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„Die schießen“ - Mordprozess um zwei getötete Polizisten beginnt
International 3 Min. 20.06.2022
Kuseler Polizistenmord

„Die schießen“ - Mordprozess um zwei getötete Polizisten beginnt

Ein Holzkreuz und Kerzen als Gedenkort an der Landstraße zwischen Kusel und Ulmet.
Kuseler Polizistenmord

„Die schießen“ - Mordprozess um zwei getötete Polizisten beginnt

Ein Holzkreuz und Kerzen als Gedenkort an der Landstraße zwischen Kusel und Ulmet.
Foto: Uwe Anspach/dpa
International 3 Min. 20.06.2022
Kuseler Polizistenmord

„Die schießen“ - Mordprozess um zwei getötete Polizisten beginnt

Eine Polizistin und ihr Kollege werden nachts bei einer Kontrolle erschossen. Die Tat sorgt für Entsetzen. Nun steht der mutmaßliche Schütze vor Gericht. Er ist für die Behörden kein Unbekannter.

(dpa) - Viereinhalb Monate nach tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle in der Pfalz beginnt am Dienstag (21. Juni) der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter.

Der 39 Jahre alte Mann ist vor dem Landgericht Kaiserslautern des Mordes angeklagt - er soll Ende Januar eine 24 Jahre alte Polizistin und ihren 29 Jahre alten Kollegen mit mehreren Gewehrschüssen getötet haben, um Jagdwilderei zu verdecken. Die Gewalttat bei Kusel sorgte international für Entsetzen. Vor dem Landgericht sind vorerst 14 Termine bis 9. September vorgesehen. Dem Vernehmen nach sind mehrere Sachverständige und eine Vielzahl von Zeugen geladen.


02.02.2022, Rheinland-Pfalz, Kusel: Ein Kranz sowie Blumen und Kerzen liegen am Tatort an der Kreisstraße 22 bei Ulmet (Rheinland-Pfalz) zum Gedenken. Am Montag wurden in der Nähe bei Ulmet eine Polizistin und ein Polizist im Dienst getötet. Foto: Harald Tittel/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Was wir zum Polizistenmord von Kusel wissen
War das Vertuschen von Jagdwilderei ein Motiv für den Tod von zwei Polizisten? Noch sind viele Fragen zur Tat ungeklärt.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte in der Tatnacht mit einem 33 Jahre alten Mann zur Jagdwilderei in der Westpfalz unterwegs war. Die beiden Polizisten, die in einem Zivilfahrzeug Streife fuhren, machte der geparkte Kastenwagen am Rand einer Kreisstraße stutzig, und sie stiegen zur Kontrolle aus.

Überraschend, so die Anklagebehörde, habe der 39-Jährige dann einen Schuss aus der Flinte „aus kurzer Entfernung auf den Kopf“ der Polizeianwärterin abgegeben. Die Frau stürzte schwer verletzt und bewusstlos auf die Straße. Danach soll der Angeklagte zunächst mit der Flinte, dann mit einem Jagdgewehr auf den Polizeikommissar geschossen haben. Der 29-Jährige schoss zurück, ohne den Angreifer zu treffen. Er setzte einen Notruf ab mit den Worten „Die schießen“.

Schließlich habe der Angeklagte den Polizisten mit mehreren Schüssen schwer verletzt und am Ende tödlich am Kopf getroffen. Als der 39-jährige Deutsche gemerkt habe, dass die junge Polizistin noch lebt, habe er mit der Flinte einen weiteren Schuss auf den Kopf der jungen Frau abgegeben, hieß es. Die beiden Verdächtigen flohen demnach und wurden am nächsten Tag im nahen Saarland festgenommen.


Police stand on a road during a search for 38-year-old fugitive who gunned down two police officers during a routine patrol in Kusel, Rhineland-Palatinate, western Germany on January 31, 2022. - Two German police officers were shot dead on January 31 after pulling over a car during a routine traffic stop, prompting police to launch a major manhunt. (Photo by Wolfgang STEIL / STEIL-TV / AFP)
„Sonst leg ich dich daneben“
Florian V. will nicht selbst geschossen haben, aber er war dabei, als bei Kusel zwei Polizisten starben. Andreas S. habe ihn bedroht.

Dem 39-Jährigen wirft die Staatsanwaltschaft unter anderem zwei Morde vor, „aus Habgier und um eine Straftat zu verdecken“. Dem 33-Jährigen wirft sie unter anderem versuchte Strafvereitelung vor - er habe beim Verwischen der Spuren geholfen. Zudem werden beide der gemeinschaftlichen nächtlichen Jagdwilderei beschuldigt. Psychiatrische Gutachten ergaben keine Anhaltspunkte für eine eingeschränkte Schuldfähigkeit.

Gewerbsmäßiger Wilderer ohne Jagd- und Waffenschein

In den Fokus der Ermittlungen geriet schon früh die Vergangenheit des 39-Jährigen. Er war den Behörden unter anderem wegen des Verdachts der Jagdwilderei aufgefallen. Die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern teilte mit: Zum Tatzeitpunkt soll der Mann seinen Lebensunterhalt im Wesentlichen durch Jagdwilderei und den Verkauf der Beute erzielt haben. Doch seit April 2020 durfte er Waffen weder besitzen noch kaufen oder leihen, hatten die Behörden mitgeteilt. Auch einen Jagdschein habe der Tatverdächtige nur bis Ende März 2020 besessen.


Ein Kranz, Blumen und Kerzen lagen im Februar an einem Tatort nahe Kusel in der Pfalz.
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Den Ermittlungen zufolge könnte die Ehefrau dem Angeklagten geholfen haben. Sie habe die Flinte 2021 gekauft sowie das Gewehr in einem Waffengeschäft im Saarland erworben und die Waffen legal besessen. „Die näheren Umstände, wie der 39-Jährige in den Besitz der Tatwaffen kam, sind Gegenstand eines laufenden Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Kaiserslautern gegen die Ehefrau wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen das Waffengesetz“, hieß es. Die mutmaßlichen Tatwaffen waren im Saarland sichergestellt worden.

Polizei durchsucht 75 Wohnungen wegen Hass im Netz  

Polizisten in 15 Bundesländern haben am Montag die Wohnungen von 75 Verdächtigen durchsucht, denen Hass-Äußerungen im Internet vorgeworfen werden. Insgesamt werde gegen 150 Beschuldigte in 172 Fällen strafrechtlich relevanter Äußerungen ermittelt, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) am Montag in Mainz. „Wenn Worte wie Waffen gebraucht werden, ist konsequentes staatliches Handeln gefordert“, fügte Lewentz hinzu.


Journalisten verfolgen die Pressekonferenz von Vertretern der Polizei und Justiz.
Vier Schüsse aus dem Jagdgewehr
Um eine Wilderei zu vertuschen, sollen zwei Männer die beiden Polizisten in Kusel erschossen haben. Was erschreckt, ist die Brutalität.

Bei den Durchsuchungen wurden 180 Datenträger wie Smartphones, Notebooks und andere digitale Geräte sichergestellt, wie der Vizepräsident des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamts (LKA), Achim Füssel, mitteilte. Die Ermittlungen werden geführt von der Ermittlungsgruppe „Hate Speech“ beim LKA Rheinland-Pfalz. Anlass waren laut Lewentz Äußerungen im Netz, „in denen der Mord gefeiert und die Opfer verächtlich gemacht wurden“. 


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