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Deutsche Behörden beginnen mit Räumung im Hambacher Forst
International 11 13.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Deutsche Behörden beginnen mit Räumung im Hambacher Forst

International 11 13.09.2018 Aus unserem online-Archiv

Deutsche Behörden beginnen mit Räumung im Hambacher Forst

Im Braunkohlerevier Hambacher Forst im Nordwesten Deutschlands leben Aktivisten seit Jahren in hohen Baumhäusern - sie wollen damit eine Rodung des Waldes für noch mehr Kohleförderung verhindern. Nun sollen sie die Hütten verlassen.

(dpa) - Im Braunkohlerevier Hambacher Forst im Nordwesten Deutschlands wollen die Behörden noch am Donnerstag mit der Räumung der Baumhäuser von Aktivisten beginnen.

Das bestätigte eine Sprecherin der zuständigen Stadt Kerpen auf Anfrage. Das Bauministerium des Landes Nordrhein-Westfalen hatte die Stadt am Mittwochabend angewiesen, die Baumhäuser unverzüglich zu räumen. „Die Weisung wird jetzt umgesetzt“, sagte die Stadtsprecherin. In der Nähe des Waldgebietes, das zu einem Symbol des Widerstands gegen die Braunkohle geworden ist, formierte die Polizei am Donnerstagmorgen massive Kräfte.

Der Energiekonzern und Waldbesitzer RWE will im Herbst mehr als die Hälfte des noch verbliebenen Waldstücks roden, um weiter Braunkohle fördern zu können. Dagegen gibt es seit Langem Proteste. Aktivisten haben Baumhäuser in großer Höhe errichtet und halten den Wald damit besetzt. Bevor gerodet werden kann, muss daher geräumt werden. Das gilt wegen der Höhe der Hütten und des erwarteten Widerstands als äußerst schwierig.

Bei der nun geplanten Räumung geht es juristisch gesehen gar nicht um RWE und die Braunkohle. Vielmehr argumentiert das Ministerium nach Angaben der Stadt Kerpen und des ebenfalls betroffenen Kreises Düren unter anderem mit dem fehlenden Brandschutz in den Baumhäusern. Nach einem Vor-Ort-Termin sei das Ministerium zu der Überzeugung gelangt, dass es sich bei den Hütten um bauliche Anlagen im Sinne der NRW-Bauordnung handele.

Aktivisten hatten am Mittwochabend in den sozialen Netzwerken dazu aufgerufen, den Protest im Hambacher Forst zu unterstützen. Zuletzt waren am vergangenen Samstag und Sonntag Hunderte Menschen dem Aufruf zu einem „Wochenende des Widerstands“ in dem Waldstück gefolgt.

Der Forst gilt als Symbol des Kampfes um Klimaschutz und des Widerstands gegen die Kohle. In ihm stehen Jahrhunderte alte Buchen und Eichen. Zudem gibt es Vorkommen geschützter Arten wie der Bechsteinfledermaus. Mehrere Organisationen wollen eine Rodung unter anderem aus diesen Gründen verhindern. Aus Sicht von RWE ist die Abholzung unvermeidbar, um die Stromproduktion in den Braunkohlekraftwerken zu sichern. Frühestens im Oktober darf der Konzern mit der Rodung beginnen.


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