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Der beliebte Stadtwald der Berliner brennt
International 3 Min. 04.08.2022
Berliner Grunewald

Der beliebte Stadtwald der Berliner brennt

Schwarzer Rauch steht über Berlin – von Berlin-Kreuzberg aus fotografiert.
Berliner Grunewald

Der beliebte Stadtwald der Berliner brennt

Schwarzer Rauch steht über Berlin – von Berlin-Kreuzberg aus fotografiert.
Foto: dpa
International 3 Min. 04.08.2022
Berliner Grunewald

Der beliebte Stadtwald der Berliner brennt

In Berlin haben Explosionen mitten im beliebten Grunewald für einen riesigen Brand gesorgt. Lagernde Munition macht die Lage kompliziert.

(dpa) Im Morgengrauen sind im Südwesten der deutschen Hauptstadt Detonationen zu hören. Als um 3.30 Uhr der Alarm bei der Feuerwehr eingeht, vermuten die Einsatzkräfte noch nicht, dass ein Feuer auf und um den Sprengplatz im beliebten Ausflugsgebiet Grunewald lodert – und es sich in den knochentrockenen Wald ausbreitet. Dieser Einsatz könne lebensgefährlich sein, sagte ein Feuerwehrsprecher. Auf dem Sprengplatz der Berliner Polizei lagert Munition, die Experten dort normalerweise unschädlich machen.


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Das stellt die Feuerwehr vor große Probleme. Wegen der Gefahr weiterer Explosionen kamen die Einsatzkräfte nicht an den Sprengplatz heran. Die Feuerwehr zog einen Sperrkreis von rund 1.000 Metern um den Brandort. Auch am Donnerstagnachmittag konnten die Einsatzkräfte wegen der Gefahr noch nicht in diesem Bereich löschen, wie Landesbranddirektor Karsten Homrighausen sagte. Wenn Brände sich über den Sicherheitsbereich auszuweiten drohten, könne ihnen aber begegnet werden.

Noch Stunden nach dem Ausbruch des Brandes waren weiter Knallgeräusche aus der Richtung des Sprengplatzes zu hören. Was der ursprüngliche Auslöser war und ob es in der Nacht zuerst brannte oder zu Explosionen kam, war am Nachmittag noch unklar. Das Feuer brannte am Vormittag auf einer Fläche von etwa 1,5 Hektar. Das entspricht gut zwei Fußballfeldern.

Belastung für die Einsatzkräfte

Der Brand werde die Einsatzkräfte möglicherweise noch die nächsten Tage beschäftigen, sagte Feuerwehrsprecher Thomas Kirstein. Er verwies zudem auf die Gluthitze, die belastend sei für die Kräfte von Feuerwehr und Polizei, die häufiger ausgewechselt werden müssen. „Aber wir werden das Feuer löschen“, sagte er.

Zunächst stellte sich die Berliner Feuerwehr aber auf ein weiteres Ausweiten des Brandes ein: „Wir haben feststellen müssen, dass das Feuer im Sperrkreis weitergelaufen ist“, sagte Kirstein am Nachmittag. Das Feuer laufe in Richtung der Stadtautobahn Avus.

Feuerwehrfahrzeuge stehen am Kronprinzessinnenweg in Berlin.
Feuerwehrfahrzeuge stehen am Kronprinzessinnenweg in Berlin.
Foto: dpa

Löschhubschrauber der Bundeswehr standen nach Angaben der Berliner Feuerwehr auch wegen des andauernden Waldbrands in Sachsen nicht zur Verfügung. Brigadegeneral Uchtmann sagte, ein Einsatz über dem munitionsbelasteten Gebiet sei derzeit auch nicht sinnvoll: Der Helikopter müsste so hoch fliegen, dass er dann aus der Luft nicht gut ausreichend löschen könne.

Am Sprengplatz im Grunewald lagerten rund 25 Tonnen unter anderem an Feuerwerkskörpern oder Weltkriegsmunition.  

Am Sprengplatz im Grunewald lagerten nach Angaben der Polizei rund 25 Tonnen unter anderem an Feuerwerkskörpern oder Weltkriegsmunition. Wie der Sprecher der Berliner Polizei, Thilo Cablitz, sagte, ist der Platz acht Hektar groß und entstand 1950. Zweimal im Jahr werden dort jeweils für mehrere Tage kontrollierte Sprengungen angesetzt.

Die Polizei schrieb auf Twitter, in Berlin seien keine alternativen Nutzungsflächen vorhanden beziehungsweise nicht genehmigungsfähig. Das Gelände sei mit Brandmeldeanlagen ausgestattet, verfüge über eine mehrere Meter breite Brandschutzschneise und sehe eine Dauerberegnung der gelagerten Kampfmittel vor. Berlins regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey kündigte an, über den Standort des Sprengplatzes reden zu wollen.

Gähnende Leere auf der Autobahn

Die nächsten Wohngebäude seien mindestens zwei Kilometer entfernt, hieß es am Morgen von der Feuerwehr. Rings um den Sicherheitsradius von rund 1.000 Metern wurde eine Wasserversorgung hergestellt, erklärte ein Feuerwehrsprecher. Sollten sich die Flammen diesen Bereichen annähern, könnten sie schnell bekämpft werden. Zudem wurden die angrenzenden Waldgebiete bewässert, um ein Ausbreiten der Flammen zu erschweren. Verletzte habe es bislang nicht gegeben. 


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Das Wetter dürfte den Einsatzkräften bei der Bekämpfung des Brandes zunächst nur ein wenig helfen. Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) bleibt es am Donnerstag und in der Nacht zum Freitag in der Region durchweg trocken, allerdings gibt es auch keine signifikanten Winde, die das Feuer weiter anfachen könnten. Für Freitagnachmittag seien hingegen Schauer und Gewitter vorhergesagt. „Da kann auch Starkregen dabei sein“, sagte ein DWD-Sprecher. Die Niederschlagsmenge könne der Feuerwehr dann beim Löschen helfen.

Die Feuerwehr warnte die Bevölkerung dringend davor, den Wald zu betreten. Das Gebiet ist großräumig abgesperrt. Polizisten stoppten etliche Radfahrer, die durch den Wald, teils zum Wannsee wollten. Auf der Autobahn Avus, wo sich sonst im Berufsverkehr normalerweise Wagen an Wagen reiht, herrschte gähnende Leere. 

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