Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Zeit der Generäle: Trump wechselt Berater, aber bleibt sich treu
International 3 Min. 22.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Zeit der Generäle: Trump wechselt Berater, aber bleibt sich treu

Afghanistan ist bei weitem nicht die einzige Herausforderung für Trump.

Die Zeit der Generäle: Trump wechselt Berater, aber bleibt sich treu

Afghanistan ist bei weitem nicht die einzige Herausforderung für Trump.
AFP
International 3 Min. 22.08.2017 Aus unserem online-Archiv

Die Zeit der Generäle: Trump wechselt Berater, aber bleibt sich treu

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Die Afghanistan-Strategie zeigt: Trump ist wandlungsfähig. Doch für die Prophezeiung einer Kehrtwende scheint es viel zu früh. Die meisten Kommentatoren sind der Meinung: „Trump bleibt Trump“.

(dpa) - Susan Thornton ist im US-Außenministerium die unumstrittene Asien-Expertin. Seit 20 Jahren ist die Karrierediplomatin in der Region unterwegs, hat unzählige Gespräche geführt, noch mehr Dokumente gelesen. In der vergangenen Woche hatte Donald Trumps Chefstratege Stephen Bannon erklärt, er werde Susan Thornton aus dem Außenministerium entfernen, und sie als Beispiel für die Leute genannt, die seinem Chef Trump bei der Umsetzung seiner Ziele im Weg stünden.

Susan Thornton traf sich am Dienstag in Washington mit Vertretern der EU-Länder und Indiens, um die neue Afghanistan-Strategie zu erklären. Stephen Bannon ist als Teil der US-Regierung dagegen Geschichte. Er trat just an dem Tag ab, an dem Donald Trump in Camp David gemeinsam mit den Ex-Generälen in seinem Kabinett - Herbert Raymond McMaster, John Kelly und James Mattis - die letzte Entscheidung zu der Südasien-Strategie traf.

Trump auf dem Weg zu seinem Hubschrauber in Washington.
Trump auf dem Weg zu seinem Hubschrauber in Washington.
AFP

Kehrtwende und Machtkampf

Die Kehrtwende des einst glühenden Interventionskritikers Trump zeigt deutlicher als andere Themen: Die Militärs in der US-Regierung haben die Oberhand - im Moment. Ein monatelanger Machtkampf ist zumindest vorübergehend zu Ende. Stephen Bannon, ein überzeugter Nationalist und Populist, muss seinen Kampf gegen das Establishment jetzt über seine rechtslastige Plattform Breitbart führen. Offiziere und Wall-Street-Banker haben die Meinungsführerschaft in der Binnenkommunikation des Weißen Hauses übernommen.

Wenige Tage nach Bannons mit viel Trommelwirbel begleitetem Weggang fühlte sich Trump sogar zu einer Justierung seiner politischen Grundhaltung bemüßigt. „Loyalität unserer Nation gegenüber erfordert Loyalität auch untereinander“, sagte Trump. „Wenn wir unsere Herzen für Patriotismus öffnen, dann ist dort kein Raum für Vorurteile, kein Platz für Fanatismus und keine Toleranz für Hass.“ Ist das der gleiche Donald Trump, der noch vor ein paar Tagen „feine Leute auf beiden Seiten“ erkannt hatte, als eine Horde von Rassisten und Neonazis durch Charlottesville zog und sich mit Gegendemonstranten prügelte?

Es wird abzuwarten bleiben, wie nachhaltig die angebliche Kehrtwende des Donald Trump ausfallen wird.

Viele Problemherde

Afghanistan ist bei weitem nicht die einzige Herausforderung. Beim Reizthema Nordkorea fehlt nach Auffassung fast aller Experten jede Strategie, der Umgang mit Russland ist ungeregelt, in Syrien sind die Amerikaner im Geflecht unzähliger Interessenlagen nahe der Bedeutungslosigkeit.

Trump steht zudem unter dem Eindruck weiter dramatisch bröckelnder Umfragewerte. Statt sich allmählich aus dem Umfragetief nach seinem Fehlstart im Januar zu arbeiten, sinkt er immer tiefer in der Gunst der Amerikaner. Eine klare Mehrheit von 56 Prozent sieht etwa seine Handhabung der Vorfälle von Charlottesville als falsch an - darunter auch viele Republikaner.

Die Handhabung der Vorfälle von Charlottesville hatten für zahlreiche Proteste gesorgt.
Die Handhabung der Vorfälle von Charlottesville hatten für zahlreiche Proteste gesorgt.
AFP

Die verheerende vergangene Woche - die wohl schwierigste seiner bisher sieben Monate dauernden und wahrlich an Aufregung nicht armen Amtszeit - wurde von vielen Kommentatoren als entscheidende Weichenstellung beschrieben. Mit dem Abdanken Bannons als Verlierer eines internen Machtkampfes als Höhepunkt. Doch kann sich Trump nun vom großmäuligen Populisten zum ernsthaften Politiker wandeln?

Chaos bleibt

„In einem normalen Weißen Haus würde des Abdanken des politischen und ideologischen Gurus eine größere Kurskorrektur bedeuten“, schreibt der CNN-Kommentator Stephen Collinson. Doch sei es unwahrscheinlich, dass Bannon das von ihm maßgeblich mitverursachte Chaos an der Pennsylvania Avenue in Washington einfach mitgenommen habe.

Bannon selbst hatte prophezeit: „Diese Präsidentschaft ist vorbei“ - und damit nicht das Ende Trumps, sondern dessen Kurswandel angekündigt. Doch Collinson ist sich sicher: „Bannon oder nicht Bannon - Trump bleibt Trump.“

Späte Einsicht

Vielmehr dürfte der Instinktmensch Trump eingesehen haben, dass er seine nach Charlottesville auf die Spitze getriebene Selbstisolierung nicht weitertreiben darf. Der September steht bevor, mit immens wichtigen innenpolitischen Entscheidung zum Haushalt und zur Steuerreform. Wenn die Republikaner mit ihrer Macht über beide Parlamentskammern und das Weiße Haus hier nach der Gesundheitsreform erneut an ihrer Uneinigkeit und mangelnder Führung aus der Regierung scheitern, dürfte das für weiteren Unmut bei den Wählern sorgen.

Dennoch, in seinem Umfeld dreht Trump an wesentlichen Stellschrauben. Reince Priebus, ein Parteisoldat, übergab den Stab an Ex-General John Kelly. Der frühere Goldman-Sachs-Topmanager Gary Cohn setzte sich im Streit gegen den populistischen Trump Flügel durch. Bannon, auch als Intimfeind von Trump-Schwiegersohn Jared Kushner und seiner Frau Ivanka Trump bekannt, ist nur noch als Journalist tätig.

Kushner, schon mehrfach als Präsidentenberater totgesagt, bricht nun Mitte der Woche zu einer politischen Reise in den Nahen Osten auf. Im Weißen Haus wurde aufgeräumt - besenrein ist es längst nicht.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

US-Militär: Trumps afghanische Neuordnung
Seit 16 Jahren kämpfen US-Soldaten in Afghanistan. Der Erfolg ist umstritten. Donald Trump war einer der größten Kritiker der US-Operation am Hindukusch. Er ließ sich aber überzeugen, dass ein Rückzug fatal wäre. Von einer Aufstockung war indes nicht die Rede.
Rückzug oder nicht? Geht es nach US-Präsident Trump, sollen die US-Truppen vorerst in Afghanistan bleiben.