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Deutschland: Anklage gegen mutmaßlichen Lübcke-Mörder
International 3 29.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Deutschland: Anklage gegen mutmaßlichen Lübcke-Mörder

Juli 2019: Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Hubschrauber gebracht.

Deutschland: Anklage gegen mutmaßlichen Lübcke-Mörder

Juli 2019: Stephan E., Tatverdächtiger im Fall des ermordeten Kasseler Regierungspräsidenten Lübcke, wird nach einem Haftprüfungstermin beim Bundesgerichtshof (BGH) zu einem Hubschrauber gebracht.
Foto: Uli Deck/dpa
International 3 29.04.2020 Aus unserem online-Archiv

Deutschland: Anklage gegen mutmaßlichen Lübcke-Mörder

Der Generalbundesanwalt hat Anklage gegen Stephan E. und seinen mutmaßlichen Unterstützer erhoben. Als ausschlaggebend für die Tat nannte die Anklageschrift die "völkisch-nationalistische Grundhaltung" des mutmaßlichen Täters.

(dpa/SC) - Im Fall um den Mord an dem deutschen Politiker Walter Lübcke hat der Generalbundesanwalt Anklage gegen den Hauptverdächtigen Stephan E. und dessen mutmaßlichen Unterstützer Markus H. erhoben. Das teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Mittwoch mit. Der Prozess soll in Frankfurt am Main vor dem Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts stattfinden. Das Gericht muss die Anklage noch zulassen.

Stephan E. soll den Regierungspräsidenten des nordhessischen Bezirks Kassel, Walter Lübcke, Anfang Juni 2019 nachts mit einem Kopfschuss aus nächster Nähe, auf dessen Terrasse, getötet haben. Der 46-Jährige hatte die Tat zunächst gestanden und die Polizei auch zu seinem Waffenlager geführt. Später zog er sein Geständnis dann allerdings wieder zurück.

Der CDU-Politiker Walter Lübcke war bis zu seinem Tod Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel.
Der CDU-Politiker Walter Lübcke war bis zu seinem Tod Regierungspräsident im Regierungsbezirk Kassel.
Foto: Uwe Zucchi/dpa

Als ausschlaggebend für die Tat nennt die Anklageschrift "die von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit getragene völkisch-nationalistische Grundhaltung" des Mordverdächtigen. Stephan E. und der mitangeklagte Markus H. seien im Oktober 2015 gemeinsam auf einer Bürgerversammlung gewesen, bei der das spätere Opfer Walter Lübcke die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung verteidigte. Seit diesem Tag habe Stephan E. seinen "Fremdenhass zunehmend auch auf Dr. Walter Lübcke" projiziert. Bei der Tat im Juni 2019 sei es ihm allerdings auch darum gegangen, "ein öffentlich beachtetes Fanal" gegen die "staatliche Ordnung" zu setzen.  


Der Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) wurde am 2. Juni 2019 erschossen.
Stephan E. gesteht Mord an CDU-Politiker Lübcke
Der Tatverdächtige im Fall Lübcke sagt, er habe alleine den Entschluss gefasst, den Regierungspräsidenten zu töten. Innenpolitiker fragen sich, ob das stimmt, oder ob er womöglich Komplizen schützen will.

Stephan E. soll sich im Prozess außerdem für eine Messerattacke auf einen irakischen Asylbewerber Anfang 2016 verantworten müssen. Er soll dem Mann in Lohfelden bei Kassel ein Messer von hinten in den Rücken gestochen und ihn schwer verletzt haben. Die Polizei hatte zunächst vergeblich nach dem Angreifer gesucht. Inzwischen halten die Ermittler ein bei E. sichergestelltes Messer für die Tatwaffe. Ihm wird deshalb, zusätzlich zu dem Mord an Walter Lübcke, auch versuchter Mord und Körperverletzung vorgeworfen.  

Markus H. ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt. Der 44-Jährige soll E. den Kontakt zu einem Waffenhändler vermittelt und seinen Bekannten unter anderem durch gemeinsame Schießübungen in dessen Vorhaben bestärkt haben. E. beschuldigt H. inzwischen, in der Tatnacht mit bei Lübcke gewesen zu sein. H. sei es auch gewesen, der den tödlichen Schuss abgegeben habe - aus Versehen. Die Ermittler glauben das nicht. Sie sind überzeugt, dass E. allein bei Lübcke war.


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