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Die Kandidaten im Rennen um das Amt des britischen Premiers
International 4 Min. 18.06.2019

Die Kandidaten im Rennen um das Amt des britischen Premiers

International 4 Min. 18.06.2019

Die Kandidaten im Rennen um das Amt des britischen Premiers

Wer erhält die Schlüssel für 10 Downing Street? Das Rennen um den Top-Job spitzt sich immer mehr zu. Boris Johnson gilt als beinahe unschlagbar. Nur einem wird noch zugetraut, ihn stoppen zu können.

(dpa) - Nach der zweiten Wahlrunde im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin Theresa May sind noch fünf Kandidaten im Rennen. Die 313 Abgeordneten der Tory-Fraktion sollen in weiteren Wahlgängen bis spätestens Donnerstag das Feld der Bewerber auf zwei reduzieren.

Boris Johnson gilt als Favorit.
Boris Johnson gilt als Favorit.
AFP
  • Boris Johnson: Der Ex-Außenminister ist der haushohe Favorit. In der konservativen Fraktion galt er zwar lange als wenig populär, doch inzwischen liegt er mit 126 von 313 Stimmen aus der zweiten Wahlrunde mit erheblichem Abstand vor allen seinen Widersachern. In der Gunst der Parteibasis, die am Ende bei einer Stichwahl über den nächsten Parteichef und Premierminister entscheiden soll, ist Johnson ohnehin mit großem Abstand Spitzenreiter.

Ein Grund dafür könnte sein, dass ihm viele zutrauen, enttäuschte Brexit-Wähler, die sich von den Konservativen abgewendet haben, wieder einfangen zu können. Er gilt als Gewinner, der sich sowohl gegen den Chef der neuen Brexit-Partei, Nigel Farage, als auch gegen Labour-Chef Jeremy Corbyn bei einer Parlamentswahl durchsetzen könnte.


Conservative MP Boris Johnson speaks during his Conservative Party leadership campaign launch in London on June 12, 2019. - Boris Johnson launched his campaign Wednesday to replace Theresa May as Britain's next leader, as lawmakers moved to stop him and other hardliners from delivering a "no deal" Brexit. (Photo by Tolga AKMEN / AFP)
Boris Johnson gewinnt erste Parteichef-Wahlrunde
Wer wird Theresa May als konservativer Parteichef und Premierminister beerben? Bei der ersten Abstimmungsrunde flogen bereits drei Anwärter raus.

Johnson war der Frontmann der konservativen Brexit-Befürworter im Wahlkampf vor dem Referendum im Jahr 2016. Trotzdem gilt er als pragmatisch, wenn es für ihn von Vorteil ist. Es dürfte jedoch nach Ansicht von Beobachtern schwer für ihn werden, hinter seine vollmundigen Brexit-Versprechungen zurückzufallen. Johnson will das Brexit-Abkommen mit der Europäischen Union nachverhandeln, was der Staatenverbund aber ablehnt. Sollte das nicht gelingen, will er am 31. Oktober ohne Deal ausscheiden - mit drastischen Folgen für die Wirtschaft.

Jeremy Hunt
Jeremy Hunt
AFP
  • Jeremy Hunt: Der amtierende Außenminister (46 Stimmen) hatte beim Brexit-Referendum vor drei Jahren gegen den EU-Austritt gestimmt, kurze Zeit später aber eine Wandlung zum Brexit-Befürworter vollzogen. Viele glauben, dass er sich damit schon in Position bringen wollte für die May-Nachfolge. Als Außenminister gelang es ihm, die europäischen Verbündeten mit ähnlich provokativen Äußerungen gegen sich aufzubringen wie sein Vorgänger Boris Johnson. Bei einer Parteitagsrede verglich er die EU mit der Sowjetunion. Vor allem aus den osteuropäischen Mitgliedsstaaten handelte er sich damit wütende Reaktionen ein. Insgesamt gilt er aber als moderat und möglicher Kompromisskandidat - doch das ist auch seine größte Schwäche: Ähnliche Voraussetzungen hatte nämlich die gescheiterte Theresa May. Hunt wird daher zuweilen als „Theresa in Hosen“ verspottet.
Michael Gove
Michael Gove
AFP
  • Michael Gove: Der Umweltminister (41 Stimmen) gilt als bestens vernetzt, nicht nur im britischen Parlament, sondern auch bei den Mächtigen in der Welt der Medien. Als er nach einem gescheiterten Versuch, Premierminister zu werden, kurzzeitig auf den hinteren Bänken im Parlament Platz nehmen musste, verdingte er sich nebenberuflich als Journalist. 

Conservative MP Boris Johnson leaves his home in London on June 13, 2019. - The 10 candidates running to replace Britain's outgoing Prime Minister Theresa May face the first round of voting on Thursday -- when at least one will get the chop. (Photo by Glyn KIRK / AFP)
Wettlauf um die Downing Street: Johnson muss aus der Deckung
Er gilt als kaum noch aufzuhalten: Der britische Ex-Außenminister Boris Johnson ist auf dem besten Weg, Premierminister zu werden.

  • Im Auftrag des Rupert-Murdoch-Blatts „Times“ interviewte er den damals designierten US-Präsidenten Donald Trump - der sich später aber nicht mehr an ihn erinnern wollte. Neben Johnson gehörte er zu den Gesichtern der Brexit-Kampagne. Trotzdem gilt er als moderat. Er schließt eine weitere Brexit-Verschiebung nicht aus. Gove ist zwar ein begnadeter Redner, aber er hat den Ruf, sein Fähnchen nach dem Wind zu hängen.
Rory Stewart
Rory Stewart
AFP
  • Rory Stewart: Der erst vor wenigen Wochen ins Kabinett berufene Entwicklungshilfeminister (37 Stimmen) ist der Überraschungskandidat im Rennen um die May-Nachfolge. Schon als er die erste Runde überstand, galt das als kleines Wunder. Stewart will als einziger der Bewerber das Brexit-Abkommen nicht noch einmal nachverhandeln. Auch einen Brexit ohne Abkommen lehnt er als einziger entschieden ab. Stattdessen plädiert er dafür, eine Bürgerversammlung mit der Ausarbeitung von Kompromissvorschlägen zu beauftragen, um den dreimal gescheiterten Deal doch noch durchs Parlament zu bekommen.

Seinen Konkurrenten wirft er vor, unerfüllbare Versprechungen zu machen und „Märchen“ zu erzählen. Stewart, der als Diplomat und Entwicklungshelfer unter anderem auf dem Balkan, im Irak und Afghanistan gearbeitet hat, führte einen außergewöhnlichen Wahlkampf: Wochenlang reiste er durchs ganze Land und befragte Menschen nach ihrer Meinung zum Brexit und sozialpolitischen Themen. Die Videos der Gespräche, bei denen er auch mal mit einem Mann aus Afghanistan in dessen Muttersprache Dari parliert, postete er auf seiner Twitter-Seite. Ihm wird zugetraut, Johnson noch zu entzaubern.

Sajid Javid
Sajid Javid
AFP
  • Sajid Javid: Auch der Innenminister (33 Stimmen) wechselte erst nach dem Referendum über den EU-Austritt auf die Seite der Brexit-Anhänger. Als Sohn eines pakistanischstämmigen Busfahrers verkörpert er den Traum vom sozialen Aufstieg in einer weiterhin stark durch Klassendenken geprägten Gesellschaft. In der Debatte um die Rückkehr einer in Großbritannien aufgewachsenen IS-Frau, die mit ihrem Neugeborenen in einem syrischen Flüchtlingslager feststeckte, zeigte er sich hart und entzog ihr die Staatsbürgerschaft. Als das Baby starb, wurde Javid teils scharf kritisiert.

Bei einem Staatsbesuch des US-Präsidenten war er als einziger der wichtigen Kabinettsmitglieder nicht zum Staatsbankett im Buckingham-Palast in London eingeladen. Grund könnte Spekulationen zufolge seine Kritik an Trump gewesen sein, als dieser Videos von britischen Rechtsextremen im Kurznachrichtendienst Twitter verbreitete. Muslimische Verbände witterten jedoch auch Diskriminierung wegen Javids Religionszugehörigkeit. Er selbst wies diese Interpretation jedoch zurück.


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