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Der Fall Maxwell erhöht Druck auf Prinz Andrew
International 4 Min. 31.12.2021
Vorwürfe gegen Sohn der Queen

Der Fall Maxwell erhöht Druck auf Prinz Andrew

Die Verurteilung von Ghislaine Maxwell sorgte auch in Großbritannien für große Schlagzeilen.
Vorwürfe gegen Sohn der Queen

Der Fall Maxwell erhöht Druck auf Prinz Andrew

Die Verurteilung von Ghislaine Maxwell sorgte auch in Großbritannien für große Schlagzeilen.
Foto: AFP
International 4 Min. 31.12.2021
Vorwürfe gegen Sohn der Queen

Der Fall Maxwell erhöht Druck auf Prinz Andrew

Nach dem Schuldspruch einer US-Jury gegen Jeffrey Epsteins Helferin Ghislaine Maxwell richten sich die Blicke nun auf einen Sohn der Queen.

(dpa) Wie das neue Jahr für Prinz Andrew laufen kann, entscheidet sich gleich zu Beginn. Am 4. Januar wollen seine Anwälte in New York vortragen, warum das Gericht die Schadenersatzklage der US-Amerikanerin Virginia Giuffre gegen den zweitältesten Sohn der Queen fallen lassen soll. Es geht um erzwungenen Sex und den Missbrauchsskandal um den verstorbenen US-Unternehmer Jeffrey Epstein. Auch wenn Andrew die Vorwürfe strikt zurückweist, hat der Fall seiner Reputation bereits enorm geschadet. Royals-Experten in London sehen den 61-Jährigen als Verlierer, selbst wenn er vor Gericht gewinnen sollte.

Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Foto der Justizbehörden aus dem Jahr 2019.
Der Sexualstraftäter Jeffrey Epstein auf einem Foto der Justizbehörden aus dem Jahr 2019.
Foto: AFP

„Unglücklicherweise für Andrew geht es nicht mehr so sehr um Beweise und Belege oder was, wenn überhaupt, mit Virginia Giuffre passiert ist“, zitierte die britische Zeitung „Daily Mail“ einen namentlich nicht genannten Beobachter des Königshauses. „Es geht nur um die öffentliche Wahrnehmung.“ Die Anwältin Lisa Bloom, die mehrere Epstein-Opfer vertritt, sagte dem Blatt: „Prinz Andrew sollte in seinen königlichen Stiefeln zittern.“

Prinz Andrew sollte in seinen königlichen Stiefeln zittern.  

Lisa Bloom, Anwältin mehrerer Opfer

Tatsächlich sieht es für Andrew nicht gut aus: Denn seine einstige Freundschaft mit dem mittlerweile gestorbenen Epstein sowie dessen Ex-Partnerin Ghislaine Maxwell, die am Mittwoch wegen Menschenhandels mit Minderjährigen zu Missbrauchszwecken schuldig gesprochen wurde, ist bekannt. Andrews Position habe sich wegen des Falls Maxwell weiter verschlechtert, seine Chancen seien schlecht, kommentierte die Zeitung „The Times“.

Anwälte wollen Prozess verhindern

„Jeder, der mit Jeffrey Epstein verbunden war, der beim sexuellen Missbrauch mitmachte oder ihm geholfen hat, indem er ihm Mädchen schickte (…), sollte sehr besorgt sein wegen dieses Urteils“, sagte Anwältin Bloom. Zwar würde Andrew gewiss nicht persönlich erscheinen, dennoch könnte ein Prozess im Herbst 2022 in New York beginnen, falls Richter Lewis Kaplan das Verfahren nicht doch noch stoppt.


(FILES) In this file photo taken on July 02, 2020 acting US Attorney for the Southern District of New York, Audrey Strauss, announces charges against Ghislaine Maxwell during a press conference in New York City. - US prosecutors on December 20, 2021, urged a New York jury to convict Ghislaine Maxwell of sex trafficking minors, stating in closing arguments that the British socialite was a "sophisticated predator who knew exactly what she was doing." Maxwell, 59, faces an effective life sentence if found guilty of six counts of recruiting and grooming young girls to be abused by late financier Jeffrey Epstein, her long-time companion. (Photo by Johannes EISELE / AFP)
Epsteins Freundin Maxwell war „raffinierte Sexualstraftäterin“
Schnell geht der Prozess um die Ex-Freundin von Millionär Jeffrey Epstein auf sein Ende zu. Laut Anklage soll sie auf Geld und Luxus aus gewesen sein.

Genau das ist das Ziel von Andrews Anwälten. Mit zwei Anträgen zweifeln sie die Zuständigkeit des Gerichts an. Klägerin Giuffre sei gar nicht wie angegeben im US-Staat Colorado wohnhaft, betonen sie, sondern lebe in Australien. Zudem hätten die angeblichen Taten nicht in New York stattgefunden. Schließlich beruhten Giuffres Anschuldigungen allein auf ihrer unbestätigten und nicht überprüfbaren Behauptung. Aus ihrer Sicht steht Wort gegen Wort. Ghislaine Maxwell schwieg im Prozess und konnte deshalb auch nicht zu Andrew befragt werden. Britische Medien spekulieren allerdings nun, sie könne doch noch auspacken, um eine mildere Haftstrafe zu erreichen.

Für Verwunderung sorgte zudem, dass der Fall Andrew so gut wie keine Rolle im Maxwell-Verfahren spielte. Virgina Giuffre wurde von der Anklage nicht als Zeugin geladen, ohne dass die Staatsanwaltschaft dies begründete. Maxwells Anwältin Laura Meninger behauptet, Ursache seien Zweifel an Giuffres Glaubwürdigkeit. „Also soll bewiesen werden, dass sie ein Opfer war, aber, ohne dass sie in den Zeugenstand kommt und aussagt“, sagte Meninger.

Der Duke of York, Prinz Andrew, ist das dritte Kind von Queen Elizabeth II. Der einstige Held aus dem Falkland-Krieg ist tief gefallen.
Der Duke of York, Prinz Andrew, ist das dritte Kind von Queen Elizabeth II. Der einstige Held aus dem Falkland-Krieg ist tief gefallen.
Foto: AFP

Doch der Fall ist emotional aufgeladen. Giuffres Anwälte schießen mit sehr intimen Fragen zurück. Andrew solle Beweise für seine Behauptung vorlegen, dass er gar nicht schwitzen könne, forderten sie nun. Hintergrund ist Giuffres Aussage, sie habe Andrew 2001 als 17-Jährige in einem Londoner Promi-Club kennengelernt. Dabei habe er stark geschwitzt. Später hätten Epstein und Maxwell sie zum Sex mit dem Prinzen gezwungen. Andrew sagte 2019 der BBC, weil er unter Beschuss im Falkland-Krieg 1982 eine Überdosis Adrenalin ausgeschüttet habe, sei er unfähig zu schwitzen.

Mit ihrem Schuldspruch gegen die Epstein-Vertraute Maxwell, die die Entscheidung anfechten will, hat erneut eine US-Jury vor allem auf Basis von Aussagen weiblicher Opfer und nicht aufgrund eindeutiger sachlicher Beweise entschieden – wie bereits im Prozess gegen den ehemaligen Filmmogul Harvey Weinstein im vergangenen Jahr.

Die royalen Pflichten ruhen

Das sind keine guten Nachrichten für Andrew, der sich seit Bekanntwerden der Vorwürfe in schlechtem Licht zeigt. In dem Interview mit der BBC Mitte November 2019, das als Befreiungsschlag gedacht war, redete sich der Queen-Sohn um Kopf und Kragen. Seitdem lässt er seine royalen Pflichten ruhen. Als Giuffres Anwälte im Herbst 2021 die Klage zustellen wollten, versteckte sich Andrew, damit er die Gerichtsunterlagen nicht annehmen musste, länger in der schottischen Residenz seiner Mutter, Schloss Balmoral. Nun sollen ihn technische Feinheiten retten.


Andrew soll Teil eines Netzwerks um den verstorbenen Jeffrey Epstein und dessen Freundin Ghislaine Maxwell gewesen sein.
Londoner Polizei ermittelt nicht gegen Prinz Andrew
Eine Frau wirft dem Sohn der Queen vor, sie als Minderjährige in London missbraucht zu haben. In London sieht man keinen Grund für Ermittlungen.

Doch den Kampf um die öffentliche Wahrnehmung dürfte Andrew verloren haben. Dafür sorgt - neben seinem tölpelhaften Auftreten - allein schon ein berühmtes Foto. Darauf: Andrew, den Arm um die Hüfte der jungen Virginia Giuffre, damals Virginia Roberts, gelegt. Daneben, ebenfalls in die Kamera lächelnd, Ghislaine Maxwell.

Das Verfahren droht, das Jubiläumsjahr von Queen Elizabeth II. zum 70. Jahrestag ihrer Thronbesteigung zu überschatten. Die Königin ist die einzige in der Royal Family, die zu Andrew hält, wie britische Medien berichten. Der mittlere Sohn gilt seit jeher als ihr Liebling.


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