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Die Reportage: Ein Eisberg in Südafrika
Um nach Kapstadt zu gelangen, müssen die Eisberge eine 3 000 Kilometer lange Strecke hinter sich bringen.

Die Reportage: Ein Eisberg in Südafrika

AFP
Um nach Kapstadt zu gelangen, müssen die Eisberge eine 3 000 Kilometer lange Strecke hinter sich bringen.
International 1 12.05.2018

Die Reportage: Ein Eisberg in Südafrika

In Katastrophenzeiten muss man auch mal quer denken: Mit der Hilfe von Eisbergen aus der Antarktis hofft ein renommierter Schifffahrtexperte, der Jahrhundertdürre in Südafrika Herr und Meister werden zu können.

Von LW-Korrespondent Markus Schönherr aus Kapstadt

Die derzeit herrschende Jahrhundertdürre um Kapstadt könnte bald schon mit ungewöhnlichen Mitteln bekämpft werden: Mithilfe von Eisbergen aus der Antarktis. Diese könnten die südafrikanische Tourismusmetropole kostensparend mit Frischwasser versorgen, ist der renommierte Schifffahrtexperte Nicholas Sloane überzeugt. „Die Leute denken immer noch, die Idee sei verrückt. Aber in letzter Zeit wird diese Lösung immer öfter diskutiert und es setzt langsam ein Umdenken ein“, sagte Sloane anlässlich seines Plans.

Sloane gilt als Pionier auf dem Gebiet der Schifffahrtlogistik und Bergung. 2013 sorgte der Südafrikaner international für Schlagzeilen. Damals leitete er die Bergung des verunfallten Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia, das im Jahr zuvor im Mittelmeer auf Grund gelaufen war. Experten gaben Sloane nun Recht, dass die Überfahrt von Eisbergen von südpolaren Inseln nach Südafrika nicht nur machbar, sondern auch kostensparender wäre als derzeitige Methoden der Dürrebekämpfung.

Stundenlang müssen Kapstädter anstehen, um an kostenloses Wasser aus einer öffentlichen Quelle zu gelangen.
Stundenlang müssen Kapstädter anstehen, um an kostenloses Wasser aus einer öffentlichen Quelle zu gelangen.
Ashraf Hendricks, GroundUp

Dabei würde ein Eisberg von bis zu 250 Meter Durchmesser von einem Netz eingefangen und mithilfe eines Tankerschiffs knapp 3 000 Kilometer an Südafrikas Westküste überführt. Experten, die an dem Projekt beteiligt sind, schätzen, dass bei der Überfahrt etwa nur ein Drittel des Eisbrockens schmelzen würde. Laut Sloane seien neben Gletscherforschern auch Ozeanografen, Satellitentechniker und Marineingenieure an dem Projekt beteiligt.

„Wir sind an einem Punkt, an dem wir das Projekt Mitte Mai in Angriff nehmen könnten“, bestätigte Sloane. Einzig die zuständigen Politiker in Kapstadt seien noch zu überzeugen. Die Millionenmetropole erlebt derzeit die schlimmste Dürre seit über 100 Jahren. Die Landwirtschaft rechnet mit großen Einbußen. Mehrmals drohte die Stadtverwaltung dieses Jahr, die Trinkwasserversorgung abzustellen. Längst sind Autowaschen, Gartengießen und das Nachfüllen von Pools verboten. Im Bestreben, „Day Zero“ zu verhindern, den Tag, an dem die Leitungen austrocknen, sind Touristen und Kapstädter dazu aufgerufen, nicht mehr als 50 Liter am Tag zu verbrauchen.

Kritisiert wurden die Verantwortlichen unter anderem für ihr unwirtschaftliches Dürremanagement: So setzt die Stadtverwaltung etwa auf Entsalzungsanlagen, die als eine der kostspieligsten Methoden der Trinkwassergewinnung gelten. Laut Sloane würden durch das Eisberg-Projekt keine Mehrkosten für die dürregplagten Kapstädter entstehen: „Wir wollen nicht, dass die Stadt unser Projekt finanziert, sondern uns einfach nur grünes Licht gibt. Investoren benötigen nur diese Zusage, um aufzuspringen.”


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