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Deutschland will "Konversionstherapien" für Homosexuelle verbieten
International 10.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Deutschland will "Konversionstherapien" für Homosexuelle verbieten

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.

Deutschland will "Konversionstherapien" für Homosexuelle verbieten

Jens Spahn (CDU), Bundesminister für Gesundheit.
Kay Nietfeld/dpa
International 10.04.2019 Aus unserem online-Archiv

Deutschland will "Konversionstherapien" für Homosexuelle verbieten

Die in der Fachwelt abgelehnten Pseudotherapien, die Homosexuelle "heilen" sollen, dürften in Deutschland bald Geschichte sein.

(KNA) - Experten sollen im Auftrag von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) Vorschläge für ein wirksames Verbot sogenannter "Konversionstherapien" für Homosexuelle erarbeiten. "Homosexualität ist keine Krankheit und nicht therapiebedürftig", sagte Spahn am Mittwoch in Berlin anlässlich der Einsetzung einer Fachkommission zum Thema. Deswegen sei er für ein Verbot der "Konversionstherapie". Dies rechtlich zu regeln, sei aber nicht so einfach, erklärte der Minister. Daher werde man auf Grundlage der Empfehlungen der Experten entscheiden, wie und was umgesetzt werden könne.


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Im Mai und Juni sind den Angaben zufolge zwei Workshops geplant, zu denen neben Politikern und Wissenschaftlern auch Betroffene eingeladen werden. Auch Institutionen aus dem Ausland, die mit gesetzlichen Verboten bereits Erfahrungen gesammelt hätten, sollten an dem Austausch teilnehmen, hieß es. Ein Abschlussbericht der Experten wird voraussichtlich im Herbst veröffentlicht.

Die Kommission wird fachlich von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld begleitet. Die nach dem Arzt, Sexualforscher und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung (1868-1935) benannte Stiftung will der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transsexuellen, trans- und intergeschlechtlichen sowie queeren Menschen entgegenwirken.


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"Konversions-" oder "Reparationstherapien" zielen darauf ab, schwule und lesbische Menschen von ihrer sexuellen Orientierung zu "heilen". In der Fachwelt werden sie abgelehnt, der Weltärztebund nennt sie eine "ernsthafte Bedrohung für die Gesundheit und Menschenrechte" der behandelten Menschen.


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Die Grünen begrüßten die Einberufung der Kommission. Die frauenpolitische Sprecherin Ulle Schauws erklärte, es sei ein Skandal, dass im Jahr 2019 Pseudotherapien, die darauf abzielten, die sexuelle Orientierung zu ändern, nach wie vor in Deutschland stattfänden. Die Kommission müsse ihre Arbeit schnell aufnehmen und noch vor der Sommerpause einen Maßnahmenkatalog samt einem Verbot der sogenannten "Konversionstherapien" unterbreiten.


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