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Deutschland nimmt insgesamt 2750 Flüchtlinge aus Griechenland auf
International 15.09.2020

Deutschland nimmt insgesamt 2750 Flüchtlinge aus Griechenland auf

Mehr als 12.000 Geflüchtete sind nach dem Brand des Camps Moria auf Lesbos obdachlos geworden.

Deutschland nimmt insgesamt 2750 Flüchtlinge aus Griechenland auf

Mehr als 12.000 Geflüchtete sind nach dem Brand des Camps Moria auf Lesbos obdachlos geworden.
Foto: AFP/Angelos Tzortzinis
International 15.09.2020

Deutschland nimmt insgesamt 2750 Flüchtlinge aus Griechenland auf

Die große Koalition hat sich auf einen Kompromiss geeinigt und will zusätzliche Geflüchtete aus Griechenland aufnehmen.

(dpa) - Deutschland will insgesamt 2750 Geflüchtete von den griechischen Inseln aufnehmen. Das gab Regierungssprecher Steffen Seibert am Dienstag in einer Mitteilung bekannt. Aufgenommen werden demnach 1553 Menschen aus 408 Familien, die durch Griechenland bereits als Schutzberechtigte anerkannt worden sind. Es handelt sich dabei um 408 Familien mit Kindern, die in Griechenland bereits als schutzbedürftig anerkannt wurden. Ebenso werde Deutschland bis zu 150 unbegleitete minderjährige Asylsuchende aufnehmen.

„Bereits erfolgt ist die Aufnahme von 53 unbegleiteten minderjährigen Asylsuchenden“, so Seibert weiter. Die Aufnahme von 243 behandlungsbedürftigen Kindern sowie ihren Kernfamilien sei in der Umsetzung. Dies betreffe insgesamt voraussichtlich mindestens 1000 Personen, von denen mehr als 500 schon in Deutschland seien. „Die Gesamtzahl der Menschen, die Deutschland von den griechischen Inseln übernimmt, beläuft sich dementsprechend auf etwa 2750 Personen.“

Über die Aufnahme dieser Menschen hinaus setze sich die Bundesregierung für eine weitergehende europäische Lösung mit anderen aufnahmebereiten Mitgliedsstaaten ein. „Im Kontext einer solchen europäischen Lösung würde sich Deutschland zusätzlich in einem angemessenen Umfang entsprechend der Größe unseres Landes beteiligen“, kündigte Seibert an.  


TOPSHOT - A family carrying their belongings walk toward a new temporary camp, set up to shelter refugees from the burnt Moria refugee camp, on the island of Lesbos on September 13, 2020, a few days after a fire destroyed the camp. - Greece said on September 13 it hoped thousands of asylum seekers left homeless by fires at Europe's largest migrant camp could be rehoused within a week to end a crisis that has seen clashes with police. Asylum-seekers, including the elderly and very young children, have been sleeping rough on Lesbos island since September 9, when some 11,000 fled the overcrowded Moria camp after it was gutted in apparent arson attacks. (Photo by LOUISA GOULIAMAKI / AFP)
Lesbos: Tausende Menschen harren weiterhin im Freien aus
Tausende Migranten haben auf Lesbos eine weitere Nacht im Freien verbracht.

Die Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge soll der zweite Schritt sein, nachdem Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) bereits am Freitag mitgeteilt hatte, Deutschland werde von insgesamt 400 unbegleiteten Minderjährigen bis zu 150 Jugendliche aufnehmen. Die 400 Minderjährigen sollen auf europäische Länder verteilt werden.

In einem dritten Schritt sollten gegebenenfalls weitere Menschen aufgenommen werden, wenn es dazu Vereinbarungen mit weiteren europäischen Staaten gebe. Die SPD hatte die Aufnahme eines maßgeblichen Anteils an Betroffenen gefordert.

Deutsche Delegation reist nach Lesbos

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Seehofer hatten bereits vereinbart, dass rund 1500 weitere Migranten von den griechischen Inseln in Deutschland aufgenommen werden sollten. Nach dpa-Informationen ist der Vorschlag mit der griechischen Regierung bereits besprochen worden. Der CSU-Vorsitzende Markus Söder nannte den Vorschlag einen „sehr guten Kompromiss“.

EU-Ratspräsident Charles Michel betonte bei einem Besuch in Athen die Notwendigkeit einer Reform des europäischen Asylsystems. „Wir müssen eine gerechte und starke Antwort zur Bekämpfung der Schleuser und ein neues Asylsystem entwickeln“, erklärte er nach einem Treffen mit dem griechischen Regierungschef Kyriakos Mitsotakis. 

Gastgeber Mitsotakis kündigte ein neues Lager auf der Insel Lesbos an, das unter gemeinsamer Führung der EU und Griechenlands entstehen solle. 


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