Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Der letzte Etarra
Der heute 68-jährige Josu Ternera ist Symbol sowohl für den blutigen Terror der ETA als auch für das späte Einsehen in dessen Nutzlosigkeit.

Der letzte Etarra

AFP
Der heute 68-jährige Josu Ternera ist Symbol sowohl für den blutigen Terror der ETA als auch für das späte Einsehen in dessen Nutzlosigkeit.
International 2 Min. 16.05.2019

Der letzte Etarra

Nach fast 17 Jahren Flucht ist in Frankreich Josu Ternera festgenommen worden. Er war eine Symbolfigur der baskischen Terrororganisation ETA.

Von LW-Korrespondent Martin Dahms, Madrid

An diesem Donnerstagmorgen ist im französischen Sallanches José Antonio Urrutikoetxea, mit Decknamen Josu Ternera, festgenommen worden. Er war eine herausragende Führungsfigur der vor einem Jahr aufgelösten baskischen Terrororganisation ETA und deren bekanntestes Mitglied, das sich noch auf der Flucht befand. „Wir sind sehr zufrieden“, kommentierte die Präsidentin der spanischen Terroropfervereinigung AVT, Maite Araluce, „denn abgesehen von den ausstehenden Strafverfahren gegen ihn ist er ein Symbol der ETA.“

Der heute 68-jährige Josu Ternera ist Symbol sowohl für den blutigen Terror der ETA als auch für das späte Einsehen in dessen Nutzlosigkeit. Sein ganzes Leben stellte er in den Dienst der Organisation, der er sich 1968, mit noch nicht einmal 18 Jahren, anschloss. Es war das Jahr des ersten tödlichen ETA-Anschlags, gegen einen gefürchteten Polizisten des damaligen Franco-Regimes. 1973 war er am Raub des Sprengstoffs beteiligt, der bei dem spektakulären Mordanschlag auf den franquistischen Ministerpräsidenten Luis Carrero Blanco eingesetzt wurde. Die ETA erwarb sich den Ruf einer Befreiungsbewegung, aber weigerte sich, vom Terror abzulassen, als sich Spanien nach Francos Tod 1975 zur Demokratie wandelte.

Bandenkriminalität

Die 1980er Jahre waren die blutigsten Jahre der ETA, und in dieser Zeit war Ternera einer ihrer politischen Führer. Wegen seiner Mitverantwortung für ein Attentat auf eine Guardia-Civil-Kaserne in Zaragoza im Dezember 1987, bei dem sechs Mädchen im Alter zwischen 3 und 17 Jahren und fünf Erwachsene starben, wird Ternera seit knapp 17 Jahren von der spanischen Justiz gesucht. Schon Anfang 1989 war er zum ersten Mal von der franzöischen Polizei verhaftet und danach zu zehn Jahen Haft wegen Bandenkriminalität verurteilt worden. Danach kam er frei und wurde sogar als Vertreter einer ETA-nahen Liste ins baskische Regionalparlament gewählt – bis ihn die spanische Justiz wegen des Zaragoza-Attentas zur Vernehmung vorlud, der er sich durch Flucht entzog. Diese Flucht ist am Donnerstag zu Ende gegangen.

In den Jahren erst der Haft, dann in der Politik und schließlich auf der Flucht reifte in Ternera offenbar die Erkenntis, dass der Terror, von moralischen Erwägungen abgesehen, mindestens nutzlos sei. In den Jahren 2005 und 2006 stellte er sich der damaligen sozialistischen Zapatero-Regierung als Gesprächspartner zur Verfügung, um über ein mögliches Ende der ETA zu verhandeln. Hardliner in der Organisation machten die Erfolge dieser Verhandlungen vorübergehend zunichte, doch 2011 erklärte die ETA das Ende ihres „bewaffneten Kampfes“ und am 3. Mai vergangenen Jahres ihre Auflösung.

Die Videoerklärung auf Spanisch verlas Josu Ternera. Sein früherer Gesprächspartner seitens der spanischen Regierung, der baskische Sozialist Jesús Eguiguren, nannte Ternera am Donnerstag in einem Radiointerview einen „Helden des Rückzugs“. Einer mit blutigen Händen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema