Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird neuer Bischof von Limburg: Ein schweres Erbe
International 10 Min. 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Der Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird neuer Bischof von Limburg: Ein schweres Erbe

Das Wallfahrtsmotto "und führe zusammen, was getrennt ist" der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 wird für Georg Bätzing nun auch innerkirchlich in Limburg gelten.  Und Schutzpatron des Limburger Doms ist der heilige Georg, von dem er seinen Vornamen hat.

Der Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird neuer Bischof von Limburg: Ein schweres Erbe

Das Wallfahrtsmotto "und führe zusammen, was getrennt ist" der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 wird für Georg Bätzing nun auch innerkirchlich in Limburg gelten. Und Schutzpatron des Limburger Doms ist der heilige Georg, von dem er seinen Vornamen hat.
Foto: Bischöfliche Pressestelle Trier
International 10 Min. 01.07.2016 Aus unserem online-Archiv

Der Trierer Generalvikar Georg Bätzing wird neuer Bischof von Limburg: Ein schweres Erbe

Anne CHEVALIER
Anne CHEVALIER
Georg Bätzing, bislang Generalvikar im Bistum Trier, ist zum neuen Bischof von Limburg ernannt worden. Schafft er es, die im Nachbarbistum aufgerissenen Gräben zuzuschütten?


(KNA) - Weit muss der Trierer Generalvikar Georg Bätzing nicht gehen, wenn er sich geistig auf sein neues Amt als Limburger Bischof einstimmen will. Der Petrusstab aus dem Limburger Domschatz befindet sich derzeit keine 200 Meter entfernt von Bätzings Wohnsitz: Das Trierer Museum am Dom zeigt ihn im Rahmen der Ausstellung "Nero und die Christen". Der Legende nach ist dieser Stab vom Apostel Petrus über verschlungene Wege in die Hände des späteren Trierer Bischofs Eucharius gelangt, verbunden mit dem Auftrag zu missionieren. Bei der Amtseinführung seines Nachfolgers Franz-Peter Tebartz-van Elst 2008 überreichte der vormalige Limburger Bischof Franz Kamphaus diesem den Stab symbolisch mit den Worten: "Empfange diesen Petrusstab. Die elf Limburger Bischöfe haben ihn vor Dir getragen."

Bald wird nicht nur Bätzing seine Koffer packen und von der Mosel an die Lahn ziehen. Auch das Museum wird den Stab wohl noch vor dem Ende der Ausstellung im Oktober nach Limburg bringen müssen - für die Amtseinführung des 55-Jährigen als 13. Bischof im Nachbarbistum.

Limburg dürfte die schwerste kirchenpolitische Aufgabe sein, die in Deutschland derzeit zu vergeben ist. Das Bistum hat nach innerkirchlichem Richtungsstreit, einem Bauskandal um die Bischofsresidenz und dem Rücktritt des Bischofs turbulente Jahre hinter sich. Viele Wunden sind noch nicht verheilt, unbeglichene Rechnungen offen. Doch Bätzing könnte es schaffen.

Der stämmige Seelsorger, der 1961 in Kirchen im Westerwald geboren wurde und in Niederfischbach an der Sieg aufwuchs, hat Erfahrung in Menschenführung und im Durchstehen von Konflikten. 1987 in Trier zum Priester geweiht, war er zunächst Kaplan und wurde 1990 stellvertretender Leiter, 1996 schließlich Chef des Trierer Priesterseminars. Seit knapp vier Jahren ist er Generalvikar in Deutschlands ältester Diözese, die wie das Nachbarbistum Limburg seit Jahrzehnten eine eher liberale kirchenpolitische Tradition hat. Als rechte Hand von Bischof Stephan Ackermann hat er bewiesen, dass er schwierige Themen wie den Umgang mit Missbrauchsfällen, mit Sparzwängen und mit Strukturreformen meistern kann.

Sein freundlich-einnehmendes Auftreten hat sich der Westerwälder im Amt bewahrt; er geht auf die Leute zu und spricht ihre Sprache. Abgehobener "Kirchensprech" liegt ihm nicht, und das, obwohl er ein Theologe von Format ist. Ackermann und Bätzing wagten in den vergangenen drei Jahren das Trierer Experiment einer Bistumssynode, der ersten in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert. Die Versammlung beschloss einen radikalen Abschied von Strukturen der Volkskirche. Eigentlich hätte Bätzing nun die Beschlüsse der Synode umsetzen sollen: Abbruch alter und Aufbau neuer Kirchenstrukturen - und er sollte neuen Schwung in das alte Bistum bringen. Stattdessen wird er nun die Synoden-Erfahrung im Bistum Limburg nutzen können, das schon seit 1968 die synodale Mitbestimmung als dauerhafte Institution kennt.

"Wir müssen uns fragen: Wie können wir unter den schwierigen Rahmenbedingungen die Kraft des Evangeliums, die Schönheit unseres Glaubens und den Wert der kirchlichen Gemeinschaft noch einmal deutlich machen", sagte Bätzing nach der Synode.

Vom damaligen Trierer Bischof Reinhard Marx wurde Bätzing 2007 zum Geistlichen Leiter der Heilig-Rock-Wallfahrt 2012 ernannt. In seiner Vita gibt es viele Berührungspunkte mit Felix Genn, dem Bischof von Münster, der in der Bischofskongregation im Vatikan ein gewichtiges Wort bei Personalfragen mitzureden hat. Genn war Subregens am Trierer Priesterseminar, als Bätzing dort Theologie studierte. Beide orientieren sich theologisch an Hans Urs von Balthasar; beide leiteten große Wallfahrten zur Tunika Christi im Trierer Dom - Genn 1996, Bätzing 2012. Genn wurde danach Trierer Weihbischof, Bätzing Generalvikar. An die letzte Wallfahrt erinnert sich Bätzing gern. Er betont "die Symbolkraft dieses ungeteilten Gewandes", die auch eine stark ökumenische Ausrichtung des Massen-Ereignisses ermöglichte. Dies wird der Kirchenpräsident der evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, Volker Jung, gern hören, der sich bereits öffentlich einen ökumenisch ausgerichteten Bischof für Limburg gewünscht hatte.

Das damalige Wallfahrtsmotto "und führe zusammen, was getrennt ist" wird für Georg Bätzing nun auch innerkirchlich in Limburg gelten. Fremd ist ihm die künftige Wirkungsstätte jedenfalls nicht: Sein Heimatdorf liegt viel näher an Limburg als an Trier, die Mentalität der ländlichen Bevölkerung im Norden seines neuen Bistums ist ihm eng vertraut. Und Schutzpatron des Limburger Doms ist der heilige Georg, von dem er seinen Vornamen hat.


INTERVIEW: ANNE CHEVALIER

Heute beginnt die Heilig-Rock-Wallfahrt in Trier, die bis zum 13. Mai dauert. Es ist das 500. Jubiläum der ersten Ausstellung des Heiligen Rocks, der Tunika Christi. Aus diesem Anlass haben wir mit Wallfahrtsleiter Prälat Dr. GeorgBätzing gesprochen.

Herr Prälat, was bedeutet für Sie, insbesondere als Wallfahrtsleiter die Heilig-Rock-Wallfahrt?

Eine Heilig-Rock-Wallfahrt ist immer ein außergewöhnliches Ereignis. Nur 20 Wallfahrten haben bisher in der 500-jährigen Geschichte stattgefunden; jede Generation erlebt eigentlich nur eine Wallfahrt. Diese Pilgerreise erfolgt nach nur 16 Jahren, weil wir 2012 ein Jubiläum feiern: Vor 500 Jahren fand die Erhebung des Heiligen Rocks und die erste Wallfahrt, die sich die Menschen damals erstritten haben, statt. Das ist das Besondere an diesem geistlichen Ereignis.

Wie unterscheidet sich diese Pilgerreise von den vorangegangenen?

In Trier erfolgt die Heilig-Rock-Wallfahrt sporadisch, anders als in Luxemburg, wo die Oktave seit Jahrhunderten in jedem Jahr ununterbrochen stattfindet. Darüber hinaus pilgerten 1959 fast zwei Millionen Menschen, und wir holen diese Zahlen nicht ein. Außerdem haben sich die Welt und die Gesellschaft, die Kirche sowie unsere kirchliche Situation seit der Wallfahrt von 1996 erheblich verändert. Darüber hinaus ist der Heilige Rock der Anlass, aber nicht Gegenstand der Wallfahrt. Gegenstand und Mitte ist Jesus Christus, um den wir uns versammeln. Den Menschen werden verschiedene Pilgerwege angeboten – auch aus Luxemburg ausgehend – und sie sollen des Weiteren eine Unterstützung durch geistliche Gemeinschaften erfahren, die sich während der 31 Tage in Trier aufhalten werden, und mit denen sie ins Gespräch kommen können, um mehr über den Glauben zu erfahren. Das Motto lautet: „Und führe zusammen, was getrennt ist“.

Welche Rolle nimmt für Sie in diesem Zusammenhang die Ökumene ein?

Eine starke ökumenische Verbundenheit, die wir schon im Vorfeld erlebt haben und während der Wallfahrt leben wollen, ist uns wichtig. Das unzerteilte Gewand Christi bedeutet schon für die Theologen der frühen Kirche ein Symbol der Einheit. Wir bitten den Herrn, uns diese Einheit zu geben, für die er vor seinem Tod am Abend noch inständig gebetet hat, die aber immer gefährdet ist und zerbrechen kann. Der ökumenische Aufwand ist auch größer als 1996, aber er ist nicht neu. Schon 1959 hat Papst Johannes XXIII. den Trierern den Auftrag gegeben, für die Einheit zu beten. Jeder Tag der Wallfahrt ist gekennzeichnet durch ein ökumenisches Gepräge und jede Woche von einer entsprechenden Thematik und geistlichen Impulsen. Hervorzuheben sind insbesondere die ökumenischen Andachten in der Konstantinbasilika um 12.15 Uhr.

Und wie steht es um den interreligiösen Dialog?

Wir wollen die Menschen anderer Religionen nicht überfordern. Es handelt sich um eine Christus-Wallfahrt, um die Person, die Botschaft und das Beispiel Jesu Christi. Person und Beispiel sind auch das, was uns von Menschen anderen Glaubens gerade jüdischen Glaubens oder Muslimen trennt. Wir können nicht einfach Menschen anderer Religionen einladen, zu dieser Wallfahrt zu kommen. Aber wir haben diese Chance trotzdem genutzt. Es gibt die Ausstellung in den Viehmarkttermen „Unterwegs für's Seelenheil“, die vom deutschen Museum in München ausgeht und die die Tradition des Pilgerns in den großen Religionen erklärt. Die Schau stellt auch die Frage nach den entsprechenden Unterschieden und Gemeinsamkeiten sowie nach dem Auftrag, den Gläubige in einer Gesellschaft, die immer mehr auseinanderfällt, haben.

Die Erzdiözese Luxemburg pilgert morgen, einen Tag nach der Eröffnung ...

Für den Bischof von Trier, Stephan Ackermann, war es besonders wichtig, die Luxemburger Nachbarn einzuladen. Und für die Luxemburger ist die Heilig-Rock-Wallfahrt nichts Unbekanntes. Gläubige aus Luxemburg und dem Luxemburger Land gehörten immer zu den ersten Pilgern, die auf diese Weise Jesus Christus geehrt und den Heiligen Rock verehrt haben. Ich habe sehr früh mit der Erzdiözese Luxemburg vereinbart, dass am ersten Tag nach der Eröffnung, Erzbischof Hollerich mit Pilgern nach Luxemburg kommt. Dies ist auch ein Zeichen der Freundschaft unter den Bistümern. Der Tag gestaltet sich folgendermaßen: Es finden ein Pontifikalamt mit dem Erzbischof, der Weg zum Dom zum Heiligen Rock und dazwischen ein gemeinsames Mittagessen statt. Und nachmittags besteht die Gelegenheit, geistliche Gemeinschaften aufzusuchen, Kulturelles zu erleben oder sich in die große Schar der Pilger einzuschleusen, die sich in Trier einfinden wird.

Was bedeutet die Heilig-Rock-Wallfahrt für die Kirche in Deutschland, insbesondere dieser Tage?

Die Kirche in Deutschland ist in keiner leichten Verfassung. Die Skandale, deren Aufarbeitung und die Opfer stehen im Mittelpunkt, davon ist die kirchliche Atmosphäre geprägt. Wir wollen keine Wallfahrt gestalten, die über diese Situation hinweggeht – auch nicht in einer Zeit, in der über die Zukunft unserer Gemeinden diskutiert wird. Es gibt einen Dialogprozess in ganz Deutschland, bei dem auch der Heilig-Rock-Wallfahrt eine Bedeutung zukommt. Die Wallfahrt bietet uns eine Chance zusammenzukommen. Sie ist eine Chance auf eine gemeinsame geistliche Erfahrung, wie Kirche sein kann, wenn sie sich um das Wesentliche kümmert: um das Gebet und die Botschaft Jesu Christi sowie um die Auswirkungen des Evangeliums im Leben Einzelner in der Gesellschaft und ihrem politischen Auftrag nachgeht.

Was kann die Heilig-Rock-Wallfahrt Nichtgläubigen bringen?

Die Erfahrung der Wallfahrt von 1996 hat gezeigt, dass 700 000 Menschen nach Trier kamen, es waren aber nur 160 000 Pilger angemeldet. Die Frage lautet also: Wo kam diese halbe Million der Kurzentschlossenen, der Touristen, der Skeptiker her? Auch in diesem Jahr spielen ganz verschiedene Motivationen eine Rolle. Für Leute, die wenig informiert sind, haben wir auf dem Hauptmarkt ein eigenes Informationszelt eingerichtet, bei dem geistliche, historische Einführungen in die wesentlichen Linien der Wallfahrt angeboten werden. Menschen, die nicht glauben, können hier erleben, dass es viele Christen in unserer heutigen Gesellschaft gibt. Wir wollen auch vom Zeugnis des Schatzes sprechen, den wir in der Person von Jesu Christi gefunden haben. Deshalb werden einige der geistlichen Gemeinschaften bewusst und konkret evangelisieren und die Menschen ansprechen.

Was wünschen Sie sich insbesondere in Bezug auf die Heilig-Rock-Wallfahrt?

Ich wünsche mir ein friedliches, fröhliches und geistliches Ereignis. Es wird oft davon gesprochen, dass es ein riesiges Event wird, aber damit bin ich nicht zufrieden – nur dann, wenn Menschen vom Lebensangebot von Jesus angerührt werden. Meine Aufgabe als Wallfahrtsleiter ist es zu beten, dass Gott seinen Segen für diese Wallfahrt gibt, und ebenfalls mit vielen Menschen für das Gelingen dieses geistlichen Ereignisses zu beten.


Neuer Generalvikar im Bistum Trier

Dr. Ulrich Graf von Plettenberg wird Generalvikar im Bistum Trier. Das hat der Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann am 1. Juli in Trier bekannt gegeben. Plettenberg ist derzeit Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg (Saarland). Ulrich Graf von Plettenberg wurde am 6. August 1964 in Birkenfeld/Nahe geboren. Nach seinem Studium in Trier und an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom wurde er am 10. Oktober 1991 in Rom zum Priester geweiht. Nach seiner Kaplanszeit in Trier war er zunächst von 1996 bis März 2001 Bischofskaplan und Sekretär von Bischof Dr. Hermann Josef Spital, dann Sekretär von Diözesanadministrator Weihbischof Leo Schwarz und schließlich bis Juli 2002 Bischöflicher Kaplan und Sekretär von Bischof Dr. Reinhard Marx. Von August 2002 bis Anfang 2004 war er zum Promotionsstudium an der Theologischen Fakultät in Trier freigestellt. Von Februar 2004 an wirkte er als Schulpfarrer an der Alfred-Delp-Schule Hargesheim, einer Kooperativen Gesamtschule in Trägerschaft des Bistums Trier, und als Kooperator in Bad Kreuznach. Ende 2010 wurde er Pfarrer der Pfarreiengemeinschaft Am Schaumberg.


Weitere Infos

www.bisum-trier.de

www.bistumlimburg.de


Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.