perplexen Zwiespalt“ zu den Bildern aus Brüssel.

Bände spricht vor diesem Hintergrund ein Ausschnitt, der derzeit in den Medien und sozialen Netzwerken die Runde macht: Angeführt von Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg und der littauischen Präsidentin Dalia Grybauskaitė machen sich die Ehrengäste auf den Weg zum obligatorischen Familienfoto.

Zwischen Philippe von Belgien, Viktor Orban und dem Premier von Montenegro Dusko Markovic schnellt eine Hand hervor, die Markovic unsanft an der Schulter packt und das zukünftige Nato-Mitglied schroff zur Seite schiebt. Auftritt: Donald Trump. Der US-Präsident arbeitet sich unsanft nach vorn, rückt seinen Anzug zurecht und grinst ins Scheinwerferlicht.

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Wohl das Bild, das vom Nato-Treffen in Erinnerung bleiben wird. Die Medien überschlagen sich, „Watch President Trump push a prime minister aside“, fordert CNN von seinen Zuschauern und auch die Washington Post zeigt das Gedränge im Dauerloop, mit dem Zusatz „It wasn't a very welcoming gesture“ - es war keine freundliche Geste.

Seine Körpersprache sei ähnlich subtil gewesen, wie der Angriff eines US-Politikers vor wenigen Tagen auf einen Journalisten des Guardian, heisst es auf cnn.com, bevor die Korrespondentin schlussfolgert: Bilder, die vor allem den russischen Präsidenten Putin freuen dürften. „Did that just really happen“, fragt sich der britische Telegraph, während sich Trump-Gegnerin und Bestseller-Autoritin J.K. Rowling auf Twitter eine Anspielung auf Trumps „kleine Hände“ kaum verkneifen kann.

Satiriker Jan Böhmermann lässt die Gelegenheit nicht aus. Ihn erinnert die Szene wohl an die Fütterung der Raubtiere. Sein Urteil zu Trump lassen wir an dieser Stelle mal unkommentiert stehen.

Der Auftritt des Präsidenten sorgt auch beim eigenen Volk für Kopfschütteln."Days without being a national embarrassment = 0", schreibt ein User auf Twitter. Frei übersetzt: "0 Tage sind vergangen, seit Trump zu einer nationalen Peinlichkeit geworden ist". "My apologies", schreibt indessen eine Krankenschwester im Ruhestand. "Ich bitte um Entschuldigung (...) Er spricht nicht für mich".

"The Trump doctrine: Strong arm diplomacy and alienation of allies", resümiert der britische Journalist Jonathan Beeley.

Natürlich gab es aber auch Menschen, bei denen das Auftreten des neuen Präsidenten gut ankam. Trump habe gezeigt, wer der Boss sei, so der Tenor bei vielen amerikanischen Twitter-Usern. Das Ausland müsse sich wieder in Acht nehmen vor den Vereinigten Staaten, meint ein anderer. Und auch der ultrakonservative Radio-Moderator und Trump-Unterstützer Alex Jones gewinnt dem Auftritt etwas Positives ab: Genau so müsse man Globalisten anpacken.

Das rüpelhafte Benehmen des US-Präsidenten ist aber nicht die einzige Szene, die vom Nachmittag in Brüssel in Erinnerung bleiben dürfte. So manche Medien und User in den sozialen Netzwerken konzentrieren ihre Häme aufs Händeschütteln mit dem französischen Präsidenten Macron.

"Die Sache mit dem Händeschütteln", schreibt der britische Guardian und erklärt den französischen Newcomer auf der internationalen Politbühne zum Gewinner.

Und Pool-Reporter Philip Rucker, der für die im Weißen Haus akkreditierten Journalisten beim Treffen dabei war, lässt seiner Feder freien Lauf: Er spricht von einer ungeheuren Intensität, Zähneknirschen, angespannten Gesichtern und weißen Knöcheln bei beiden Politikern.

Das Duell Macron-Trump ging nur kurze Zeit später in eine zweite Runde. Vor dem neuen Hauptquartier der Nato in Brüssel scheint Macron auf den US-Präsidenten zuzugehen, um im letzten Moment einen Schlenker auf Bundeskanzlerin Angela Merkel zuzumachen.

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Bei Spiegel.de ist der Geduldsfaden eindeutig gerissen: Eine Gefahr für die Welt, sei Trump. Höchste Zeit, ihn los zu werden, schlussfolgert Klaus Brinkbäumer in einem Leitartikel, auch auf Englisch. Er habe nicht den nötigen Intellekt und Kompetenzen. Er sei ein Lügner, Schummeler und Betrüger.

Indessen sorgt am Freitagmorgen ein weiteres Foto vom Nato-Treffen für Aufmerksamkeit. Als Hahn im Korb begleitet Xavier Bettels Ehemann Gauthier Destenay die Partnerinnen der anderen Staats- und Regierungschefs durchs Rahmenprogramm, darunter auch First Lady Melania Trump und Königin Mathilde von Belgien.

Der Hahn im Korb: Luxemburgs "First Gentleman" Gauthier Destenay mit  Emine Gulbaran Erdogan (Türkei), First Lady Melania Trump (USA), Königin Mathilde von Belgien, First Lady Mojca Stropnik (Slowenien) und Thora Margret Baldvinsdottir (Island)
Der Hahn im Korb: Luxemburgs "First Gentleman" Gauthier Destenay mit Emine Gulbaran Erdogan (Türkei), First Lady Melania Trump (USA), Königin Mathilde von Belgien, First Lady Mojca Stropnik (Slowenien) und Thora Margret Baldvinsdottir (Island)
Foto: AFP


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