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Der ewig Junggebliebene
International 5 Min. 29.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Zum 100. Geburtstag von JFK

Der ewig Junggebliebene

Politiker, Ehemann, Lebemann: Trotz unzähliger Gerüchte um Affären hielt Jackie Kennedy stets zu ihrem „Jack“.
Zum 100. Geburtstag von JFK

Der ewig Junggebliebene

Politiker, Ehemann, Lebemann: Trotz unzähliger Gerüchte um Affären hielt Jackie Kennedy stets zu ihrem „Jack“.
Foto: Reuters
International 5 Min. 29.05.2017 Aus unserem online-Archiv
Zum 100. Geburtstag von JFK

Der ewig Junggebliebene

John F. Kennedy wäre am Montag hundert Jahre alt geworden. Ein Anachronismus für eine Persönlichkeit, die auf ewig als junger, dynamischer Politiker in Erinnerung bleiben wird. Ein Leben geprägt von Krisen, Kriegen, Familie und Skandalen.

(ham) - Adel, Blaublütler, Monarchen – Begriffe, die in der amerikanischen Gesellschaft nie eine Rolle spielten. Gerne rühmen sich die USA mit Worten wie Freiheit, Unabhängigkeit und Demokratie. Aristokraten hatten in Washington nie den Hauch einer Chance. Mit einer Ausnahme: dem Polit-adel. Dabei gibt es kaum eine Familie, die dem politischen (und gesellschaftlichen) Treiben der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Stempel derart aufgedrückt hat, wie die Kennedys.

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte Patrick Kennedy aus Irland in die USA über. Auf der Flucht vor einer zerstörerischen Hungersnot, lernt der Bauer noch auf der Überfahrt seine spätere Frau Bridget kennen und setzt damit den Grundstein einer Dynastie, die mehr als ein Jahrhundert lang die politischen Geschicke der Vereinigten Staaten beeinflussen sollte. Bereits der Sohn, Patrick Kennedy, sollte als erster Politiker der Familie als Abgeordneter des Staates Massachusetts nach Washington ziehen. 

Die Kennedys: John (2.v.r.) und seine Geschwister. Sein ältester Bruder Joe Jr. sollte später in den Wirren des zweiten Weltkrieges sein Leben lassen.
Die Kennedys: John (2.v.r.) und seine Geschwister. Sein ältester Bruder Joe Jr. sollte später in den Wirren des zweiten Weltkrieges sein Leben lassen.
REUTERS

Doch war es dessen Spross, Joseph Patrick Kennedy, der als eigentlicher Clan-Begründer in die Geschichte eingehen sollte. Neun Kinder entsprangen seiner Heirat mit Rose Fitzgerald, der Tochter des legendären Bostoner Bürgermeisters, John Fitzgerald. Darunter John Fitzgerald Kennedy, der am 29. Mai 1917 in Brookline, Massachusetts, als zweites Kind der Familie das Licht der Welt erblickt.

Zynismus statt Optimismus

Hundert Jahre sind seit diesem Tag vergangen. Dabei würde das heutige Geburtstagskind seine Vereinigten Staaten nicht wieder erkennen. Der Optimismus der Fünfziger ist dem Zynismus der Millenials gewichen. In Washington regiert inzwischen ein Spross einer anderen, bekannten US-Dynastie. Die Unterschiede jedoch, könnten kaum gewaltiger sein. „Frage nicht, was dein Land für dich, sondern was du für dein Land tun kannst“, appelliert der 35. US-Präsident bei seiner Amtseinführung am 20. Januar 1961 an seine Landsleute. Trump hingegen interessiert genau das Gegenteil: Was können Land und Leute für mich tun ...

Mit seiner glamourösen Familie, angeführt von seiner First Lady Jackie, verbreitete Kennedy als jüngster Präsident der US-Geschichte regelrechte Aufbruchstimmung in einer Nation, die noch immer von den Folgen des zweiten Weltkrieges zehrte und sich im kalten Krieg mit den Sowjets aufrieb. In Vietnam tobte ein fürchterlicher Krieg und an der Heimatfront kamen die Exzesse gegenüber vermeintlichen Kommunisten einer regelrechten Hexenjagd gleich. Kennedy jedoch setzte auf Optimismus und Diplomatie. Nichts weniger als die „Freiheit der Menschen“ war sein Ziel. Und sie kauften es ihm ab, die Amerikaner und die Mitbürger in der ganzen Welt.

Großherzogin Charlotte wird 1963 von Präsident Kennedy im Weißen Haus empfangen. Im Hintergrund Staatsminister Pierre Werner und der stellvertretende US-Aussenminister George Ball.
Großherzogin Charlotte wird 1963 von Präsident Kennedy im Weißen Haus empfangen. Im Hintergrund Staatsminister Pierre Werner und der stellvertretende US-Aussenminister George Ball.
Foto: LW Archiv

Der smarte Politiker bediente sich vor allem seiner brillanten Rhetorik-Fertigkeiten, um seine Ideen zu verbreiten. „Ich bin ein Idealist ohne Illusionen“, soll er seiner späteren Frau bei einem Date gesagt haben. Eine Einschätzung, die ihn unsterblich machen sollte. Zitiert werden seine Reden noch heute. Appelle, die Risse kitteten, Hoffnung säten, Bevölkerungen einten. Kaum ein Präsident der jüngeren Geschichte wurde derart gefeiert, vor allem posthum. Was zum Teil an seinen politischen Fähigkeiten, zum Teil aber auch am Glamour-Faktor lag, den die Kennedys nach Washington brachten.

Und er wusste sich in Szene zu setzen. Dass Kennedy jung und schön war, seine Frau attraktiv, seien keine nebensächlichen Details gewesen, schrieb einst Pulitzer-Preisträger Norman Mailer, sondern wichtige politische Tatsachen. Amerika sei nun mal ein Land von Individualisten. Schon deshalb sei die Bevölkerung ständig auf der Suche nach einem Helden, der das Ruder herumreißen könnte. „Und Kennedy war ein Held, wie ihn Amerika brauchte, passend zu seiner Zeit“, so das Fazit.

Das Glamourpaar: John F. Kennedy und seine Frau Jackie zogen die Blicke auf sich, wo auch immer sie sich aufhielten.
Das Glamourpaar: John F. Kennedy und seine Frau Jackie zogen die Blicke auf sich, wo auch immer sie sich aufhielten.
AFP

Ein Held, an dem sich alle messen mussten, die nach Kennedy ins Weiße Haus zogen. Alle mussten sie den Vergleichen standhalten. Und die Latte liegt hoch: Seine politischen Fähigkeiten, sein Charme, die Aura der Kennedys, der Fluch, der auf der Familie lastet und nicht zuletzt die unzähligen Gerüchte und Skandale, die sich um die Kennedysprösslinge rankten … alle haben sie dazu geführt, dass JFK am 22. November 1963 zu einer Legende wurde – wenn auch einer tragischen.

Nach den Sternen greifen

Dabei lieben die Amerikaner nichts mehr als ihre Helden. Den Peace-Corps hatte er gegründet, eine ganze Nation wieder vereint, die Alliierten versöhnt und dem Kommunisten die Stirn geboten. Nach den Sternen hatte er gegriffen, die Amerikaner auf die Mondmissionen eingestimmt. Und alles das sollte ihn in Dallas zum tragischen Helden werden lassen, als sich Lee Harvey Oswalds Kugeln an jenem Tag im Herbst in seinen Schädel bohrten.

Mauern wollte er einreißen. Und steht damit im krassen Gegensatz zu Donald Trump. Wo Kennedy Hoffnung säte, beschwört Trump den Untergang der USA. Kennedy riss nicht nur seine Fans mit sich, sondern alle Amerikaner. Trump hingegen entzweit die Gesellschaft, reißt Gräben auf und befriedigt nur die eigenen Interessen. Der idealistische Aufbruch der Kennedy-Ära steht im Gegensatz zur selbstverliebten Politik eines Narzissen, der nur die eigenen Interessen verfolgt und die Präsidentschaft nutzt, die eigene Marke zu fördern.

Am 22. November 1963 wird Kennedy Opfer eines Anschlags. Er wird in Anwesenheit von seiner Frau Jackie und Texas-Gouverneur Connally bei einer Fahrt durch Dallas erschossen.
Am 22. November 1963 wird Kennedy Opfer eines Anschlags. Er wird in Anwesenheit von seiner Frau Jackie und Texas-Gouverneur Connally bei einer Fahrt durch Dallas erschossen.
REUTERS

What went wrong?

Die Frage muss demnach erlaubt sein, was in den USA schief gelaufen ist. Und bei näherer Betrachtung wird klar, dass auch ein John F. Kennedy an den eigenen Ansprüchen scheiterte. Seine politische Agenda geriet noch zu Lebzeiten ins Stocken. Die Überwindung der Rassentrennung, die Reformen der Steuer und Einwanderung konnten erst nach seinem Ableben unter dem Nachfolger Lyndon B. Johnson fruchten. Und auch außenpolitisch überwiegen die Misserfolge, wie z. B. die gescheiterte Invasion in der Schweinebucht.

All diese Defizite machte er mit seinem jugendlichen Charme wieder wett. Großzügig sah das Volk über die Verfehlungen hinweg. Vergessen sind die Unzulänglichkeiten, ungebrochen die Heldenverehrung. Es lebt der Kennedy-Mythos.

Sein Grab im Arlington National Cemetery ist heute noch eine Pilgerstätte für Millionen Besucher.
Sein Grab im Arlington National Cemetery ist heute noch eine Pilgerstätte für Millionen Besucher.
AFP

Dabei zeigt der 100. Geburtstag von John F. Kennedy vor allem, wie tief die Gräben inzwischen geworden sind. Die US-Bevölkerung ist zerstritten und die Alliierten fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Die Wirtschaft gerät aus den Fugen, es grassiert der Fremdenhass. Währenddessen wird der Klassenfeind von damals mit allen Ehren im Oval Office empfangen. JFK würde sich im Grabe umdrehen ...

Das Kennedy Center in Washington DC ist nur eins von unzähligen Bauwerken, die den Namen des berühmten Präsidenten tragen.
Das Kennedy Center in Washington DC ist nur eins von unzähligen Bauwerken, die den Namen des berühmten Präsidenten tragen.
AFP

Die Kennedys: Zwischen Triumph und Tragik

Wie kaum eine andere Familie in der Geschichte der USA verkörpert der Kennedy-Clan Einfluss und Macht. Die Nachkommen des Geschäftsmannes Joseph Kennedy (1888-1969) besetzten höchste Ämter. Sieht man von einer kurzen Unterbrechung ab, war von 1947 bis 2011 und von 2013 bis heute immer mindestens ein Kennedy Präsident, Senator oder Abgeordneter im Repräsentantenhaus. Doch lagen Aufstieg und Fall bei den Kennedys stets eng zusammen. Das Attentat auf John F. Kennedy 1963 ist weltbekannt, ebenso die Ermordung seines Bruders Robert, als dieser sich 1968 für das Präsidentenamt bewarb.

Zwei weitere Geschwister und ein Sohn starben bei Flugzeugunglücken, Johns Bruder Edward überlebte einen Absturz nur knapp. Bei einem späteren Autounfall starb Edwards Beifahrerin, er selbst konnte sich retten. Die Vielzahl der Schicksalsschläge führte dazu, dass Biografen vom „Kennedy-Fluch“ sprechen

Nur eines der vier Kinder von John F. Kennedy und seiner Frau Jacqueline (Jackie) Kennedy lebt heute noch: die im Jahre 1957 geborene Caroline Kennedy. Bis Januar 2017 war sie Botschafterin ihres Landes im fernöstlichen Japan.


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