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Diskussion um Maskenpflicht in Deutschland
International 2 Min. 31.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Diskussion um Maskenpflicht in Deutschland

Berlin: Genähte Atemschutzmasken aus Baumwolle liegen in der Werkstatt vom Bühnenservice Berlin.

Diskussion um Maskenpflicht in Deutschland

Berlin: Genähte Atemschutzmasken aus Baumwolle liegen in der Werkstatt vom Bühnenservice Berlin.
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
International 2 Min. 31.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Diskussion um Maskenpflicht in Deutschland

Bayerns Ministerpräsident will, dass Deutschland in Sachen Schutzmasken in die Notfallproduktion geht. Die Stadt Jena plant eine Pflicht zum Tragen eines Mundschutzes. Doch ihr Nutzen ist umstritten.

(dpa) - Die Einführung einer Schutzmaskenpflicht in Supermärkten im Nachbarland Österreich hat auch in Deutschland eine neue Debatte über entsprechende Maßnahmen entfacht.

Die thüringische Stadt Jena plant in der Coronavirus-Pandemie bereits eine Maskenpflicht. "In einer Woche soll das Tragen eines Mund-und-Nasen-Schutzes in Jenaer Verkaufsstellen, dem öffentlichen Nahverkehr und Gebäuden mit Publikumsverkehr verpflichtend werden", teilte die Stadt am Montagabend mit. Die Maßnahme sei vom Fachdienst Gesundheit angemahnt worden. Ziel sei es, die Sicherheit des Personals im öffentlichen Leben zu erhöhen. Neben Masken seien auch Tücher oder Schals als Schutz möglich, wenn sie Nase und Mund bedeckten.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben eine Grundausstattung an Masken. Damit wolle man Pflegekräfte, Ärzte, Fahrer im öffentlichen Nahverkehr und andere Menschen in systemrelevanter Infrastruktur versorgen. An die Bevölkerung erging die Bitte: "Nähen Sie sich selbst und anderen Menschen den wichtigen Mund-Nasen-Schutz, um die Verbreitung des Virus einzudämmen."


24.03.2020, Sachsen, Geyer: Solveig Brändl vom Textilunternehmen Brändl in Geyer zeigt Schutzkleidung und eine Mundschutzmaske, die hier im Unternehmen gefertigt werden. Die Masken und die Kleidung bestehen aus einem antibakteriellen Stoff, in dem Fäden aus reinem Silber eingewebt sind. Mit dem innovativen technischen Textil kämpft das Unternehmen aus dem Erzgebirge seit längerem gegen Krankenhauskeime. Was vielen Krankenhäusern bislang zu teuer war, wird in der Coronakrise interessant. Jetzt stellt der Betrieb auf Mundschutzmasken und Schutzkleidung um. Foto: Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/ZB +++ dpa-Bildfunk +++
WHO gegen allgemeines Mundschutztragen
"Wir raten davon ab, Mundschutz zu tragen, wenn man nicht selbst krank ist“, sagt ein leitender WHO-Mitarbeiter am Montag in Genf.

Eine Mundschutzpflicht unter anderem für Einkäufe in Supermärkten hatte zuvor bereits die österreichische Regierung angekündigt. Dabei ist der Nutzen der Masken umstritten: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus keinen Nutzen im allgemeinen Mundschutz-Tragen.

Es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass damit etwas gewonnen wäre, sagte der WHO-Nothilfedirektor Michael Ryan am Montag in Genf. Vielmehr gebe es zusätzliche Risiken, wenn Menschen die Masken falsch abnähmen und sich dabei womöglich infizierten.

Reaktionen aus der Politik

Eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten wie in Österreich sei derzeit nicht geplant, sagte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am Dienstag im ARD-"Morgenmagazin". Zuerst müsse man abwarten, ob die in Deutschland getroffenen Maßnahmen helfen. "Es ist wichtig, dass wir uns jetzt an die grundlegenden Beschränkungen halten (...) und nicht über Exit-Strategien nachdenken", sagte Söder.

Der CSU-Chef forderte zugleich eine "nationale Notfallproduktion" von Schutzmasken für das Personal in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altersheimen. "Wichtig ist, dass wir eine nationale Notfallproduktion endlich bekommen." Die deutsche Wirtschaft müsse darauf umstellen.


Lokales, Corona-Virus, Stéphanie Damm-Krauss näht Stoffmasken mit ihrer Tochter Charlie, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
Schutzmasken in Handarbeit
Stéphanie Damm-Kraus nähte bislang mehr als 50 sogenannte chirurgische Gesichtsmasken für Krankenhauspersonal. Weitere sollen folgen.

Der FDP-Bundestagsfraktionsvize Michael Theurer sagte, die Regierung in Berlin müsse hier mehr Führungsverantwortung übernehmen und im Dialog mit der Wirtschaft die Notfallproduktion von Schutzmasken organisieren und vorantreiben. "In dieser historischen Krise muss die Wirtschaft noch viel stärker bei der Produktion der in Deutschland fehlenden ca. eine Milliarde Schutzmasken einspringen." Das medizinische Personal brauche dringend vor allem Viren hemmende FFP2- und FFP3-Spezialmasken.

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner kritisierte Söders Vorstoß als "unrealistisch" und "unsolidarisch". Es brauche Zulieferung aus dem Ausland, um möglichst schnell und viel Schutzausrüstung herzustellen. "Da hilft eine staatliche europäische Koordinierung mehr als nationale Alleingänge."

Zudem müsse auch die Belieferung der "Corona-Hotspots" sichergestellt sein. "Wir können andere EU-Staaten nicht alleine lassen, die nicht diese Kapazität haben und zu ihnen sagen: Pech gehabt."


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