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Deutscher Innenminister: Ermitteln im Fall Lübcke in alle Richtungen
International 1 2 Min. 18.06.2019

Deutscher Innenminister: Ermitteln im Fall Lübcke in alle Richtungen

Horst Seehofer (l-r, CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), und Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), äußern sich bei einer Pressekonferenz im Bundesinnenministerium zum Mordfall Walter Lübcke.

Deutscher Innenminister: Ermitteln im Fall Lübcke in alle Richtungen

Horst Seehofer (l-r, CSU), Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, Holger Münch, Präsident des Bundeskriminalamts (BKA), und Thomas Haldenwang, Präsident des Bundesamts für Verfassungsschutz (BfV), äußern sich bei einer Pressekonferenz im Bundesinnenministerium zum Mordfall Walter Lübcke.
Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa
International 1 2 Min. 18.06.2019

Deutscher Innenminister: Ermitteln im Fall Lübcke in alle Richtungen

Im Mordfall Walter Lübcke ermitteln die deutschen Behörden laut Innenminister Horst Seehofer in alle Richtungen. Die Generalbundesanwaltschaft sieht einen rechtsextremistischen Hintergrund.

(dpa) - Die Hintergründe seien noch nicht vollends aufgeklärt, sagte Seehofer am Dienstag in Berlin.

Man müsse davon ausgehen, dass es sich um einen rechtsextremen Täter und um einen rechtsextremen Hintergrund handele. Das lege dessen Biografie nahe, sagte Seehofer. Als Tatmotiv könne derzeit nichts ausgeschlossen werden. "Ob er allein gehandelt hat oder Teil eines Netzwerks ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar."

"Walter Lübcke (CDU), Regierungspräsident von Kassel, wurde auf seiner Terrasse erschossen. Die Ermittler vermuten einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat.
"Walter Lübcke (CDU), Regierungspräsident von Kassel, wurde auf seiner Terrasse erschossen. Die Ermittler vermuten einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat.
Foto: Uwe Zucchi/dpa

Der 45-jährige Stephan E. sitzt seit Sonntag unter dringendem Tatverdacht in Untersuchungshaft. Er soll Anfang Juni den Kasseler Regierungspräsident Walter Lübcke (CDU) durch einen Kopfschuss getötet haben. Die Generalbundesanwaltschaft sieht einen rechtsextremistischen Hintergrund der Tat und hat die Ermittlungen übernommen.

Seehofer nannte den Anschlag "abscheulich" und "widerwärtig".

Ein rechtsextremer Anschlag auf einen führenden Repräsentanten unseres Landes ist ein Alarmsignal und richtet sich gegen uns alle.

Nach Angaben des Bundesamtes für Verfassungsschutz - der deutsche Inlandsgeheimdienst - war Stephan E. in den vergangenen Jahren nicht mehr so deutlich wie früher als Rechtsextremist in Erscheinung getreten.

Der Mann habe eine Art rechtsextremistische Karriere vor allem in den 1980er und 1990er Jahren begonnen, sagte Verfassungsschutzpräsident Thomas Haldenwang. Seit dieser Zeit sei er auch auf dem Radar des Verfassungsschutzes gewesen. Zuletzt sei er aber "eher in den Hintergrund der Beobachtung getreten".

Wie Seehofer auf der Pressekonferenz verkündete, konnte die Tatwaffe bisher nicht gefunden werden. Der Tatverdächtige verfüge nicht über einen Waffenschein.

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Verdächtiger im Mordfall Lübcke in Schützenclub aktiv

Der Verdächtige im Mordfall des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke war Mitglied in einem Schützenverein. Stephan E. habe dort aber nur mit dem Bogen geschossen und keinen Zugriff auf Feuerwaffen gehabt, sagte Reiner Weidemann, Vorsitzender des Schützenclubs 1952 Sandershausen.


03.06.2019, Hessen, Wolfhagen: Absperrband mit der Aufschrift "Polizeiabsperrung" ist vor dem Haus des verstorbenen Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) zu sehen. Lübcke ist in der Nacht zum Sonntag unerwartet im Alter von 65 Jahren gestorben. Foto: Swen Pförtner/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
CDU-Politiker wurde in den Kopf geschossen
Der 65-jährige hessische CDU-Politiker Walter Lübcke ist tot. Seine Leiche weist eine Schussverletzung auf, eine Waffe wurde nicht gefunden.

Der 45-jährige E. sei Referent des Clubs für Bogenschießen gewesen, sagte Weidemann. "Er war freundlich und ruhig." Er sei seit rund zehn Jahren dabei gewesen und nicht durch rechte Parolen aufgefallen. Im Club habe E. meist etwas abseits Bogen geschossen. Der 45-Jährige hatte nach Angaben des Vorsitzenden auf dem Vereinsgelände keine Feuerwaffen oder Zugang dazu: "Bei uns in Verein hatte er keine Waffenbesitzkarte." Auch fehle nichts von den Vereinswaffen. Schießen mit Feuerwaffen hätte E. unter Aufsicht gedurft, was er allerdings nicht genutzt habe.

Indessen hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in dem Mordfall eine deutliche Wortwahl gefordert. "Wir müssen diese Taten klar als das benennen, was sie sind: rechtsextremer Mord und Terror", sagte der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann am Dienstag. Rechtsextreme Netzwerke müssten konsequent ermittelt, verfolgt und zerschlagen werden. Seit Jahrzehnten fielen Menschen in Deutschland Gewalttaten rechtsextremer Täter zum Opfer.

Wir dürfen bei rechter Gewalt weder wegschauen, noch schweigen oder gar verharmlosen - eine wehrhafte Demokratie wehrt sich.

Ähnlich äußerte sich die Integrationsbeauftragte der deutschen Regierung, Annette Widmann-Mauz. "Falls sich der dringende Tatverdacht bestätigt, dann ist das rechtsradikaler Terrorismus", sagte die CDU-Politikerin dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Die Bundesanwaltschaft stuft den Mord als politisches Attentat ein und geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus. Dem Generalbundesanwalt zufolge gibt es aber zumindest bislang keine Hinweise auf Verbindungen zu einem Terrornetzwerk.


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