Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der Rekord-Sturm
International 2 Min. 06.09.2017 Aus unserem online-Archiv
„Irma“

Der Rekord-Sturm

Das beschädigte Casino Royale auf Sint-Maarten.
„Irma“

Der Rekord-Sturm

Das beschädigte Casino Royale auf Sint-Maarten.
Foto: AFP
International 2 Min. 06.09.2017 Aus unserem online-Archiv
„Irma“

Der Rekord-Sturm

Teddy JAANS
Teddy JAANS
Mit Windgeschwindigkeiten von fast 300 Kilometern pro Stunde pflügt ein Tropensturm durch das Urlaubsparadies in der Karibik. Bäume knicken um, Dächer werden abgedeckt, Straßen überflutet.

(dpa) - Als „Irma“ über die Karibikinsel Saint-Martin hinwegfegt, hält auch Präfektin Anne Laubiès nichts mehr an ihrem Schreibtisch. Mit zwei Dutzend Mitarbeitern flüchtet sich die Verwaltungschefin des französischen Überseegebiets in einen betonierten Schutzraum. Draußen tobt der Hurrikan. Die Präfektur wird teilweise zerstört, der Strom fällt aus, Dächer werden abgedeckt.

Auf der französischen Insel St. Martin sind die Schäden hoch.
 /
Auf der französischen Insel St. Martin sind die Schäden hoch. /
AFP

Das Wasser steht mindestens einen Meter hoch in den Straßen, Pflanzenteile, Holz und Müll treiben umher, Hütten versinken in den Fluten. Daniel Gibbs, der Präsident der Territorialrats von Saint-Martin, sagt: „So etwas haben wir in Saint-Martin noch nicht erlebt. Sogar die Wände wackeln.“ Die Nachbarinsel Saint-Barthélemy oder St. Barth ist sonst vor allem als exklusiver Ferienort des Jetsets bekannt. Jetzt liegt das Urlaubsparadies im Auge des Rekord-Sturms.

Ausmaß noch unklar

Das ganze Ausmaß der Zerstörung ist zunächst nicht abzusehen. Experten gehen jedoch von dem Schlimmsten aus. „Irma“ ist ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und einer der schwersten jemals in der Region registrierten Tropenstürme. Mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 295 Kilometern pro Stunde zieht er am Mittwoch über die Kleinen Antillen im Südosten der Karibik hinweg.

„Bei einer solchen Geschwindigkeit könnten Sie im Grunde nicht mal mehr atmen, wenn Sie im Wind stehen - Sie würden eh wegfliegen“, sagt Tobias Schaaf vom Deutschen Wetterdienst. „Bei solchen Geschwindigkeiten fliegt nicht nur das Dach, sondern das ganze Haus weg. Es ist desaströs.“

Zunächst gibt es allerdings keine Berichte über Todesopfer oder schwere Schäden. Auch in Antigua und Barbuda werden einige Dächer abgedeckt, Bäume und Strommasten fallen um und mehrere Leichtverletzte werden im Krankenhaus behandelt, wie der Radiosender ABS berichtet.

Mit einem blauen Auge ...

„In den Vorhersagen hieß es, Antigua würde verwüstet, unsere Infrastruktur zerstört, Menschen getötet und unsere Wirtschaft vernichtet. Bei Tageslicht betracht zeigt sich ein anderes Bild“, schreibt Premierminister Gaston Browne in einer vom „Antigua Chronicle“ veröffentlichten Stellungnahme. „In Antigua ist niemand getötet worden. Alle haben überlebt. Den Urlaubern in den Hotels geht es gut. Sogar die Tiere haben wir vor dem schweren Sturm geschützt.“

Ganze Straßenzüge waren auf St. Martin überflutet.
Ganze Straßenzüge waren auf St. Martin überflutet.
AFP

„Irma“ zieht nun weiter Richtung Jungferninseln, Puerto Rico, Dominikanische Republik und Haiti. „Der Tag ist gekommen“, sagt Puerto Ricos Gouverneur Ricardo Rosselló. Die Bewohner der Küstenregionen sollten sich in Sicherheit bringen.

Haiti bedroht

Besonders hart könnte der Hurrikan das bitterarme Haiti treffen. „Das Land ist schlecht auf so einen Sturm vorbereitet. Vor allem an der Nordküste erwarten wir erhebliche Schäden“, sagt Georg Dörken von der Welthungerhilfe, der von der Hauptstadt Port-au-Prince die Hilfsmaßnahmen organisiert. „Wir werden 300 Kubikmeter Lebensmittel sowie Hygiene-Kits und Haushaltsgegenstände in die Region schaffen.“

 Im Oktober vergangenen Jahres war Hurrikan „Matthew“ über Haiti hinweggezogen und hatte weite Teile des Südens zerstört. Über 540 Menschen kamen damals ums Leben, Zehntausende verloren ihr Hab und Gut.

„Wir wissen aus der Vergangenheit, dass schon deutlich weniger schwere Stürme auf Kuba, der Dominikanischen Republik und Haiti das Leben und die Existenzen abertausender Menschen zerstört haben“, sagt Claudio Moser von Caritas international. „Wir bereiten uns deshalb angesichts der Vorhersagen auf das Schlimmste vor.“


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

"Irma" zwischen Karibik und Florida
Wie ein „Rasenmäher vom Himmel“ sei der Hurrikan gewesen, als er durch die Karibik zog. Inzwischen hat der Sturm sich um eine Warnstufe abgeschwächt - doch die Gefahr bleibt.
A photo taken on September 7, 2017 shows damage in Orient Bay on the French Carribean island of Saint-Martin, after the passage of Hurricane Irma.
France, the Netherlands and Britain on September 7 rushed to provide water, emergency rations and rescue teams to territories in the Caribbean hit by Hurricane Irma, with aid efforts complicated by damage to local airports and harbours. The worst-affected island so far is Saint Martin, which is divided between the Netherlands and France, where French Prime Minister Edouard Philippe confirmed four people were killed and 50 more injured.

  / AFP PHOTO / Lionel CHAMOISEAU
Hurrikan „Irma“ hat in der Karibik heftig gewütet. In einigen Gegenden ist die Zerstörung so groß, dass sie als unbewohnbar gelten. Nun nimmt der Sturm Kurs auf Haiti und Florida.
A photo taken on September 6, 2017 shows smoke rising above the damaged Hotel Mercure in Marigot, near the Bay of Nettle, on the French Collectivity of Saint Martin, after the passage of Hurricane Irma.
France, the Netherlands and Britain on September 7 sent water, emergency rations and rescue teams to their stricken territories in the Caribbean hit by Hurricane Irma, which has killed at least 10 people. The worst-affected island so far is Saint Martin, which is divided between the Netherlands and France, where eight of the 10 confirmed deaths took place.
 / AFP PHOTO / Lionel CHAMOISEAU
Orkan über der Karibik
Das Zentrum des Hurrikans „Irma“ hat die Inseln Saint-Barthélémy und Saint-Martin überquert. Bis zum Wochenende könnte er Florida erreichen. "Irma" wird als gefährlicher eingeschätzt als der Tropensturm "Harvey", der Teile von Texas überflutete.
Costco ran out of water as people shop to prepare for Hurricane Irma on September 5, 2017 in North Miami.
The monster hurricane coming on the heels of Harvey, which struck Texas and Louisiana late last month, is expected to hit a string of Caribbean islands including Guadeloupe late Tuesday before heading to Haiti and Florida. The Miami-based National Hurricane Center said Irma had strengthened to the most powerful Category Five, packing winds of 180 miles (280 kilometers) per hour.
 / AFP PHOTO / Michele Eve Sandberg
„Irma“ steuerte am Montag auf die Karibik zu. Der Sturm könnte nach Vorhersagen am Dienstagabend oder Mittwoch (Ortszeit) über Teile der kleinen Antillen hinwegfegen. Der Gouverneur von Florida verhängte präventiv den Ausnahmezsutand.
Auf der französischen Überseeinsel Saint-Martin laufen die Vorbereitungen - zu sehen hier an den abgeklebten Schaufenstern eines Autohauses.
Die Reportage am Wochenende
Hurrikan "Harvey" trifft die arme Bevölkerung in Houston besonders hart. Sie leben in den flutgefährdeten Gebieten, haben oft keine Versicherung und wenig Ressourcen für den Wiederaufbau.
Staatliche Hilfe erhalten nur die, die nachweisen können, dass es in ihrem Haus keinen einzigen noch bewohnbaren Raum mehr gibt.
USA beantragen Notfallhilfe
In Texas geht das Bangen erst richtig los.Über dem Atlantik rollt der nächste Hurrikan an und in einer Chemiefabrik hat es erneut gebrannt. Auch das stehende Wasser könnte zu einer Zeitbombe werden. Die Regierung hat nun offiziell Notfallhilfe beantragt.
HOUSTON, TX - SEPTEMBER 01: Nikki Hudson and Shandra Garner (L-R) pull wet sheetrock of the wall as they helps begin the process of cleaning up the damage to Nikki's sister property after torrential rains caused widespread flooding during Hurricane and Tropical Storm Harvey on September 1, 2017 in Houston, Texas. Harvey, which made landfall north of Corpus Christi on August 25, dumped around 50 inches of rain in and around areas of Houston and Southeast Texas.   Joe Raedle/Getty Images/AFP
== FOR NEWSPAPERS, INTERNET, TELCOS & TELEVISION USE ONLY ==