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Die „Hand des Friedens“ - US-Video zum Gipfel mit Kim
Trump hat Kim Jong Un beim Gipfel mit einem Video mögliche Zukunftsvisionen gezeigt.

Die „Hand des Friedens“ - US-Video zum Gipfel mit Kim

AFP
Trump hat Kim Jong Un beim Gipfel mit einem Video mögliche Zukunftsvisionen gezeigt.
International 1 2 Min. 13.06.2018

Die „Hand des Friedens“ - US-Video zum Gipfel mit Kim

Das weiße Haus hat ein Video zum Gipfel von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un produziert. Eine Art Imagefilm, der Nordkorea eine große Zukunft prophezeit.

(dpa) - Es sind nur vier Minuten und elf Sekunden, aber die haben es in sich: Das Weiße Haus hat das Video veröffentlicht, das US-Präsident Donald Trump eigens für seinen Gipfel mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Singapur produzieren ließ. Mit dem kurzen Trailer in Hollywood-Stil wollte Trump seinem Gegenüber vor Augen führen, wie er mit einer Öffnung seines Landes - so wörtlich - zum „Helden seines Volkes“ werden könnte. Die Zukunft erscheint in buntesten Farben, die Vergangenheit schwarz-weiß.

Möglicherweise hatte er damit tatsächlich auch Erfolg - allerdings müssen die eher vagen Gipfelvereinbarungen zuvor noch in Taten umgesetzt werden. Unabhängig davon gab es für das Video am Mittwoch jede Menge internationale Kritik. Besonders die Serie von kitschigen Sonnenaufgängen, die in den 4:11 Minuten zu sehen ist, sorgte im Internet für Spott. An einer Stelle ist sogar Hollywood-Star Sylvester Stallone („Rocky“, „Rambo“) an Trumps Seite zu sehen.

Der Film wurde Kim und seiner Delegation auf einem mitgebrachten iPad gezeigt, wie Trump berichtete, und später in Singapur auch der Presse. Weil die erste Version auf Koreanisch war, dachten anfangs viele, es handle sich um einen Propaganda-Film aus Pjöngjang. Mit der englischen Version klärte sich das Missverständnis dann einigermaßen auf. Trump selbst sagte über die Reaktion der Nordkoreaner auf den Film: „Ich glaube, er hat es gemocht. Ich glaube, sie waren fasziniert davon.“

Produziert wurde der Film vom Weißen Haus selbst, dem Team von Trumps Nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Ein Sprecher sagte: „Das Video wurde vom Nationalen Sicherheitsrat gemacht, um dem Präsidenten dabei zu helfen, (den Nordkoreanern) die Vorzüge einer vollständigen atomaren Abrüstung sowie die Vision einer friedlichen und wohlhabenden koreanischen Halbinsel vor Augen zu führen.“

Anspielungen auf Deutschland

In dem Trailer wird der kommunistischen Diktatur in bunten Farben eine große Zukunft aufgezeigt, untermalt von dynamischer Musik. Dagegen sind Schwarz-Weiß-Bilder geschnitten, die die militärische Vergangenheit und Szenen aus dem nordkoreanischen Alltag zeigen. Eine der Szenen, die die Zukunft symbolisieren sollen, stammt aus der Kuppel des Reichstags in Berlin. An anderer Stelle der Zukunftsvision rast ein Zug durchs Bild, der stark an das längst gescheiterte deutsche Transrapid-Projekt ähnelt.


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Aus dem Off ist eine Männerstimme zu hören, die Kim ermahnt, diese „vielleicht einmalige Chance“ auch zu nutzen. Von sieben Milliarden Menschen auf der Welt könnten „nur wenige Geschichte schreiben“. Und weiter: „Zwei Männer, zwei Führer, ein Schicksal“. Zu den weiteren Höhepunkten gehört eine Szene, in der es mit Blick auf Kim heißt: „Wird er in die Hand des Friedens einschlagen?“ Dann ist Trump zu sehen, wie er seine Hand in die Höhe hält.

Zweifel am gewünschten Effekt

Im Internet gab es dafür einiges an Lob, aber auch viel Spott. Die Kommentare reichten von „großartig“ bis „völliger Irrsinn“. Der US-Abrüstungsexperte Jon Wolfsthal sagte der Zeitung „The Guardian“: „Das ist genau die Art Video, die ein Immobilien-Entwickler potenziellen Kunden zeigt. Ich habe meine Zweifel, ob das den gewünschten Effekt hatte.“

Zum Auftakt wird der Anschein erweckt, als ob der Film von einer Firma namens „Destiny Pictures“ (in etwa: „Schicksalsbilder“) produziert wurde. Solch eine Produktionsfirma gibt es in den USA tatsächlich.

Eigentümer Mark Castaldo wehrte sich jedoch entschieden. „Wir haben nichts mit dem Singapur-Video zu tun“, schrieb er auf Twitter. „Aufgewacht mit Hunderten und E-Mails und Anrufen aus aller Welt.“ Dann fügte Castaldo noch hinzu: „Verrückt.“




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