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Deutschland: "Eurofighter" abgestürzt, Pilot tot geborgen
International 6 5 Min. 24.06.2019

Deutschland: "Eurofighter" abgestürzt, Pilot tot geborgen

Beispielfoto: Zwei "Eurofighter"-Flugzeuge der deutschen Luftwaffe sind nach einem Zusammenprall in einem Waldgebiet abgestürzt.

Deutschland: "Eurofighter" abgestürzt, Pilot tot geborgen

Beispielfoto: Zwei "Eurofighter"-Flugzeuge der deutschen Luftwaffe sind nach einem Zusammenprall in einem Waldgebiet abgestürzt.
Foto: AFP
International 6 5 Min. 24.06.2019

Deutschland: "Eurofighter" abgestürzt, Pilot tot geborgen

Tragisches Unglück bei einer Übung der Luftwaffe am Himmel über Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Kampfflugzeuge stürzen nach einer Kollision ab. Ein Pilot kommt ums Leben.

(dpa) - Zwei "Eurofighter" der Bundeswehr sind in Mecklenburg-Vorpommern bei Luftkampfübungen zusammengestoßen und abgestürzt. Beide Piloten konnten bei dem Unglück am Montagnachmittag den Schleudersitz betätigen, wie die Luftwaffe weiter mitteilte.

Einer von ihnen wurde später lebend gefunden. Nach dem zweiten Piloten wurde auf Hochtouren gesucht. Die Maschinen hatten keine Munition geladen, wie eine Sprecherin des Landkreises Mecklenburgische Seenplatte sagte.

In der Nähe der Absturzstelle eines der beiden "Eurofighter" der Luftwaffe wurden wenige Stunden nach dem Absturz Leichenteile gefunden. Die Luftwaffe hat den Tod eines Piloten beim Absturz der zwei "Eurofighter" in Mecklenburg-Vorpommern bestätigt. Der Soldat habe nur tot geborgen werden können, teilte die Luftwaffe auf Twitter mit.   

Ein erster Bericht über das Unglück kam nach dpa-Informationen vom Piloten einer dritten Maschine, der die Kollision und den Absturz der Luftwaffe meldete. Dieser sah nach dem Unglück gegen 14.00 Uhr im Luftraum über Plau am See auch zwei Fallschirme niedergehen. Einen der beiden Piloten bargen Rettungsmannschaften lebend aus einer Baumkrone. Bei der Suche nach dem zweiten Piloten wurden nach Angaben aus dem Verteidigungsministerium auch zivile und militärische Hubschrauber eingesetzt.

Die abgestürzten Flugzeuge gehörten zum Luftwaffengeschwader 73 "Steinhoff", das in Laage bei Rostock stationiert ist. Landesinnenminister Lorenz Caffier (CDU) werde an die Unglücksstelle fliegen, um sich ein Bild von der Lage zu machen, teilte sein Sprecher mit.

Der typischerweise einsitzige Jet ist 15,9 Meter lang und fliegt mit zweifacher Schallgeschwindigkeit. Er kann sowohl für Luft-Luft- als auch für Luft-Boden-Kämpfe bewaffnet werden.

Beim Taktischen Luftwaffengeschwader 73 in Laage bei Rostock sind rund 25 "Eurofighter" stationiert. Hauptaufgabe des Geschwaders ist die Ausbildung der deutschen "Eurofighter"-Piloten. Nach ihrer fliegerischen Grundausbildung in den USA werden sie in Laage speziell auf den europäischen Kampfjet geschult, dazu gehört auch die erweiterte Waffenausbildung.

Ein Flugzeug stürzte am Ortsrand von Nossentiner Hütte auf eine freie Fläche, wie Bürgermeisterin Birgit Kurth sagte. "Ich bin von Bürgern angerufen worden, die am Drewitzer See waren und den Zusammenstoß der beiden Maschinen sahen", berichtete sie. Dann sei sie rausgelaufen und habe einen Fallschirm runtergehen sehen. Später sei ein Hubschrauber in der Gegend gekreist, offenbar auf der Suche nach dem Piloten, der dann auch gefunden wurde.

Glück im Unglück

Die Gemeinde mit ihren knapp 700 Einwohnern habe Glück im Unglück gehabt, sagte Kurth. Die Maschine sei gleich hinter der Ortschaft niedergegangen. Im Dorf seien Trümmerteile gesichtet worden. Feuerwehren der Region hätten den Brand an der Absturzstelle am Ortsrand von Nossentiner Hütte unter Kontrolle gebracht, sagte Kurth.

Trümmer regneten nach dem Zusammenstoß über das Gebiet bei Plau am See, das bei Touristen beliebt ist und dessen Campingplätze zu Beginn der Sommerferien in den ersten Bundesländern gut besucht sind.

Noch gut zwei Stunden nach dem Unglück kreisten über dem 650-Seelen-Dorf Nossentiner Hütte mehrere Hubschrauber, Busse mit Hilfskräften von Katastrophenschutz und Bundeswehr fuhren vor, Polizisten sperrten Zugänge zu den Unfallstellen ab. Auf den Gehwegen bilden sich Grüppchen, die Kunde vom Unglück spricht sich rasend schnell herum.

"Ich habe einen Doppelknall gehört und dann eine große schwarze Wolke gesehen", sagt die Erzieherin eines Kindergartens etwa 400 Meter von einer der Absturzstellen entfernt. "Alle haben große Angst gehabt."

 In Nossentiner Hütte steht an diesem Montag Edeltraut Kurth in ihrem Garten und blickt ungläubig in Richtung eines 400 Meter entfernten Feldes, wo kurz zuvor eine der beiden Maschinen niedergegangen war. "Wenn man so etwas einmal erlebt hat, möchte man nicht mehr, dass hier solche Tiefflugübungen noch stattfinden", sagt die 66-Jährige.  

Der andere "Eurofighter" stürzte nach Angaben des Schweriner Innenministeriums nahe der zehn Kilometer entfernten Ortschaft Jabel in ein Waldstück. In diese Richtung seien Rauchschwaden zu sehen, sagte Kurth am Telefon einer Reporterin der Deutschen Presse-Agentur. Im Hintergrund waren Sirenen von Einsatzfahrzeugen zu hören.

Die Tageszeitung "Nordkurier" zeigte auf seiner Webseite ein von Touristen aufgenommenes Video, das den Aufprall der Maschine und eine Explosion zeigt.

Die Polizei warnte vor gefährlichen Trümmerteilen im Bereich Malchow (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte). "Bitte nicht nähern! Bitte machen Sie den Weg für Rettungskräfte frei und umfahren Sie den Bereich", twitterte das Polizeipräsidium Neubrandenburg. 

Den letzten vergleichbaren Unfall in Deutschland gab es im Juni 2014. Damals war in Nordrhein-Westfalen ein "Learjet" abgestürzt, der an einer Routine-Übung der Bundeswehr beteiligt war und in etwa 2500 Metern Höhe mit einem "Eurofighter" der Luftwaffe zusammenstieß.

Der Kampfjet konnte trotz Schäden zu einem Luftwaffenstützpunkt zurückkehren. Die beiden "Learjet"-Piloten starben. Ermittler machten damals einen Flugfehler und fehlendes Risiko-Bewusstsein als Auslöser des Unglücks aus. 

AfD-Politiker handelt sich mit hämischem Tweet Kritik ein

Mit einem hämischen Tweet hat der AfD-Politiker Udo Hemmelgarn nach dem Absturz zweier Eurofighter in Mecklenburg-Vorpommern Kritik ausgelöst.

"Jetzt haben wir noch ein taugliches Flugzeug! Das "Gute" daran ist, das es in der Zukunft keine weiteren Zusammenstösse in der Luft geben wird!", schrieb der Bundestagsabgeordnete nach dem Unfall am Montag auf Twitter. Wenig später wurde der Tweet gelöscht.

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff forderte Hemmelgarn daraufhin auf, sein Mandat niederzulegen. "Sie sind nicht würdig, über Einsätze unserer Soldaten und Soldatinnen abzustimmen", schrieb der Abgeordnete per Twitter. Auch mehrere private Nutzer kritisierten die Äußerung Hemmelgarns. Dieser rechtfertigte sich mit dem Hinweis, die beiden Piloten seien schon vor seinem Tweet "gerettet" worden.  

Später erkannte Hemmelgarn diese Behauptung als falsch - die Luftwaffe bestätigte am Nachmittag den Tod eines Piloten. Der AfD-Politiker sprach den Angehörigen daraufhin sein Beileid aus.


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