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Die Reportage: Das Atomium wird 60
Das Atomium wurde für die Weltausstellung 1958 errichtet und feiert am 17. April sein 60-jähriges Bestehen.

Die Reportage: Das Atomium wird 60

Foto: Rutger Kindermann
Das Atomium wurde für die Weltausstellung 1958 errichtet und feiert am 17. April sein 60-jähriges Bestehen.
International 1 3 Min. 14.04.2018

Die Reportage: Das Atomium wird 60

Für die Weltausstellung 1958 gebaut, hat sich das Atomium zum Wahrzeichen Brüssels entwickelt. Jetzt feiert das begehbare Kugelkonstrukt sein 60. Jubiläum.

(dpa) - Silbrig und surreal thront das Atomium auf einer Anhöhe im Norden von Brüssel - und sorgt seit Jahrzehnten für Missverständnisse. Es ist ein Eisenkristall mit neun Atomen, 165 Milliarden Mal vergrößert, aber kein Eisenmolekül. Wieder und wieder musste das sein Erbauer André Waterkeyn bis zu seinem Tod im Jahr 2005 erklären.

Jetzt übernimmt dies Yvonne Boodts. Die blonde, zierliche Frau aus dem Elsass führt seit 2006 durch die gigantischen silbernen Kugeln, die über Röhren miteinander verbunden sind.

Yvonne Boodts ist die neue Pressesprecherin für das Atomium.
Yvonne Boodts ist die neue Pressesprecherin für das Atomium.
Foto: Elena Metz/dpa

Waterkeyn sollte etwas Besonderes bauen, 1958 für die erste Weltausstellung nach dem Zweiten Weltkrieg, etwas Repräsentatives für die damals weltberühmte belgische Metallindustrie. „Sie haben ihm gesagt, er kann so etwas wie den Eiffelturm machen, vielleicht auf den Kopf gestellt“, erzählt Boodts. Tatsächlich schuf Waterkeyn dann das passende Symbol für ein Zeitalter, das begeistert war von wissenschaftlichen Entdeckungen und der friedlichen Nutzung der Atomenergie. Die Euphorie ist verflogen, doch das Symbol bleibt: Am 17. April feiert das Atomium sein 60-jähriges Bestehen.

Eine sensationelle Expo

Die Expo im Heysel-Park sieben Kilometer nordwestlich der Innenstadt war für Brüssel ein sensationeller Erfolg. Mehr als 41 Millionen Besucher kamen in dem halben Jahr von April bis Oktober 1958, angezogen vor allem vom Atomium. Danach sollte das 102 Meter hohe und damals schon 240 Tonnen schwere Kugelkonstrukt eigentlich wieder verschwinden. Aber irgendwie konnte sich die Stadt von dem riesigen Gebilde nicht trennen, auch wenn es über die Jahre deutlich an Glanz einbüßte.

1958 in Brüssel bildete das luxemburgische Pavillon einen L-Grundriss. Das Stahlgerüst blieb sichtbar, um die Nähe Luxemburgs zur Welt des Stahls zu untermauern.
1958 in Brüssel bildete das luxemburgische Pavillon einen L-Grundriss. Das Stahlgerüst blieb sichtbar, um die Nähe Luxemburgs zur Welt des Stahls zu untermauern.
www.atomium.be - SABAM 2009

„Vor 2006 sah es wirklich schlimm aus“, erinnert sich Boodts. „Die Kugeln hatten Löcher und Tauben sind herumgeflogen.“ Dann wurde das Atomium für 27 Millionen Euro generalüberholt und glänzt nun in rostfreiem Edelstahl.

Sieben Millionen in zwölf Jahren

Seit der Renovierung haben es fast sieben Millionen Touristen besucht. „Ich war wirklich beeindruckt, das war wirklich das Highlight von meinem Brüssel-Ausflug“, schwärmt die 18-jährige Alexandra Danzer aus Zirndorf bei Nürnberg. Auch ihre Freundin aus Moskau ist beeindruckt. „Das Spiel des Lichts, man fühlt sich wie im Weltraum oder an einem ungewöhnlichen Ort, es ist ein wirklich unvergesslicher Ort“, sagt die 21-jährige Irina.

Das Bauwerk ist 102 Meter hoch.
Das Bauwerk ist 102 Meter hoch.
Foto: Elena Metz/dpa

Barros Abdenago aus der brasilianischen Stadt Fortaleza ärgert sich hingegen, dass der Aufzug gewartet wird und er daher nicht das Panorama aus der obersten Kugel genießen kann. Vor 60 Jahren galt der Lift mit fünf Metern pro Sekunde als der schnellste Aufzug Belgiens. Oben befand sich damals ein Café - heute ist dort ein Restaurant.

Insgesamt sind fünf der neun Kugeln mit einem Durchmesser von je 18 Metern zugänglich. Sie sind durch 23 bis 26 Meter lange Röhren mit Rolltreppen im Inneren miteinander verbunden. Außerdem gibt es steile, rot gestrichene Treppen, die gerne für Fotoshootings genutzt werden, wie Boodts erzählt, von Modefirmen wie von Hip-Hop-Bands. Musiker können in einer Event-Kugel Konzerte geben. Der Kraftwerk-Musiker Karl Bartos widmete dem Atomium sogar ein Lied.

Manche Kugeln haben mehrere Ebenen, die Ausstellungen zur Entstehung des Atomiums und - noch bis September - übergroße Interpretationen der Werke des surrealistischen Künstlers René Magritte zeigen. In einer speziellen Kugel nur für Kinder können 24 Grundschüler übernachten. Dafür müsse allerdings schon zwei Jahre im voraus reserviert werden, sagt Boodts. 


Das Atomium, das Wahrzeichen der Stadt, blieb ebenfalls geschlossen.
Belgiens Hauptstadt steht still: Höchste Terrorwarnstufe für Brüssel verhängt
Keine U-Bahnen, keine Konzerte, das Atomium geschlossen und abgesagte Fußballspiele: Brüssel steht an diesem Samstag still. Nach den Pariser Anschlägen führen die Spuren auch nach Belgien. Die Behörden haben die Terrorwarnung für die Hauptstadt Brüssel auf die höchste Stufe angehoben.

Eine Kinderführung hat sich bei ihr besonders eingeprägt, die am 22. März 2016. An diesem Tag haben sich Terroristen am Brüsseler Flughafen und in einem U-Bahnhof in die Luft gesprengt. 32 Menschen wurden getötet, mehr als 300 wurden verletzt. „Während der Führung ging plötzlich der Lautsprecher an mit der Durchsage, dass das Atomium geschlossen hat“, erinnert sie sich. Die Kinder mussten von ihren Eltern abgeholt werden.

2016 brachen die Besucherzahlen ein, von den einst 650 000 Gästen im Jahr blieben rund 200 000 weg. Inzwischen kommen jährlich immerhin wieder 550 000 Neugierige. An den Pariser Eiffelturm kommt das Brüsseler Wahrzeichen damit nicht heran: Den besuchten im Jahr 2017 rund 6,2 Millionen Menschen.


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