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Die Russen und der Brexit
International 3 Min. 22.11.2019

Die Russen und der Brexit

Der Ex-KGB-Spion Alexander Lebedew bei der Buchvorstellung «Hunt the Banker».

Die Russen und der Brexit

Der Ex-KGB-Spion Alexander Lebedew bei der Buchvorstellung «Hunt the Banker».
Foto: Ulf Mauder/dpa
International 3 Min. 22.11.2019

Die Russen und der Brexit

Der Ex-KGB-Spion Lebedew präsentiert in Moskau sein Buch über korrupte Banker und sein eigenes Leben. Doch fragen lassen muss sich der als Eigentümer zweier britischer Zeitungen bekannte Ex-Oligarch vor allem, ob die Russen auf die Politik in London Einfluss nehmen.

(dpa) - In der bisher kältesten Nacht dieses Herbstes Mitte dieser Woche in Moskau, wollte der frühere KGB-Spion Alexander Lebedew eigentlich nur sein Buch vorstellen. Aber die Präsentation des englischen Titels „Hunt the Banker“ gerät beinahe zur Nebensache. Der 59-Jährige wird in Moskau von seinem Londoner Leben eingeholt. Ob die Russen auf die britische Politik Einfluss genommen haben im Wahlkampf vor dem Brexit-Referendum 2016 oder jetzt, um dem Konservativen Premier Boris Johnson bei der Wahl am 12. Dezember zum Sieg zu verhelfen?

„Das ist lächerlich“, sagt Lebedew. „Das läuft alles ohne russischen Einfluss.“ Berichte britischer Medien, die anderes nahelegen, lächelt er weg. Ja, er kenne Johnson und andere frühere britische Premiers. Er bestätigt auch, dass Johnson – noch als Außenminister - im vorigen Jahr zur Geburtstagsfeier seines Sohnes Jewgeni Lebedew nach Italien flog. „Aber ich bin nicht sein Freund.“ Eine angebliche Moskauer Spur in der Londoner Politik tut der Unternehmer, der vor einigen Jahren die britischen Zeitungen „Evening Standard“ und „The Independent“ kaufte, als Kampagne russenfeindlicher Medien ab.


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Die Schriftzüge der Zeitungen, eingerahmte Ausgaben und moderne Kunst mit Kremlchef Wladimir Putin als Motiv dienen als Deko in seinem kleinen Moskauer Restaurant. Bei Kaviar und Wodka erzählt der frühere Geheimdienstoffizier, der zu Sowjetzeiten für den KGB in der Moskauer Botschaft in London Kapitalflüchtlinge aus der Heimat ausspionierte, dass der Hass auf Russen ein Niveau erreicht habe, wie es das nicht einmal im Kalten Krieg gegeben habe. Und dann kommt er zum eigentlichen Anlass des abendlichen Treffens - sein Buch, das die immense Kapitalflucht aus Russland und himmelschreiende Korruption in der Rohstoffgroßmacht zum Thema hat.

Der Westen macht es den korrupten nationalen Eliten möglich, sich auf kriminelle Weise zu bereichern

Alexander Lebedew

„Aus Russland wird das Geld ausgeführt und im Westen gewaschen“, sagt er. Es gehe um Milliardensummen, die in Offshore-Zentren und Steueroasen geparkt seien und der Entwicklung des Riesenreichs fehlten.

Lebedew kritisiert, dass internationale Investmentfonds dabei helfen würden, das Geld zu waschen. „Der Westen macht es den korrupten nationalen Eliten möglich, sich auf kriminelle Weise zu bereichern“, schreibt er. Lebedew macht auch Vorschläge, wie der Abfluss des Geldes aus seiner Sicht gestoppt werden kann.

Die reichen Staaten müssten aufhören, das System zu fördern. Russlands Außenpolitik sollte hier ein Feld aufmachen, meint er. Zur Buchpräsentation ist immerhin auch Maria Sacharowa gekommen – die Sprecherin des russischen Außenministeriums. Als Vorbild lobt Lebedew die USA, die westlichen Banken immer wieder Geldstrafen wegen Geldwäsche aufbrummten. Russland müsse einfordern, dass der Westen mehr als 100 Milliarden US-Dollar, die kriminelle Banker von russischen Bürgern gestohlen hätten, zurücküberweise.


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Der frühere Banker Lebedew, der mit dem Ex-Sowjetpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow auch Miteigentümer der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“ ist, hat sich oft politisch eingemischt. Ein Politiker sei er aber nicht. „Ich bin Geschäftsmann“, betont Lebedew in dem grauen Jackett, unter dem er eine Lederweste und ein weißes Hemd trägt. In seinem Buch mit dem Untertitel „Die Beichten eines russischen Ex-Oligarchen“ schildert er auch, wie er zu Reichtum gekommen ist und dann Milliarden verlor. 

Besonders schmerzhaft sei das „Fiasko“ mit der deutschen Fluglinie Blue Wings gewesen, die er 2006 gekauft hatte – und die dann pleite ging. Verlorene Prozesse, Ärger mit Steuerbehörden und dem Geheimdienst FSB – Lebedew, der Leibwächter dabei hat, hat viel zu erzählen auf 256 Seiten. In großen Teilen ist sein Buch vor allem eine humorvolle autobiografische Selbstbespiegelung des schillernden Lebemanns Lebedew, der beste Kontakte in die Promi-Welt hat.

Vor seinem 60. Geburtstag am 16. Dezember beklagt er, dass sich in Russland vieles zum Schlechteren entwickle. „Ich sehe aber auch im Westen eine Degradierung“, meint er – und ist wieder bei seinem Kampf gegen Korruption und Geldwäsche. Diese Themen will er nun filmisch aufbereiten. Eine Serie über korrupte Beamte, gestohlenes Geld und über Betrüger sei in Arbeit. Zeigen will er das alles schon bald auf seinem Kanal bei Youtube.


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