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150 Tote nach Unwettern, Merkel besucht Katastrophengebiet
International 1 5 Min. 18.07.2021
Deutschland

150 Tote nach Unwettern, Merkel besucht Katastrophengebiet

Ein zerstörtes Haus in Schuld (Rheinland-Pfalz).
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150 Tote nach Unwettern, Merkel besucht Katastrophengebiet

Ein zerstörtes Haus in Schuld (Rheinland-Pfalz).
Foto: AFP
International 1 5 Min. 18.07.2021
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150 Tote nach Unwettern, Merkel besucht Katastrophengebiet

Die massiven Regenfälle hören nicht auf: Am Samstagabend trafen schwere Unwetter Teile Bayerns, die Sächsische Schweiz und Österreich. Bundeskanzlerin Merkel will sich in der Eifel ein Bild von der verheerenden Hochwasser-Situation machen.

(dpa) - Unwetter hatten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz eine Schneise der Verwüstung hinterlassen - mehr als 150 Menschen starben durch die Fluten. Bei neuen Unwettern im Süden und Osten Deutschlands hat am späten Samstagabend der Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern den Katastrophenfall ausgerufen. Auch in der Sächsischen Schweiz gingen gewaltige Regenmassen nieder. Am Sonntag will Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die am schwersten getroffenen Gebiete in der Eifel besuchen.

Merkel werde sich in der Gemeinde Schuld, die besonders schwer von der Unwetterkatastrophe getroffen wurde, ein Bild von der Lage machen, teilte die Staatskanzlei in Mainz mit. Im Anschluss (14.30 Uhr) ist ein Pressestatement in Adenau geplant - gemeinsam mit Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) und weiteren rheinland-pfälzischen Ministern.

Nachdem sich das verheerende Wasser aus vielen Flutgebieten in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz allmählich zurückgezogen hat, wird in den Trümmern weiterhin nach Todesopfern und Verletzten gesucht.

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Überschwemmungen in der Sächsischen Schweiz

Immense Regenfälle verursachten am Samstag auch in Teilen Sachsens heftige Überschwemmungen. In der Sächsischen Schweiz waren mehrere Ortslagen von Städten und Gemeinden nicht mehr erreichbar. Besonders betroffen seien Neustadt, Sebnitz, Bad Schandau, Reinhardtsdorf-Schöna und Gohrisch, informierte das Landratsamt am Abend. Die Bahnstrecke zwischen Bad Schandau und dem tschechischen Dečin wurde gesperrt. „Die Situation ist angespannt, aber beherrschbar“, erklärte das Lagezentrum des Innenministeriums in Dresden auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur.

Hochwasser in Bad Schandau (Sachsen).
Hochwasser in Bad Schandau (Sachsen).
Foto: dpa

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stellte unterdessen Soforthilfen in dreistelliger Millionenhöhe in Aussicht. „Es braucht einen nationalen Kraftakt“, sagte der SPD-Politiker der „Bild am Sonntag“. Am Mittwoch im Kabinett wolle er zwei Dinge auf den Tisch legen. „Erstens eine Soforthilfe, bei der letzten Flut waren dafür deutlich mehr als 300 Millionen Euro nötig. Da wird jetzt sicher wieder so viel gebraucht“, erläuterte Scholz. „Zweitens müssen wir die Grundlage für ein Aufbauprogramm schaffen, damit die zerstörten Häuser, Straßen und Brücken zügig repariert werden. Wie wir von der vorherigen Katastrophe wissen, geht es um Milliarden Euro.“

Mehr als 150 Tote befürchtet

Der Schwerpunkt der Katastrophe in Rheinland-Pfalz liegt im Kreis Ahrweiler. Allein dort kamen nach neuesten Angaben der Polizei Koblenz über 110 Menschen ums Leben. 670 Menschen wurden verletzt. Es wird befürchtet, dass noch weitere Todesopfer und Verletzte hinzukommen. „Wenn Sie die Bilder sehen, wie es da aussieht, kann man nicht ausschließen, dass noch weitere Leichen gefunden werden“, hatte ein Sprecher gesagt. Weiterhin wurden Menschen vermisst.

In Nordrhein-Westfalen lag die Zahl der bestätigten Todesopfer am Samstagabend bei 45, darunter waren vier Feuerwehrleute. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der am Samstag mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Katastrophengebiet in Erftstadt besucht hatte, versprach Direkthilfe für die betroffenen Menschen und sagte zu, dass „sehr unbürokratisch Geld ausgezahlt“ werde. Steinmeier hatte zu Solidarität und Spenden für die Opfer aufgerufen. „Die Unterstützungsbereitschaft, sie muss anhalten, im Großen wie im Kleinen“, sagte er. Für Montag hat sich Bundesinnenminister Horst Seehofer in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz angekündigt.

Feuerwehr in Bayern im Dauereinsatz

Nach sintflutartigem Regen war die Feuerwehr im Landkreis Berchtesgadener Land in Oberbayern seit Samstagabend mit rund 500 Einsatzkräften im Dauereinsatz. Der Landkreis hat aufgrund des Unwetters den Katastrophenfall ausgerufen. Zwei Menschen starben in dem Hochwassergebiet. Es sei bei einem Todesfall aber noch unklar, ob der dieser in Zusammenhang mit dem Hochwasser stehe, sagte die Sprecherin des Landratsamt Berchtesgadener Land, Alexandra Rothenbuchner.

Überschwemmungen in Bischofswiesen (Bayern).
Überschwemmungen in Bischofswiesen (Bayern).
Foto: dpa

Die Lage sei dramatisch, sagte ein Sprecher der Integrierten Leitstelle Traunstein. Das Wasser schieße aus den Bergen, gleichzeitig stiegen die Pegelstände des Flusses Ache an. Betroffen waren vor allem die Orte Berchtesgaden, Bischofswiesen, Schönau am Königssee, Marktschellenberg und Ramsau im äußersten Südosten Bayerns. Dort trat das Wasser stellenweise über die Ufer und überflutete Straßen. Hänge rutschten ab. Einzelne Häuser mussten deshalb geräumt werden, sagte Rothenbuchner. „Es kommen ständig Notrufe rein“, sagte ein Polizeisprecher in Rosenheim.

Medien berichteten von Rekord-Pegelständen an der Ache - bis 22.00 Uhr lagen sie schon bei etwa 3,75 Metern. Bilder zeigen Straßen, die sich in reißende Bäche verwandeln. Menschen waten knietief im Wasser. Alle paar Hundert Meter sei die Feuerwehr im Einsatz, berichtet ein Augenzeuge. Traktoren räumten Schutt beiseite. Zum Teil stehe das Wasser bis zu 50 Zentimeter hoch.


Hochwasser nach Starkregen , Rosport ,  Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Hochwasser: So können Sie helfen
Privatpersonen und karitative Organisationen setzen sich mit verschiedenen Solidaritätsaktionen für die Geschädigten des Hochwassers ein.

Ebenso ist in Chamerau in der Oberpfalz der Roßbach wegen Starkregens über die Ufer getreten. Ein Gebäude sei mit Sandsäcken vor den Wassermassen geschützt worden, sagte ein Sprecher der Polizei. Im gesamten Landkreis gab es fünf weitere Einsätze der Feuerwehr aufgrund von vollgelaufenen Kellern oder überschwemmten Straßen.

Auch Österreich betroffen

Sintflutartige Regenfälle haben in der Nacht zum Sonntag auch weite Teile Österreichs erfasst. Sowohl in Salzburg als auch in Tirol und der Bundeshauptstadt Wien waren die Feuerwehren im Dauereinsatz, wie die Agentur APA meldete. Im Stadtgebiet von Hallein sei Zivilschutzalarm ausgelöst worden, ebenso wie in Mittersill im Pinzgau sowie in Kufstein in Tirol. In der Stadt Salzburg wurde der Hochwasserschutz entlang der Salzach aufgebaut.

Ein Auto wurde in Hallein (Österreich) von den Fluten mitgerissen und liegt nun kopfüber auf der Straße.
Ein Auto wurde in Hallein (Österreich) von den Fluten mitgerissen und liegt nun kopfüber auf der Straße.
Foto: TNN/dpa

In Kufstein wurden die Menschen aufgefordert, Gebäude nicht zu verlassen und sich in höhere Stockwerke zurückzuziehen. Im Stadtgebiet erreichte das Wasser der Zulaufbäche des Inns bereits die Straßen. Wegen möglicher Erdrutsche wurde ein Teil der Felbertauernstraße gesperrt.

In Wien sorgten starker Regen und Gewitter für Hochbetrieb bei den Feuerwehren. Meist wurden die Feuerwehrleute wegen überfluteter Keller oder Unterführungen gerufen, bis zum Sonntagmorgen berichtete die Berufsfeuerwehr von über 500 Einsätzen.

Mindestens 27 Tote in Belgien

In Belgien hat die Hochwasserkatastrophe mindestens 27 Menschen das Leben gekostet. Das Nationale Krisenzentrum des Landes teilte mit, dass noch über 100 Menschen vermisst würden. Darunter könnten Menschen sein, die zum Beispiel ihr Handy verloren haben. Die Rettungskräfte setzten ihre Bemühungen vor Ort fort, nachdem die Regenfälle vielerorts am Freitag aufgehört hatten.

In Teilen der Provinz Flämisch-Brabant sei die Situation weiterhin kritisch, hieß es am Nachmittag. In Rotselaar seien mehrere Häuser von den Fluten bedroht. Der Pegel der Demer habe einen kritischen Punkt erreicht.

Zerstörungen in Vaux-sous-Chevremont (Belgien).
Zerstörungen in Vaux-sous-Chevremont (Belgien).
Foto: AFP

Gemeinsam mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen besuchte Ministerpräsident Alexander De Croo am Samstag betroffene Gemeinden, wie die Nachrichtenagentur Belga berichtete. Die EU-Behörde hat ihren Sitz in der Hauptstadt Brüssel.

In der besonders stark betroffenen Provinz Lüttich sind nach Angaben des Krisenzentrums die Sucharbeiten nahezu abgeschlossen. Der Wasserstand der Maas, der an vielen Stellen gefährlich hoch geworden war, gehe nun langsam zurück.

Der Pegelstand hatte zuvor Evakuierungen im Zentrum der Provinzhauptstadt Lüttich ausgelöst. Entgegen den Befürchtungen hielt der Deich bei der Stadt Maaseik in der Provinz Limburg den Wassermassen stand. Für die kommenden Tage sagte das Königliche Meteorologische Institut für große Teile des Landes trockenes und teils heiteres Wetter vorher.

Überschwemmungen in Herkenbosch bei Roermond (Niederlande).
Überschwemmungen in Herkenbosch bei Roermond (Niederlande).
Foto: AFP

In den Niederlanden kämpfen die Anwohner entlang der Maas ebenfalls mit Sandsäcken und Schutzmaßnahmen gegen das Hochwasser. Mit einem Absinken des Wassers wurde in Roermond am Sonntagmorgen und in Venlo am Sonntagabend gerechnet. 


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