Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Die Welt verbündet sich gegen das Virus - doch eine Weltmacht fehlt
International 2 4 Min. 04.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Welt verbündet sich gegen das Virus - doch eine Weltmacht fehlt

US-Präsident Donald Trump am 3. Mai vor dem Weißen Haus.

Die Welt verbündet sich gegen das Virus - doch eine Weltmacht fehlt

US-Präsident Donald Trump am 3. Mai vor dem Weißen Haus.
Foto: AFP
International 2 4 Min. 04.05.2020 Aus unserem online-Archiv

Die Welt verbündet sich gegen das Virus - doch eine Weltmacht fehlt

Ein Impfstoff soll letztlich den Sieg über das Coronavirus bringen. Und die Weltgemeinschaft organisiert sich, um Milliarden dafür zu sammeln. Aber wo ist die Weltmacht USA?

(dpa) - Europa, Kanada, Japan, Südkorea, China, Israel, Saudi-Arabien: Im Kampf gegen Corona haben Staats- und Regierungschefs aus aller Welt 7,4 Milliarden Euro für die Suche nach Impfstoffen und Medikamenten zugesagt, um das tödliche Virus gemeinsam zu besiegen. Allein die deutsche Kanzlerin Angela Merkel versprach bei einer internationalen Geberkonferenz am Montag 525 Millionen Euro und sagte: "Es ist eine Stunde der Hoffnung." Die Weltmacht USA fehlte allerdings bei dem globalen Kraftakt für preiswerte Impfstoffe und Medikamente für alle - ebenso wie Russland.

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hatte die Online-Konferenz einberufen und moderierte die Schalte auf alle Kontinente begeistert und mit unerschütterlichem Lächeln. Zum Auftakt sagte sie selbst für die EU-Kommission eine Milliarde Euro zu - ein großer Schritt hin zu dem offiziellen Tagesziel von 7,5 Milliarden Euro. Dann ging es im Minutentakt weiter: 850 Millionen Dollar aus Kanada, 500 Millionen Euro aus Frankreich, 388 Millionen Pfund aus Großbritannien, 192 Millionen Euro aus den Niederlanden, 140 Millionen aus Italien und so fort. Luxemburg hat 10,5 Millionen Euro an Hilfen zugesagt. Am Ende war das Ergebnis dann fast eine Punktlandung. "Die Welt ist vereint gegen das Coronavirus und die Welt wird gewinnen", resümierte von der Leyen.

Zeitweise herrschte bei den Zahlen Wirrwarr, weil die EU-Kommission auf dem Weg zur Gesamtsumme auch Zusagen zuließ, die schon seit dem 30. Januar gegeben wurden. Teils wurde nicht klar, was an frischem Geld fließen soll, was längst verplant ist und was möglicherweise über Jahre gestreckt wird. Aber die 7,4 Milliarden Euro sind ohnehin nur eine Art Anzahlung. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wird das Fünffache nötig, um Impfstoffe und Arzneien wirklich einmal Milliarden Menschen weltweit zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen - rund 40 Milliarden Euro. Ende Mai soll eine weitere Konferenz folgen.

Globaler Zusammenhalt - mit einer Ausnahme

Die Hauptbotschaft der Veranstaltung war eine andere: Wir bündeln die Kräfte gegen den unsichtbaren Feind. Viele der Teilnehmer fanden rührende, bisweilen auch pathetische Worte. Der gerade von Covid-19 genesene britische Premierminister Boris Johnson sprach vom "dringendsten gemeinsamen Anliegen unseres Lebens".

Der kanadische Regierungschef Justin Trudeau sagte: "Wenn ein Sturm kommt, wollen sich Menschen gerne zusammen mit ihren Freunden, mit ihrer Familie wegducken und warten, bis es vorbei ist. Aber wir können uns nicht isolieren. Wir können nicht hoffen, dass es anderen gut geht, während wir uns um uns selber kümmern. Wir müssen uns um uns selber kümmern und um den Rest der Welt."

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Kanadas südlicher Nachbar USA wollte das so offensiv wohl nicht vertreten: Die Regierung von US-Präsident Donald Trump hielt sich bei der Geberkonferenz raus. Außenminister Mike Pompeo ließ lediglich ausrichten, man begrüße die Anstrengungen der anderen. Ein hoher US-Regierungsbeamter ergänzte in Washington - übrigens zeitgleich mit der Geberkonferenz in Brüssel -, die dort bedachten Organisationen bekämen auch von der US-Regierung viel Geld. Und: "Unsere Zusammenarbeit mit unseren europäischen Partnern wie auch mit Partnern in aller Welt bleibt extrem robust."

"America First"

Trump hatte vor Tagen ein eigenes Programm gestartet, um einen Impfstoff in "Warp-Geschwindigkeit" (Überlichtgeschwindigkeit) zu entwickeln und Amerikanern bis zum Jahresende Hunderte Millionen Dosen zur Verfügung zu stellen. Am Sonntag bekräftigte Trump, er rechne mit einem Impfstoff noch dieses Jahr - was viele Forscher bezweifeln. In Europa herrscht Sorge, dass Trump vorrangig die USA versorgen würde, falls dort ein Durchbruch für den Impfstoff gelingt - folgend dem Motto "America first".

360 Videos werden hier nicht unterstützt. Wechseln Sie in die Youtube App, um das Video anzusehen.

Seitenhiebe auf nationale Alleingänge waren bei der Geberkonferenz überall zu hören. Merkel sagte, die Konferenz sei ein wichtiges Signal in einer Zeit, in der nicht immer so multilateral zusammengearbeitet werde, wie sie sich das wünsche. "Deutschland wird sich tatkräftig einbringen", sagte Merkel. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron meinte: "Das 'Jeder-für-sich' wäre ein großer Fehler." Und immer wieder die Botschaft: Dieses Virus kennt keine Grenzen und die Welt wird nur dann sicher sein, wenn es in allen Ländern eingedämmt ist.

An der sogenannten Global Response (weltweiten Antwort) beteiligt sind nicht nur Regierungen, sondern auch internationale und private Organisationen, die Vereinten Nationen, die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung, die Koalition für Innovationen zur Vorsorge gegen Epidemien Cepi und die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierungen Gavi.


TOPSHOT - Protestors try to enter the Michigan House of Representative chamber and are being kept out by the Michigan State Police after the American Patriot Rally organized by Michigan United for Liberty protest for the reopening of businesses on the steps of the Michigan State Capitol in Lansing, Michigan on April 30, 2020. - The group is upset with Michigan Gov. Gretchen Whitmer's mandatory closure to curtail Covid-19. (Photo by JEFF KOWALSKY / AFP)
Corona-Proteste: Bewaffnete dringen ins Parlament von Michigan ein
In den vergangenen Wochen gab es in verschiedenen US-Staaten bereits Demonstrationen gegen verhängte Beschränkungen in der Corona-Krise. Nun wird Michigans Parlament Schauplatz solcher Proteste und turbulenter Szenen.

Die am Montag zugesagten Gelder sollen über die beteiligten internationalen Partner in drei Kategorien an die Forscher verteilt werden - für Impfstoffe, Arzneien und Tests. Dafür müssen die Empfänger offenen Zugang zu Ergebnissen versprechen und sich auf das Ziel verpflichten, die neuen Mittel allen zu erschwinglichen Preisen zugänglich zu machen.

Weltweit wird derzeit nach Angaben der EU-Kommission an mehr als 70 möglichen Impfstoffen geforscht. Mindestens drei werden inzwischen klinisch getestet. Von dem Geld der Geberkonferenz sollen vier Milliarden Euro dafür fließen. Dutzende Forscherteams suchen gleichzeitig nach einer Therapie für Covid-19. Dafür will die internationale Allianz zwei Milliarden Euro aufbringen. Für die Ausweitung von Testoptionen sind 1,5 Milliarden Euro gedacht.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

G20-Treffen im Schatten der Pandemie
Beim Gipfel der führenden Wirtschaftsnationen werden Rufe nach gemeinsamen Anstrengungen laut, um gegen die Pandemie vorzugehen. Darunter ein Aufruf der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel.
Japanese Prime Minister Yoshihide Suga (top L), US President Donald Trump (top R), South Korean President Moon Jae-in (down L), and European Commission President Ursula von der Leyen (down C) are seen on a screen before the start of a virtual G20 summit hosted by Saudi Arabia and held over video conference amid the Covid-19 (novel coronavirus) pandemic, in Brussels, on November 21, 2020. - Saudi Arabia hosts a G20 summit on November 21 and 22, in a first for an Arab nation, with the virtual forum dominated by efforts to tackle the coronavirus pandemic and the worst global recession in decades. (Photo by YVES HERMAN / POOL / AFP)
Wo das Virus auf wenig Widerstand stößt
Während in den meisten Ländern Europas die Zahl der Corona-Infizierten langsam zurückgeht, steigen die Fallzahlen im Nahen und Mittleren Osten. Sechs Fragen und Antworten.
Syrian Muslim worshippers crowd a mosque in the opposition held city of Idlib in northwestern Syria, for the evening Tarawih prayer during the holy month of Ramadan, on April 30, 2020 amid the coronavirus COVID-19 pandemic. (Photo by OMAR HAJ KADOUR / AFP)