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Diplomatisches Tauziehen nach Putsch in Venezuela
International 2 2 Min. 24.01.2019

Diplomatisches Tauziehen nach Putsch in Venezuela

Vermummte und maskierte Menschen protestieren gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro.

Diplomatisches Tauziehen nach Putsch in Venezuela

Vermummte und maskierte Menschen protestieren gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro.
Boris Vergara/dpa
International 2 2 Min. 24.01.2019

Diplomatisches Tauziehen nach Putsch in Venezuela

In Venezuela hat sich Parlamentspräsident Juan Guaido (35) am Mittwoch zum neuen Staatspräsidenten erklärt. Die USA erkannten Guaido an, Venezuelas Bischöfe demonstrieren an der Seite der Opposition.



Juan Guaido erklärt sich auf einer Kundgebung gegen Nicolas Maduro zum "Interims-Präsidenten".
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(KNA) - Fast stündlich treffen die Meldungen aus den Schaltzentralen der lateinamerikanischen Hauptstädte ein: Ecuador, Chile, Kolumbien, Brasilien, die Gruppe von Lima unterstützen Juan Guaido (35), der am Mittwoch zum Interimspräsidenten ausgerufen worden war. Der mächtigste Verbündete sitzt nördlich: US-Präsident Donald Trump war einer der ersten der Guaido das Vertrauen und die Unterstützung zusagte.

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Daraufhin brach der sozialistische Präsident Nicolas Maduro die diplomatischen Beziehungen zu den USA ab, Washington konterte umgehend: Dazu habe er gar nicht mehr das Recht. Guaido forderte das internationale Diplomatencorps auf, im Land zu bleiben. Aber auch Nicolas Maduro, den die USA nur noch Ex-Präsident nennen, hat einflussreiche Freunde: Russland, China, die Türkei und natürlich Bolivien, Kuba und Nicaragua stellten sich auf seine Seite. Auch Mexikos neuer linker Präsident Andres Manuel Lopez Obrador sprach sich für Maduro aus.

Juan Guaido, Präsident des entmachteten Parlaments in Venezuela, erklärt sich auf einer Kundgebung vor Anhängern zum venezolanischen Staatschef.
Juan Guaido, Präsident des entmachteten Parlaments in Venezuela, erklärt sich auf einer Kundgebung vor Anhängern zum venezolanischen Staatschef.
Rafael Hernandez/dpa

Neuwahlen als Ziel


Venezuela's President Nicolas Maduro (C), speaks to a crowd of supporters to announce his is breaking off diplomatic ties with the United States, during a gathering in Caracas on January 23, 2019. - Venezuela President Nicolas Maduro announced on Wednesday he was breaking off diplomatic ties with the United States after counterpart Donald Trump acknowledged opposition leader Juan Guaido as the South American country's "interim president." (Photo by Luis ROBAYO / AFP)
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Guaido berief sich bei seinem Schritt auf die Verfassung. Die Vereidigung des im Mai unter hoch umstrittenen Umständen wiedergewählten sozialistischen Präsidenten Nicolas Maduro sei verfassungswidrig. Guaido will eine Übergangsregierung und Neuwahlen durchsetzen. Der Ingenieur ist Absolvent der Katholischen Universität Andres Bello, die zu den Hochburgen der Studentenproteste gegen Maduro zählt. Am späten Mittwochabend (Ortszeit) drückte Guaido jenen Familien sein Mitgefühl aus, die an diesem denkwürdigen Tag ums Leben kamen. Eine Nichtregierungsorganisation spricht von insgesamt 13 Toten aus den turbulenten letzten 48 Stunden mit Protesten und Plünderungen.

Zuvor hatten sich zahlreiche katholische Bischöfe an den überwiegend friedlichen Protestmärschen gegen die sozialistische Regierung Maduro beteiligt. Im Kurznachrichtendienst "Twitter" veröffentlichte die venezolanische Bischofskonferenz Fotos von den Bischöfen Mario Moronta (San Cristobal), Victor Hugo Basabe (San Felipe), Luis Enrique Rojas (Merida) und Ulises Gutierrez (Ciudad Bolivar), die sich an der Seite der Demonstranten zeigten. Maturins Bischof Enrique Perez Lavado berichtete, Einheiten der regierungstreuen Nationalgarde hätten eine Kirche umstellt, in der 700 Gläubige nach Protesten Schutz gesucht hätten. Sie konnten einige Stunden später aber gleichzeitig und unverletzt das Gotteshaus verlassen.

Erinnerungen werden wach

Eine Frau hat sich mit einer venezolanischen Flagge maskiert und protestiert gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro.
Eine Frau hat sich mit einer venezolanischen Flagge maskiert und protestiert gegen den venezolanischen Präsidenten Maduro.
Boris Vergara/dpa

Zugleich erinnerten die Bischöfe in einer Stellungnahme an die historische Bedeutung des Datums: Es ist der 61. Jahrestag des Sturzes von Ex-Diktator Marcos Perez Jimenez, der am 23. Januar 1958 ins Exil in die USA ging. Laut lokalen Medienberichten folgten im ganzen Land Hunderttausende Venezolaner dem Aufruf der Opposition, an diesem Tag gegen die Regierung zu demonstrieren. Auch in anderen lateinamerikanischen Ländern gingen tausende venezolanische Flüchtlinge auf die Straße, um gegen die Regierung zu demonstrieren.

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Die venezolanischen Bischöfe riefen das Militär auf, die Bürger zu schützen. Die neuen Proteste seien ein Zeichen der Hoffnung. Guaido hatte im Vorfeld jenen Militärs eine Amnestie versprochen, die sich von Maduro lossagen. Auch das Maduro-Lager hatte die eigenen Leute mobilisiert. Der Regierungssender Telesur berichtete über mehrere tausend Demonstranten, die dem Aufruf Maduros folgten. Telesur nannte Guaido später das neue Gesicht des Putsches.

Venezuela wird seit Jahren von einer innenpolitischen Krise erschüttert. Ende 2015 hatte die Opposition nach Massenprotesten die Parlamentswahl klar gewonnen. Danach ließ Maduro das Parlament entmachten. Die vorgezogenen Präsidentschaftswahlen 2016 gewann Maduro trotz internationaler Proteste. Zahlreiche aussichtsreiche Kandidaten waren ausgeschlossen worden oder boykottierten aus Protest den Wahlgang. Die Bischofskonferenz nannte seine Vereidigung illegitim und moralisch inakzeptabel.

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