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Der stille General - Warum James Mattis Trump nicht fürchten muss
International 5 Min. 27.03.2018

Der stille General - Warum James Mattis Trump nicht fürchten muss

James Mattis hat eine ungewöhnliche Stellung im Kabinett von Donald Trump. Er hat viel Einfluss, besetzt eine zentrale Position, steht aber gleichzeitig im Abseits.

Der stille General - Warum James Mattis Trump nicht fürchten muss

James Mattis hat eine ungewöhnliche Stellung im Kabinett von Donald Trump. Er hat viel Einfluss, besetzt eine zentrale Position, steht aber gleichzeitig im Abseits.
Foto: AFP
International 5 Min. 27.03.2018

Der stille General - Warum James Mattis Trump nicht fürchten muss

Nach dem Rauswurf von Außenminister Tillerson und Sicherheitsberater McMaster gilt James Mattis als die letzte Stimme der Vernunft in Trumps Regierung. Er steht hoch in der Gunst des Präsidenten, vertritt aber oft völlig gegensätzliche Positionen als er.

(dpa) - Zwischen dem Weißen Haus und dem Pentagon liegen rund dreieinhalb Kilometer Luftlinie. Wer die Schaltzentrale des US-Militärs besuchen will, muss raus aus Washingtons Regierungsviertel und über den Fluss nach Virginia. Hinter den schweren Holztüren des fünfeckigen Baus offenbart sich eine seltsame, eigene Welt. Es gibt einen Schuster, eine Reinigung, eine Postfiliale, ein Blumengeschäft, einen Zahnarzt und eine Apotheke, mehrere Fast-Food-Ketten und Coffee-Shops. Es ist eines der größten Gebäude der Welt, 26 000 Menschen arbeiten hier, man kann sich in den Gängen leicht verlaufen. In einem Korridor im Außenring E liegt das Büro von Verteidigungsminister James Mattis.

Der 67-Jährige hat eine ungewöhnliche Stellung im Kabinett von Donald Trump. Er hat viel Einfluss, besetzt eine zentrale Position, steht aber gleichzeitig im Abseits. Vielleicht ist die Lage seines Arbeitsplatzes bezeichnend dafür. Er bietet ihm reichlich Abstand zur Washingtoner Politikblase.

An einem sonnigen, kalten Nachmittag im Januar steht der Verteidigungsminister umringt von Journalisten in einem fensterlosen Raum. Das neue Jahr ist erst wenige Tage alt, aber das Weiße Haus wird schon wieder von einem Skandal geplagt. Am Morgen ist das Enthüllungsbuch des Autors Michael Wolff erschienen, es erzählt von hässlichen Intrigen im Stab von Donald Trump. Auch Mattis kommt darin vor, aber die Zeilen über ihn sind harmlos. Man erfährt nichts.

Der Pentagon-Chef sagt, er habe nicht vor, das Buch zu lesen, er sei zu beschäftigt. Dann spricht er über den Konflikt mit Nordkorea, die Proteste im Iran und die Militärhilfe für Pakistan, die die USA gerade gestrichen haben. An der Wand hinter ihm hängt ein Fernseher, CNN strahlt gerade ein Interview mit Außenminister Rex Tillerson aus. Es ist ein langes Gespräch und natürlich dreht es sich auch um die Spekulationen, Tillerson könne seinen Job verlieren. Er sagt, er habe die Absicht, das gesamte Jahr über im Amt zu bleiben. Trump habe ihm nichts anderes zu verstehen gegeben.

67 Tage später ist Tillerson seinen Posten los. Trump hat ihn gefeuert, in wenigen Zeilen auf Twitter. Eine Woche später muss auch der Nationale Sicherheitsberater Herbert Raymond McMaster gehen. Mike Pompeo soll neuer Außenminister werden, John Bolton folgt auf McMaster. Beides sind außenpolitische Hardliner. Mattis ist damit einer der Letzten in Trumps Regierung, mit denen Begriffe wie Zurückhaltung oder Integrität verbunden werden.

Der Vier-Sterne-General blickt auf eine lange Militärkarriere zurück. Er genießt Ansehen in beiden Parteien. Niemand nennt ihn mehr „Mad Dog“.

In Kabinettstreffen sitzt Mattis meist rechts von Trump, oft hört er dann mit regungsloser Miene zu. Im vergangenen Juni, bei der ersten dieser Runden, als Trump seine Minister aufforderte, sich reihum vorzustellen, und sie ihn einer nach dem anderen mit Lob überschütteten, als Vizepräsident Mike Pence etwa sagte, es sei das größte Privileg seines Lebens, Trump zu dienen, hielt sich der Verteidigungsminister auffällig zurück. Er sagte lediglich, es sei ihm eine Ehre, die Mitarbeiter des Pentagons zu vertreten, und er sei dankbar für die Opfer, die sie erbringen, um das Militär zu stärken.


Am Samstag kommt Mattis mit seinem südkoreanischen Amtskollegen Song Young Moo (l.) zusammen.
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Er ist keiner von denen, die in die Sonntagsshows der Nachrichtensender ausschwirren, um Trumps Politik zu erklären. Anders etwa als der designierte Außenminister Pompeo, der als CIA-Chef regelmäßig bei Fox News auftrat und Trump glühend verteidigte.

Mattis steht dennoch hoch in Trumps Gunst. Und das obwohl er oft andere Positionen vertritt als der Präsident. Er war dagegen, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Er hat sich für einen Verbleib der USA im Atomabkommen mit dem Iran ausgesprochen, obwohl er als Kommandeur des US-Zentralkommandos wegen seines harten Kurses gegenüber Teheran mit der Regierung von Barack Obama aneinandergeriet, was ihn letztendlich sogar den Job kostete.

Trump hat Nordkorea oft mit militärischen Schritten gedroht. Mattis hingegen betonte immer wieder, dass der Konflikt mit diplomatischen Mitteln gelöst werden müsse. Im vergangenen Juli, als Trump auf Twitter schrieb, Gespräche mit Nordkorea hätten keinen Sinn, erklärte der Verteidigungsminister wenig später, den USA gingen die diplomatischen Lösungen niemals aus. In solchen Momenten hört es sich manchmal so an, als sei er Außenminister und nicht Pentagon-Chef.

Mattis drängt nicht in den Vordergrund. Er gibt selten große Pressekonferenzen vor Kameras, aber er taucht oft in den Presseräumen des Ministeriums auf, um mit Journalisten zu sprechen.

In diesen Stehrunden ist er höflich und charmant, aber seine Worte wirken stets wohlüberlegt. Er redet viel, man kann meist einige Seiten mit seinen Zitaten füllen, aber am Ende steht dort kaum etwas von Gehalt. Berechtigte Fragen, etwa danach, ob es jemanden in der iranischen Regierung gibt, den er im Ernstfall kontaktieren könnte, beantwortet er nicht. Er tut so etwas als zu hypothetisch ab. Über sein Verhältnis zu Trump schweigt er. Einmal erklärte er, sein Rat an den Präsidenten sei vertraulich, das schulde er ihm.

Die „Washington Post“ berichtete vor kurzem, das Weiße Haus habe Mattis im vergangenen Frühjahr über Wochen dazu gedrängt, dass er dem Präsidenten militärische Optionen für einen Angriff gegen den Iran vorlege. Aber der Verteidigungsminister habe sich geweigert. Er selbst dementierte das.

In seinem Ministerium, das über das mit Abstand größte Budget der Regierung verfügt, hat er weitgehend freie Hand. Bei den Einsätzen im Nahen Osten oder Somalia etwa hat der Präsident dem Militär mehr Autonomie gegeben. Dass Trump sich dazu entschied, die US-Truppen in Afghanistan aufzustocken, obwohl er sie eigentlich abziehen wollte, ging maßgeblich auf den Verteidigungsminister zurück. Dann wiederum gibt es Fälle, in denen Mattis auf die Linie des Präsidenten eingeschwenkt ist. Wie bei dessen Entscheidung, Transgender aus dem Militär auszuschließen.

Anders als Tillerson bleibt Mattis unter dem Radar. Er setzt sich ab, er hält eigene Positionen, wirkt trotz seiner Loyalität so, als befände er sich in stiller Opposition. Bislang hat er noch kein einziges Mal den öffentlichen Zorn Trumps auf sich gezogen. Der Präsident verlor nicht ein einziges harsches Wort über ihn. Nicht einmal auf Twitter.


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