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Der Präsident von Grand Est: Ein Krisenmanager im Ärztekittel
International 2 Min. 23.03.2020

Der Präsident von Grand Est: Ein Krisenmanager im Ärztekittel

International 2 Min. 23.03.2020

Der Präsident von Grand Est: Ein Krisenmanager im Ärztekittel

Jean Rottner, der Präsident der Region Grand Est, ist selbst Arzt. In Zeiten der akuten Corona-Krise ist er zum Fürsprecher der überforderten Krankenhäuser geworden.

Von LW-Korrespondentin Christine Longin (Paris)

Wenn es einen gibt, der sich mit der Corona-Krise in Frankreich auskennt, dann ist es Jean Rottner. Der 53-Jährige ist Präsident der Region Grand Est, die besonders von der Epidemie betroffen ist. Er ist aber auch Notarzt und als solcher erlebt er das Drama in seiner Heimatstadt Mulhouse hinter den Kulissen.

Jean Rottner, Präsident der Region Grand Est
Jean Rottner, Präsident der Region Grand Est
Foto: Jil Stadler

Der frühere Leiter der Notaufnahme am Krankenhaus Emile-Muller ist in diesen Tagen regelmäßig in den Fernsehnachrichten zu sehen, wo er mit ernstem Gesicht und müden Augen immer wieder dasselbe schildert: Überfüllte Krankenhäuser, überfordertes Personal, fehlendes Material. 40 Minuten lang habe ein befreundeter Arzt am Telefon geweint, sagte Jean Rottner vergangene Woche der Tageszeitung „Le Parisien“. „Das sind Narben, die bleiben.“

 Das sind Narben, die bleiben. 

Knapp 2.000 Corona-Patienten zählte seine Region am Sonntag, 271 Menschen starben an der Epidemie. Am Montag wurde bekannt, dass auch zwei Ärzte in Mulhouse und an der Mosel ihren Einsatz mit dem Leben bezahlten. „Die Franzosen müssen verstehen, dass das, was wir hier in Mulhouse, Colmar, Straßburg, der Mosel und den Vogesen erleben, überall passieren kann, wenn wir nicht verantwortungsbewusst sind“, appellierte Rottner.

In Mulhouse, wo er stellvertretender Bürgermeister ist, hält er inzwischen auf Facebook regelmäßig Bürgersprechstunden ab, um die Einwohner über das Corona-Virus zu informieren.

Erste Schwerkranke werden jenseits der Grenze behandelt

Die Stadt mit ihren 110.000 Einwohnern ist der größte Infektionsherd Frankreichs, seit mehr als 2.000 Gläubige der Pfingstgemeinde sich dort im Februar zu Einkehrtagen versammelt hatten. In der gesamten Region sind inzwischen die Beatmungsbetten knapp. Am Wochenende wurden zur Entlastung die ersten Schwerkranken in Krankenhäuser in Deutschland, die Schweiz und Luxemburg eingeliefert. "Schöne grenzüberschreitende europäische Kooperation“, twitterte der Arzt dazu.


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Rottner studierte Medizin in Straßburg. 2008 wurde er stellvertretender Bürgermeister von Mulhouse, von 2010 bis 2017 war er Rathauschef. 2017 löste das Mitglied der konservativen Republikaner dann Philippe Richert an der Spitze der Region Grand Est ab. Seinen Arztkittel hängte der Regionalpolitiker damit aber nicht ganz an den Nagel. Als im vergangenen Jahr in Mulhouse die Notärzte knapp wurden, weil Mediziner aus Protest gegen Personalmangel gingen, meldete sich Rottner wieder als Teilzeitarzt zum Dienst.

Der Regionalpräsident setzt sich vor allem dafür ein, dass möglichst viele Menschen im Osten Frankreichs mit Schutzmasken ausgestattet werden. Mit einem Appell über den Kurznachrichtendienst Twitter sammelte er innerhalb von 24 Stunden 350.000 Masken für niedergelassene Ärzte und Krankenschwestern ein. Fünf Millionen Schutzmasken orderte er in China, um sie an Polizisten, Pflegerinnen in Altersheimen und Beschäftigte in lebenswichtigen Betrieben zu verteilen. Zudem forderte er die heimische Textilindustrie auf, pro Woche bis zu eine Million Masken herzustellen. „Es geht um eine lebenswichtige Sache“, erklärte er.

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