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Der gute Nachbar
Nach drei Jahren Krieg im Jemen steht das Land am Rand einer humanitären Katastrophe.

Der gute Nachbar

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Nach drei Jahren Krieg im Jemen steht das Land am Rand einer humanitären Katastrophe.
International 3 Min. 31.03.2018

Der gute Nachbar

Leben im Jemen, das ist seit drei Jahren ein Kriegsalltag, der von Tod und Trümmern geprägt ist. Die Welt hat das Land am Golf von Aden vergessen. Nur ein einziges Nachbarland leistet Hilfe: der Oman.

Von LW-Korrespondent Michael Wrase (Salalah)

Der omanisch-jemenitische Grenzposten bei Sarfayt ist keine Einbahnstraße. Bis zu 150 Omanis passieren die auf einem spektakulären Hochplateau gelegene Polizeistation, um „drüben“, in der jemenitischen Provinz Hadramaut, Kat zu kaufen. Obwohl stark gesundheitsschädlich, wird der Erwerb der südarabischen Volksdroge für den persönlichen Gebrauch gestattet. Für das sogenannte „Kat-Visum“, das 24 Stunden gültig ist, bezahlen die Omanis zehn Rial (23 Euro).

Im Oman selbst dürfen die grünen Blätter, die bis zu sechs Stunden gekaut werden müssen, um ihre benebelnde Wirkung zu erzielen, nicht verkauft werden. Die Grenze ist für alle Jemeniten geschlossen – es sei denn, sie sind krank oder wurden im Krieg verletzt. Dann werden sie in Ambulanzen sofort in das Sultan-Qabus-Hospital von Salalah gebracht, wo „unsere Nachbarn medizinisch behandelt und gesund gepflegt werden“. „Als gute Nachbarn sind wir dazu verpflichtet“, unterstreicht Harith al Rasheidi vom omanischen Informationsministerium.

Seit Kriegsbeginn kümmere man sich um die Brüder und Schwestern aus dem Jemen, „hänge die umfangreiche humanitäre Hilfe aber nicht an die große Glocke“. Genaue Zahlen wollen die Omanis nicht nennen. Nach einem besonders heftigen Luftangriff der von Saudi-Arabien geführten internationalen Koalition habe das Sultanat an einem Tag 125 Verletzte behandelt, erfährt man aus westlichen Diplomatenkreisen in Muscat.

Einziges neutrales arabisches Land

Als einziges arabisches Land hat es Oman geschafft, im Jemen-Krieg neutral zu bleiben. Als direkter Nachbar von Jemen, Saudi-Arabien und dem Iran wäre das Sultanat geeignet, in dem inzwischen drei Jahre andauernden Konflikt zu vermitteln. Die Bereitschaft dazu ist in Muscat, wo auch der Atomdeal mit dem Iran eingefädelt wurde, vorhanden. Riad lehnt eine omanische Vermittlung nicht nur ab, sondern verdächtigte Oman bereits, beim Schmuggel von iranischen Waffen behilflich zu sein. Westliche Sicherheitskreise bezeichnen den Vorwurf als absurd. Oman sichere seine fast 500 Kilometer lange Grenze zum Jemen nicht nur mit Soldaten, sondern auch durch eine acht Meter hohe Mauer, welche bereits zur Hälfte fertiggestellt worden sei.

Schätzungsweise 5500 Zivilisten kamen bislang im Krieg ums Leben, Cholera und Diphtherie grassieren.22 der 28 Millionen Einwohner des Jemen sind auf Hilfslieferungen angewiesen.
Schätzungsweise 5500 Zivilisten kamen bislang im Krieg ums Leben, Cholera und Diphtherie grassieren.22 der 28 Millionen Einwohner des Jemen sind auf Hilfslieferungen angewiesen.
Foto: AFP

Wer im Jemen Waffen benötige, gehe auf entsprechende Märkte, auf denen  „gewaltige Mengen an Kriegsgerät angeboten“ würden, heißt es in omanischen Sicherheitskreisen. Genügend Waffen sowie ausreichend Kat seien in der Geschichte des Jemen niemals ein Problem gewesen. Katastrophal sei dagegen die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln. Auch das Gesundheitssystem ist nach drei Kriegsjahren völlig zusammengebrochen, weil ein Drittel der 16500 registrierten saudischen Luftangriffe nicht militärische Ziele wie Krankenhäuser, Lebensmittellager und Märkte getroffen hätten, berichtet das internationale Netzwerk „Crises Action“. Verschärft  werde die Lage durch die Blockade des wichtigen Hafens al-Hodeida.

Wenige Wochen vor dem Beginn der Regenzeit müsse daher mit einem erneuten Ausbruch der Cholera gerechnet werden, warnen die Vereinten Nationen. Die Seuche, an der sich im vergangenen Jahr mehr als eine Million Menschen ansteckten und 3000 zum Opfer fielen, galt zwischenzeitlich als eingedämmt. Auch die Infektionskrankheit Diphterie breitet sich nach Erkenntnissen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weiter aus.

Wir, die Kinder im Jemen, kämpfen ums Überleben. Wenn wir schlafen gehen, hören wir Kampfjets und Schüsse. Wenn wir aufwachen, sehen wir Zerstörung."

Das Hilfsorganisation Oxfam warnt nun einmal mehr vor einer Hungersnot im Jemen, ohne Gehör zu finden. „Die größte humanitäre Krise der Welt“, so die Vereinten Nationen, findet im Westen kaum Beachtung, weil Jemeniten, im Gegensatz zu Syrern, Irakern oder Afghanen, ihr Land nicht verlassen und so auf ihre entsetzlichen Leiden aufmerksam machen können.

Auch die im Oman behandelten Jemeniten müssen nach einem Krankenhausaufenthalt wieder in ihr Land zurückkehren. Sie werden dann mit ausreichenden Medikamenten ausgestattet. Eine Rückkehr bei einer erneuten Erkrankung ist jederzeit möglich. Meistens reicht es, an der Grenze die Patientenakte des Sultan-Qabus-Hospital von Salalah oder anderer behandelnder Spitäler im Oman zu zeigen.


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