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Die Nordkoreakrise und der Fall Otto Warmbier
International 5 5 Min. 20.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Herausforderung für Trump

Die Nordkoreakrise und der Fall Otto Warmbier

"Welcome Home Otto" -  noch wussten die Nachbarn, die ihn am Flughafen begrüßen wollten, nicht genau, wie es um Otto Warmbier stand.
Herausforderung für Trump

Die Nordkoreakrise und der Fall Otto Warmbier

"Welcome Home Otto" - noch wussten die Nachbarn, die ihn am Flughafen begrüßen wollten, nicht genau, wie es um Otto Warmbier stand.
Foto: REUTERS
International 5 5 Min. 20.06.2017 Aus unserem online-Archiv
Herausforderung für Trump

Die Nordkoreakrise und der Fall Otto Warmbier

Tom RÜDELL
Tom RÜDELL
Dem jahrzehntelangen Säbelrasseln zwischen Nordkorea und den USA sollte jetzt die Diplomatie folgen. Der Tod von Otto Warmbier nach langer Haft in der asiatischen Diktatur bindet US-Präsident Trump nun die Hände. Zumindest der Reiseanbieter zieht Konsequenzen.

(dpa/tom) - Was nun, Donald Trump? Mit dem Studenten Otto Warmbier ist ein US-Amerikaner mutmaßlich von Nordkoreas Führung so schwer misshandelt worden, dass er an den Folgen starb. Forderungen nach Konsequenzen kommen von allen Seiten. Die US-Rechte will Handlungsfähigkeit des Weißen Hauses sehen. Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, normalerweise unverdächtig mit Trump gemeinsame Sache zu machen, fordern schärfere Sanktionen. Nordkorea habe Warmbier ermordet, das müsse Konsequenzen haben, wetterte Senator John McCain, ohne für seine starken Worte Beweise vorlegen zu können.

Trump gibt sich zunächst ungewohnt zurückhaltend

Allein der Präsident gibt sich selten schmallippig. Sein dürres Statement nach Warmbiers Tod liest sich für Trumpsche Verhältnisse erstaunlich vorsichtig. „Die Vereinigten Staaten verurteilen aufs Neue die Brutalität des nordkoreanischen Regimes, während wir dessen jüngstes Opfer betrauern“, hieß es in einer Mitteilung des Weißen Hauses. Das war erst einmal alles, was Trump in Richtung Pjöngjang schickte. Später legte er nur wenig nach, nannte "das, was mit Otto passiert ist", aber immerhin eine "totale Schande". Und: „Er hätte schon viel früher nach Hause gelassen werden sollen. Das hätte einen großen Unterschied gemacht“, orakelte der Präsident. Keine Sanktionsandrohungen, kein Säbelrasseln.

Einerseits profiliert sich Trump mit dem Fall Warmbier. Das Weiße Haus lässt es so aussehen, als hätte der Republikaner nun geschafft, was sein Vorgänger Barack Obama und dessen Außenminister John Kerry nicht hinbekamen: Warmbier nach Hause zu holen. Das kommt gerade in Warmbiers Heimat Ohio, bei Wahlen stets einer der entscheidenden „Swing States“ gut an, auch wenn es wohl nicht stimmt. „Im Außenministerium wurde von Beginn an alles nur mögliche getan, auf höchster Ebene“, sagte am Dienstag John Kirby, der ehemalige Sprecher Kerrys im Außenministerium.

Warmbiers Tod erschwert die Diplomatie

Andererseits macht Warmbier Trump aber einen Strich durch die Rechnung. Wollte er doch gerade auf die Führung in Nordkorea zugehen, um den Streit über die nukleare Aufrüstung und Pjöngjangs Raketenprogramm zu lösen. Sogar direkte Gespräche hatte Trump ins Spiel gebracht. Sein Vorgänger Obama hatte Trump erklärt, Nordkorea sei ein wichtiger, vielleicht der dringendste Krisenherd für die US-Diplomatie. Trump folgte gelehrig und machte Nordkorea zum Topthema.

Politologen sind sich einig: Warmbiers Tod hat diese Absichten erst einmal auf Eis gelegt. Zu aufgebracht ist die Stimmung nach dem Tod des 22-Jährigen. „Ich glaube, das ist ein Rückschlag für jegliche ernsthafte Bemühungen um einen diplomatischen Dialog, bis das Ganze aufgeklärt ist“, sagte Bill Richardson, der wohl profilierteste Nordkorea-Experte in den USA. Allerdings: Allein, dass die USA mit Joseph Yun in der Causa Warmbier einen Unterhändler nach Nordkorea schicken konnten, ist schon ein Anzeichen für leichtes Tauwetter.

Südkoreas Präsident Moon Jae-In nennt Nordkorea nach dem Fall Warmbier ein "irrationales Regime".
Südkoreas Präsident Moon Jae-In nennt Nordkorea nach dem Fall Warmbier ein "irrationales Regime".
AFP

Südkoreas Präsident Moon Jae-In, der in der kommenden Woche auf Staatsbesuch in den USA sein wird, stimmt Trump zu: Nordkorea sei verantwortlich für den Tod des Studenten. "Wir wissen nicht sicher, dass die Nordkoreaner Mister Warmbier getötet haben, aber ich denke, es ist ziemlich klar, dass sie große Verantwortung an den Umständen tragen, die zu seinem Tod geführt haben", sagte Moon dem US-Sender CBS. 

  "Ich glaube, das wir jetzt zu dem Eindruck gelangen müssen, dass Nordkorea ein komplett irrationales Regime ist. "  

Moon, der die Präsidentschaftswahl im Süden im vergangenen Monat hoch gewonnen hat, möchte mit Nordkorea lieber verhandeln, als die Fronten zu verhärten. Aber: "Ich glaube, das wir jetzt zu dem Eindruck gelangen müssen, dass Nordkorea ein komplett irrationales Regime ist. "

Das große Rätsel: Was passierte nach der Verhaftung?

Dabei ist noch immer nicht klar, was Warmbier eigentlich zugestoßen ist, nachdem er nach seinem Silvester-Trip zur Jahreswende 2015/2016 auf dem Flughafen von Pjöngjang festgenommen und zwei Monate später zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden war. Mediziner in Ohio fanden heraus, dass er schwere Hirnschäden davongetragen hat. Die Version der Nordkoreaner, er sei an einer Lebensmittelvergiftung erkrankt und nach Einnahme einer Schlaftablette nicht mehr aufgewacht, scheint nicht schlüssig. Anzeichen für Botulismus fanden sich bei Untersuchungen in den USA nicht. Wahrscheinlicher ist ein Sauerstoff-Verlust im Hirn. Dieser kann etwa durch einen Herzstillstand hervorgerufen werden.

Während Fred und Cindy Warmbier, die Eltern des vielversprechenden, beliebten Studenten, in Cincinnati zwischen Wut und Trauer pendeln, zerbrechen sich die Politiker die Köpfe über mögliche Konsequenzen. Im Außenministerium wird der Gedanke geprüft, ob man US-Bürgern Reisen nach Nordkorea grundsätzlich verbieten sollte. Derzeit sind diese über China möglich, jedoch unter strenger Kontrolle.

Zumindest würde man Nordkorea so finanziell treffen, denn die Einnahmen aus dem Tourismus braucht das chronisch klamme Land. 

Reiseanbieter nimmt keine Amerikaner mehr mit

Warmbier hatte seine Nordkorea-Reise über den chinesischen Anbieter "Young Pioneer Tours" gebucht. Die Firma, 2008 von einem Briten gegründet, ist auf Reisen in Gegenden spezialisiert, die entweder politisch problematisch oder schlicht abgelegen sind. "Günstige Reisen zu Orten, von denen Deine Mutter nicht will, dass Du sie besuchst" lautet der Slogan, der sich an junges, abenteuerlustiges Publikum richtet - und im Lichte der Ereignisse um Otto Warmbier nur noch zynisch wirkt. Nordkorea, Irak, Birma, Tibet,  Kuba und die Antarktis stehen auf der Liste der Destinationen. 

Foto: Screenshot Facebook Young Pioneer Tours, 20.06.2017

Als Konsequenz aus Warmbiers Tod hat "Young Pioneer Tours" jetzt beschlossen, keine Amerikaner mehr nach Nordkorea mitzunehmen. "Das Risiko für Amerikaner in Nordkorea ist zu groß geworden. Eine solche Tragödie darf sich nicht wiederholen", so das offizielle Statement des Unternehmens. 

In wenigen Tagen kommt es zwischen den USA und China, dem einzigen Verbündeten Nordkoreas, zum Dialog. Die Amerikaner werden alles tun, um Peking zu einem schärferen Kurs gegenüber Pjöngjang zu überreden. Ob Trump, der seinen chinesischen Kollegen Xi Jinping zuletzt auffällig umgarnt hatte, auf offene Ohren stößt, wissen nur die Chinesen selbst.


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