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"Die Polizei tut es ja nicht": Kanadier verbrennt Naziflagge
Ob es sich bei der verbrannten Flagge um diejenige handelt, die zuvor am Fahnenmast hing, ist unklar.

"Die Polizei tut es ja nicht": Kanadier verbrennt Naziflagge

Foto: Screenshot Facebook
Ob es sich bei der verbrannten Flagge um diejenige handelt, die zuvor am Fahnenmast hing, ist unklar.
International 14.05.2019

"Die Polizei tut es ja nicht": Kanadier verbrennt Naziflagge

Tom RUEDELL
Tom RUEDELL
Ein Akt auf dem schmalen Grat zwischen Zivilcourage und Selbstjustiz: Ein junger Kanadier hat eine Hakenkreuzflagge verbrannt, die er nach eigenen Aussagen vom Fahnenmast eines Privatgrundstücks eingeholt hatte.

Kelliher ist ein kleines Dorf, ziemlich weit draußen in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Etwa 200 Menschen wohnen hier. Die Provinzhauptstadt Regina ist rund 140 Kilometer entfernt. Dazwischen viel Prärie.


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Entsprechend wenig ist hier los. Bis am vergangenen Donnerstag über einem Haus in Kelliher eine Hakenkreuzflagge gehisst wurde. Ob das in Kanada verboten ist oder nicht, ist nicht in einem Satz zu beantworten. Gegenüber dem Rundfunksender CBC sagt der örtliche Polizeichef Rob King nein. Ein ebenfalls von der CBC befragter Jurist sagt: Eventuell doch - wenn hinter dem Hissen der Hakenkreuzfahne eine bewusste Absicht stehe, Hass zu verbreiten. Was rechtlich noch zu klären wäre. 

Für Aufsehen sorgt die Aktion im 200-Seelen-Dorf-Kelliher in jedem Fall. Noch am Donnerstagabend wurde ein Foto des Fahnenmastes (an dem außerdem noch eine Fahne der amerikanischen Südstaaten hängt) auf Facebook gepostet und über 1000 Mal geteilt. 

Das veranlasste den Bürgermeister, zu intervenieren: Er habe, so Darcy King, mit den Eltern Mannes gesprochen, die zugesichert hätten, die Flaggen zu entfernen. Der Sohn des Hauses sei trotz seiner 34 Jahre "immer noch nicht erwachsen", so der Bürgermeister. Auch die Polizei habe bereits wegen der Flaggen mit ihm gesprochen. Sobald der Regen nachlasse, kämen die Flaggen weg, versprach der Polizeichef.

Zivilcourage oder Selbstjustiz?

Nicht alle in der Gegend wollten offenbar auf besseres Wetter warten oder der eher zurückhaltenden Taktik von Polizei und Bürgermeister folgen: In der Nacht zum Samstag ging auf Facebook ein Video online, in dem ein Mann zu sehen ist, der eine Hakenkreuzflagge verbrennt.

Der Mann in dem Video äußert sich deutlich gegen Rassismus ("Stop Racism - it has to end now and not later!") und liefert unter dem Posting auf seinem Profil noch ein wenig mehr politischen Hintergrund: Zahlreiche Kinder der "First Nations", also der kanadischen seien hier in Kelliher in die Schule gegangen. Das Reservat der  Muskowekwan Saulteaux Ojibway ist 20 Kilometer entfernt, das der George Gordon First Nation 50 Kilometer. "Ich habe das nicht nur für die, sondern für uns First Nations getan", schreibt der Mann auf Facebook. 

Gegenüber dem lokalen Fernsehsender CTV News wird er deutlicher: Er habe "die Entscheidung getroffen, weil die Polizei und der Bürgermeister keine getroffen haben".

Jetzt ermittelt die örtliche Polizei gegen ihn.