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Donald Trump in Puerto Rico: "16 gegen Tausende - Ihr könnt stolz sein"
International 2 Min. 03.10.2017

Donald Trump in Puerto Rico: "16 gegen Tausende - Ihr könnt stolz sein"

Der Präsident in seinem Element: Er macht die Ausgabe von Hilfsgütern (in diesem Fall eine Rolle Küchenpapier) in Puerto Rico zur großen Trump-Show.

Donald Trump in Puerto Rico: "16 gegen Tausende - Ihr könnt stolz sein"

Der Präsident in seinem Element: Er macht die Ausgabe von Hilfsgütern (in diesem Fall eine Rolle Küchenpapier) in Puerto Rico zur großen Trump-Show.
Foto: AFP
International 2 Min. 03.10.2017

Donald Trump in Puerto Rico: "16 gegen Tausende - Ihr könnt stolz sein"

Zwei Wochen nach dem verheerenden Wirbelsturm sind die meisten Menschen auf Puerto Rico noch immer ohne Strom. Es fehlt am Nötigsten. Nach harscher Kritik an seinem Krisenmanagement hat der US-Präsident die Region besucht - und vergaloppierte sich.

(dpa/tom) - Fast zwei Wochen ist es her, dass Hurrikan „Maria“ eine Schneise der Zerstörung durch die Karibikinsel Puerto Rico geschlagen hat. Inmitten scharfer Kritik an seinem bisherigen Krisenmanagement hat Präsident Donald Trump jetzt das verwüstete US-Außengebiet besucht. Dort allerdings vergriff er sich erneut im Ton.

Ich sage das nicht gerne, Puerto Rico, aber Ihr habt unser Budget ein wenig aus der Bahn geworfen. 

Bei einem Arbeitstreffen mit örtlichen Militärs, Rettungskräften und Regierungsvertretern kritisierte er, vermutlich im Scherz, die hohen Kosten, die die Katastrophe verursacht habe. "Ich sage das nicht gerne, Puerto Rico, aber Ihr habt unser Budget ein wenig aus der Bahn geworfen. Denn wir haben viel Geld für Puerto Rico ausgegeben, aber das ist in Ordnung, denn wir haben viele Leben gerettet", so Trump.  

Dann lobte er die Rettungskräfte mit einen fragwürdigen Vergleich: "Jeder Tod ist ein Horror, aber wenn man sich eine echte Katastrophe wie "Katrina" anschaut mit Aberhunderten von Toten, und sieht, was hier bei dem Sturm passiert ist (...) mit 16 Toten, könnt ihr sehr stolz sein. 16 gegen Tausende. Ihr könnt sehr stolz auf eure Leute sein, alle unsere Leute arbeiten zusammen.“ 

Kritik an Hilfsmaßnahmen

Zuvor war Kritik laut geworden, dass die Hilfsmaßnahmen zu langsam anliefen. Noch immer sind die meisten Einwohner ohne Strom, viele haben kein fließendes Wasser. „Wir sterben hier und ihr tötet uns mit der Ineffizienz und eurer Bürokratie“, schimpfte zuletzt die Bürgermeisterin von Puerto Ricos Hauptstadt San Juan, Carmen Yulín Cruz. „Ich habe genug davon, höflich zu sein. Ich bin stinksauer.“

Carmen Yulin Cruz, die Bürgermeisterin von San Juan, hatte Trump zuvor hart attackiert.
Carmen Yulin Cruz, die Bürgermeisterin von San Juan, hatte Trump zuvor hart attackiert.
Foto: AFP

 Trump wies die Anschuldigungen zurück und stellte die Führungsfähigkeiten der Rathauschefin in Frage. Zudem unterstellte er den Puerto Ricanern eine übertriebene Anspruchshaltung. „Sie wollen, dass alles für sie getan wird, obwohl es eine gemeinschaftliche Anstrengung sein sollte“, schrieb er auf Twitter.  


Bemängelt wurde vor allem, dass Trump so lange brauchte, um sich um die Katastrophe in Puerto Rico zu kümmern. Nach den Hurrikans „Harvey“ und „Irma“ war er innerhalb von Tagen nach Texas und Florida gereist. Vor seinem Abflug nach San Juan sagte Trump: „Ich glaube, wir haben in Puerto Rico genauso gut reagiert wie in Texas und Florida.“

Am Dienstag traf sich der Präsident auch mit Bürgermeisterin Yulín Cruz. Zudem waren Gespräche mit Hurrikanopfern, Rettungskräften, Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló und dem Gouverneur der ebenfalls hart getroffenen US-Jungferninseln, Kenneth Mapp, geplant.

Nicht willkommen: In Puerto Rico zeigte sich noch immer vereinzelter Protest.
Nicht willkommen: In Puerto Rico zeigte sich noch immer vereinzelter Protest.
Foto: AFP

„Mein Fokus wird darauf liegen, was wir brauchen, um Puerto Rico wieder aufzubauen“, sagte Rosselló vor seinem Treffen mit Trump. Der Gouverneur schätzt, dass die Karibikinsel mehr als 60 Milliarden US-Dollar (50,1 Milliarden Euro) für den Wiederaufbau benötigt.

Puerto Rico steckte bereits vor „Maria“ in einer schweren Wirtschaftskrise. Insgesamt liegt die Schuldenlast bei rund 70 Milliarden US-Dollar (rund 64 Milliarden Euro), hinzu kommen ungedeckte Pensionsansprüche. Washington hat die Insel bereits unter Finanzaufsicht gestellt. Die Verbindlichkeiten sollen nun in einer Art Konkursverfahren restrukturiert werden.


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