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„Die Kuh muss vom Eis“
International 11.06.2015 Aus unserem online-Archiv
Schuldenkrise in Griechenland

„Die Kuh muss vom Eis“

Der griechische Premier Alexis Tsipras traf sich am Donnerstag u.a. mit Jean-Claude Juncker.
Schuldenkrise in Griechenland

„Die Kuh muss vom Eis“

Der griechische Premier Alexis Tsipras traf sich am Donnerstag u.a. mit Jean-Claude Juncker.
Foto: AFP
International 11.06.2015 Aus unserem online-Archiv
Schuldenkrise in Griechenland

„Die Kuh muss vom Eis“

„Die Kuh muss vom Eis“ - mit diesem Motto gibt EU-Kommissionschef Juncker die Linie im Schuldenstreit mit Griechenland vor. Knallharte Töne schlägt der Währungsfonds in Washington an.

(dpa) - Die Europäer und der Internationale Währungsfonds IWF verstärken ihren Druck auf Griechenland, um die gefährliche Schuldenkrise bald zu entschärfen. Der IWF holte seine Unterhändler vorerst aus Brüssel nach Washington zurück. EU-Gipfelchef Donald Tusk warnte Athen explizit vor weiterer Hinhalterei. „Es gibt keinen Raum zum Spielen mehr, es gibt keine Zeit zum Spielen mehr“, sagte er in Brüssel zum Abschluss des EU-Lateinamerika-Gipfels.

Tusk forderte, beim Treffen der Euro-Finanzminister am nächsten Donnerstag (18. Juni) müsse es im Ringen um weitere Milliardenhilfen konkrete Beschlüsse geben. Dann wird auch die IWF-Chefin Christine Lagarde wieder mit am Tisch sitzen. „Wir brauchen Entscheidungen, keine Verhandlungen“, sagte Tusk. Die griechische Regierung des Links-Premiers Alexis Tsipras müsse „ein bisschen mehr realistisch“ sein.

Scharfe Kritik

Ungewöhnlich deutlich kritisierte der IWF-Sprecher Gerry Rice in Washington den griechischen Mangel an Kompromissbereitschaft. Es habe zuletzt keinerlei Fortschritte gegeben, um Differenzen beizulegen. „Der Ball liegt nun sehr deutlich im griechischen Feld“, sagte Rice. „Der IWF verlässt den Verhandlungstisch nie.“ Einen Zeitplan für weitere Gespräche gebe es aber nicht.

Die EU-Kommission, die Europäische Zentralbank (EZB) und der IWF verhandeln mit Athen über ein verbindliches Reformprogramm. Dies ist die Voraussetzung dafür, dass Griechenland bislang blockierte Hilfsgelder in Höhe von 7,2 Milliarden Euro erhalten kann, um es vor der Pleite zu retten. Seit 2010 hat das Land insgesamt bereits 240 Milliarden Euro internationaler Hilfen bekommen. 

Gemäßigtere Töne

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker äußerte sich wesentlich gemäßigter als der IWF. „Das war ein wichtiges, interessantes und freundliches Treffen“, sagte er  nach einem zweistündigen Gespräch mit Tsipras am Donnerstag. Juncker erläuterte laut Diplomaten ein Verfahren, das eine rechtzeitige Einigung mit den Geldgeber-Institutionen ermöglichen würde. Beide Spitzenpolitiker wollten in den kommenden Tagen in engem Kontakt bleiben.

Juncker sagte: „Die Kuh muss vom Eis, aber sie rutscht dauernd aus. Wir versuchen sie heute wieder anzuschieben.“


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