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Zwei mutmaßliche Polizisten-Mörder festgenommen
International 4 Min. 31.01.2022 Aus unserem online-Archiv
„Die schießen!"

Zwei mutmaßliche Polizisten-Mörder festgenommen

Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22, rund einen Kilometer vom Tatort entfernt.
„Die schießen!"

Zwei mutmaßliche Polizisten-Mörder festgenommen

Polizeibeamte stehen an einer Absperrung an der Kreisstraße 22, rund einen Kilometer vom Tatort entfernt.
Foto: Sebastian Gollnow/dpa
International 4 Min. 31.01.2022 Aus unserem online-Archiv
„Die schießen!"

Zwei mutmaßliche Polizisten-Mörder festgenommen

Bei einer Verkehrskontrolle fallen plötzlich Schüsse. Zwei Polizisten sterben, sie können kurz zuvor noch einen Notruf absetzen. Die mutmaßlichen Täter sind nun in Gewahrsam.

(dpa/jwi) - Der Fahndungsdruck war am Ende zu stark: Nach den tödlichen Schüssen auf zwei Polizisten in der Pfalz hat sich der öffentlich gesuchte Verdächtige der Polizei gestellt. Der 38-Jährige aus dem saarländischen Kreis Neunkirchen wurde rund 13 Stunden nach der brutalen Bluttat vor einem Haus im saarländischen Sulzbach von Spezialkräften der Polizei festgenommen, wie ein Polizeisprecher in Kaiserslautern am Montagabend berichtete. Zuvor habe sich der Verdächtige über eine Anwältin bei der Polizei gemeldet.

In dem Haus in einem Wohngebiet sei kurze Zeit später ein 32 Jahre alter zweiter Verdächtiger widerstandslos festgenommen worden. In welchem Zusammenhang er zu den tödlichen Schüssen auf die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und den 29 Jahre alten Oberkommissar stehe, müssten die Ermittlungen ergeben. Beide Männer seien Deutsche und hätten sich zunächst nicht zur Sache geäußert. Der 38-Jährige sollte am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Die Fahndungsmaßnahmen liefen aber weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es noch weitere Mittäter gebe. Bei Durchsuchungen seien unter anderem Waffen sichergestellt worden. In welchem Zusammenhang diese mit der Tat stehen, sei aber noch nicht sicher.

Was bisher bekannt ist

Wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Sicherheitskreisen erfuhr, war der Mann in der Vergangenheit wegen Unfallflucht aufgefallen und soll eine Waffenerlaubnis gehabt haben. Laut einem späteren Bericht in der „Saarbrücker Zeitung“ sei ihm diese aber entzogen worden. Der Deutsche Jagdverband gibt an, insgesamt sei dem Mann zweimal die „waffenrechtliche Zuverlässigkeit“ abgesprochen worden - einmal 2008, dann erneut 2020. 

Der 38-Jährige hatte in seinem Heimatort Spiesen-Elversberg mehrere Bäckereien und einen Handel mit Wild betrieben. Vor einigen Monaten hatte er Insolvenz angemeldet. 

„Wir gehen von mehreren bewaffneten Tätern aus“, sagte eine Polizeisprecherin in Kaiserslautern. Politiker und Polizeivertreter in Rheinland-Pfalz und deutschlandweit reagierten schockiert. Laut dem Boulevard-Magazin „Bild“ seien die Beamten mit Kopfschüssen getötet worden.

Die Polizei hat den Tatort, der sich auf der Kreisstraße 22 befindet, am Montagmorgen weiträumig abgeriegelt. Kurz hinter dem Ort Mayweilerhof ist die zweispurige Straße nach Ulmet mit rot-weißem Flatterband abgesperrt. Schwer bewaffnete Polizisten in Schutzausrüstung patrouillieren neben ihren Einsatzfahrzeugen.


Police block the access to the site where two police officers were shot dead in the early morning during a routine patrol in Kusel, Rhineland-Palatinate, western Germany on January 31, 2022. - Two German police officers were shot dead on January 31 after pulling over a car during a routine traffic stop, prompting police to launch a major manhunt. The shooting happened at around 4:20 am in the Kusel district of western Rhineland-Palatinate state during a routine patrol. A 24-year-old female police officer and her 29-year-old male colleague were killed. Police are still searching for the fugitive perpetrators. (Photo by Thomas Frey / dpa / AFP) / Germany OUT
Zwei Polizisten in Rheinland-Pfalz erschossen
Gegen 4.20 Uhr am Montagmorgen haben unbekannte Täter zwei Polizisten in der Nähe von Kusel (D) erschossen und sind seitdem flüchtig.

Stunden nach der Tat ist vieles an dem Verbrechen aber immer noch unklar. Nach den bisherigen Erkenntnissen hatten der 29-jährige Polizist und seine 24-jährige Kollegin, die nach Angaben der Gewerkschaft der Polizei (GdP) noch an der Hochschule der Polizei studierte, dort gegen 4.20 Uhr ein Fahrzeug kontrolliert. Den Ermittlern zufolge waren die beiden zuvor auf einer routinemäßigen Streifenfahrt unterwegs gewesen. Einem Bericht der Saarbrücker Zeitung zufolge sollen sie aus dem Saarland stammen. Dies bestätigte wenig später der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans auf Twitter:

Warum ihnen der Wagen auffiel und was dann passierte, ist Gegenstand der Ermittlungen. Wie aus Sicherheitskreisen zu erfahren war, setzten die beiden Polizisten noch per Funk einen Hilferuf ab: „Die schießen.“ Die beiden Polizisten hatten demnach bei der Kontrolle totes Wild in dem Fahrzeug gefunden, wie zuerst die „Bild“ berichtet hatte.

Die Verstärkung kam zu spät

Als Verstärkung der Polizei eintraf, konnte sie den beiden nicht mehr helfen. Die Tat sorgte weit über die Region hinaus für großes Entsetzen. „Wir durchleben gerade den realen Alptraum aller Polizistinnen und Polizisten“, sagte die GdP-Landesvorsitzende Sabrina Kunz. Politiker aller Couleur zeigen sich erschüttert. „Unabhängig davon, welches Motiv der Tat zugrunde liegt: Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung, und sie zeigt, dass Polizistinnen und Polizisten jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren“, sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD).


Viviane Eschenauer - Foto : Pierre Matgé/Luxemburger Wort
Vor 35 Jahren: Tod im Einsatz
Vor 35 Jahren wird der Polizist Patrice Conrardy kaltblütig von Bankräubern ermordet. Seine Kollegen erinnern sich.

Wer auf die Polizisten geschossen hat und warum, ist bisher unklar. Die Polizei warnte am Montagmorgen Autofahrer im Kreis Kusel davor, Anhalter mitzunehmen, da mindestens einer der Täter bewaffnet sei. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Täter zu Fuß vom Tatort auf der Kreisstraße geflüchtet sind.

Der Ort, an dem die Schüsse fielen, ist weit entfernt und aus der Distanz nicht zu erkennen. Hinter einer Unterführung steht ein Fahrzeug der Einsatzkräfte, das Blaulicht glänzt auf dem regennassen Asphalt. Drei Kilometer sind es von hier, von der Alten Römerstraße, nach Ulmet.

Wir sind friedliche Leut'.

Fahles Sonnenlicht fällt an diesem Tag auf die kahlen Bäume entlang der Straße, die hier leicht ansteigt. „Der Weg wird gerne als Abkürzung genutzt oder als Schleichweg, wenn einer was getrunken hat“, sagt ein Mann, der in Mayweilerhof vor dem Haus steht. Dass hier zwei Menschen in der Nacht zuvor erschossen wurden, sei erschütternd. „Die Täter waren bestimmt nicht von hier. Wir sind friedliche Leut'“, meint er im Pfälzer Dialekt.

Auch eine Frau aus dem Ort sagt, es sei eine ruhige Gegend, kurz vor der saarländischen Grenze. „Betrieb gibt es nur, wenn die Soldaten üben.“ Unweit von Mayweilerhof liegt der riesige Truppenübungsplatz Baumholder mit Manöverplätzen auch für Artillerie, Infanterie und Panzer. Kusel selbst ist eine kleine Stadt mit knapp 6.000 Einwohnern, die mit Wandertourismus in der ebenso naturreichen wie beschaulichen Gegend wirbt.


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