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Davos: Trump fordert Optimismus
International 1 6 Min. 21.01.2020

Davos: Trump fordert Optimismus

Davos: Trump fordert Optimismus

AFP
International 1 6 Min. 21.01.2020

Davos: Trump fordert Optimismus

Am Schauplatz des Romans „Der Zauberberg“ treffen sich in dieser Woche wieder Spitzenpolitiker, Topmanager und Gesellschaftsvertreter. US-Präsident Donald Trump tritt am Dienstag in den Schweizer Alpen auf.

(dpa) -  US-Präsident Donald Trump hat trotz der anstehenden weltweiten Herausforderungen eine positivere Einstellung von Politik und Wirtschaft verlangt. Angst und Zweifel seien nicht gut, man sollte optimistischer nach vorne schauen, sagte Trump am Dienstag zur Eröffnung der 50. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, ohne das Wort Klimawandel in den Mund zu nehmen. Es gebe ja immer Schwarzseher, die sehen wollten, wie man scheitere. Es dürfe aber nicht zuviel Skepsis geben. Die USA hätten Wachstum, Kreativität und die Bereitschaft, jeder Herausforderung zu begegnen.  

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Trump lobte ausdrücklich ie Beziehungen zu China nach Abschluss eines ersten Handelsdeals gelobt. „Unsere Beziehungen zu China sind besser als je zuvor“, sagte er. „Er ist für China, ich bin für die Vereinigten Staaten. Aber ansonsten lieben wir uns“, sagte Trump mit Blick auf Chinas Präsident Xi Jinping, den er als einen guten Freund bezeichnete.

Die von ihm geschlossenen Handelsdeals unter anderem mit China seien ein Vorbild für den Handel im 21. Jahrhundert, sagte Trump. Er stellte zudem weitere bilaterale Handelsabkommen in Aussicht, etwa mit dem Vereinigten Königreich nach dem Austritt aus der Europäischen Union.

Insbesondere mit China, aber auch mit den nordamerikanischen Freihandelspartnern Mexiko und Kanada, hatte der 45. US-Präsident einen Handelskrieg vom Zaun gebrochen, der die Weltwirtschaft belastet und für Unsicherheit gesorgt hatte. Vergangene Woche hatten die USA ein lange verhandeltes erstes Abkommen mit Peking für neue Bedingungen im Handel geschlossen.

Trump war am Dienstagmorgen am Flughafen von Zürich gelandet. Von dort flog der US-Präsident bei bestem Wetter per Hubschrauber in das etwa 150 Kilometer entfernte Alpendorf Davos weiter. Per Fahrzeugkolonne ging es von dort zunächst ins Hotel. Am späten Vormittag stand Trump dann auf der Bühne. 

Trump wollte in Davos unter anderem auch Iraks Staatschef Barham Salih treffen. Das Verhältnis zwischen den USA und dem Irak ist angespannt, seit US-Kräfte bei einem Luftangriff in Bagdad im Januar Irans Top-General Ghassem Soleimani getötet haben. Das irakische Parlament verlangte den Abzug der rund 5000 US-Soldaten im Land.

Auch ein Treffen Trumps mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen war geplant. Dabei dürfte es um den Handelskonflikt zwischen der Europäischen Union und den USA gehen. Trump hat mit Strafzöllen auf Autoimporte aus der EU gedroht.

Worum es in Davos geht

Donald Trump, Ursula von der Leyen sowie Kanzlerin Angela Merkel und Klimaaktivistin Greta Thunberg - das sind die wohl prominentesten von etwa 3.000 Teilnehmern an der 50. Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos. Von diesem Dienstag an treffen sich wieder Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in dem kleinen Alpenort in der Schweiz. Vier Tage lang wird getagt, beraten, diskutiert, mal öffentlich und oft hinter verschlossenen Türen. Doch wie läuft das Treffen ab - und was ist zu erwarten? Ein Überblick.

US-Präsident Donald Trump reiste am Montagabend (Ortszeit) von Washington nach Davos.
US-Präsident Donald Trump reiste am Montagabend (Ortszeit) von Washington nach Davos.
Foto: AFP/Nicholas Kamm

Warum?

Das WEF wurde 1971 im Alleingang vom Wirtschaftsprofessor Klaus Schwab, geboren in Ravensburg, ins Leben gerufen. Zuerst hieß das Treffen European Management Forum. „Ich wollte eine Plattform gründen, wo Firmenchefs ihre Stakeholder treffen können“, sagte Schwab jüngst der „Neuen Zürcher Zeitung“. Das Stakeholder-Prinzip steht für Schwab im Zentrum. Es bedeutet, dass sich Konzerne nicht nur darum kümmern sollen, möglichst viel Geld zu verdienen. Sie sollen dabei stets auch die Interessen ihrer Mitarbeiter sowie der Gesellschaft im Allgemeinen im Blick behalten. Letztlich sollen alle Interessensgruppen von den möglichst nachhaltigen Entscheidungen profitieren. Das Ziel des WEF klingt pathetisch-optimistisch: „Den Zustand der Welt verbessern“. Doch Schwab betont: „Man muss doch ein ideelles Ziel haben, eine Vision!“

Wie?

In verschiedenen Konstellationen debattieren Firmenchefs, Politiker, Ökonomen und Notenbanker, aber auch Vertreter von Nichtregierungsorganisationen. „Stakeholder für eine solidarische und nachhaltige Welt“ lautet in diesem Jahr das Motto. Insgesamt hat das WEF sieben Themenblöcke vorgesehen, im Zentrum dürften aber vor allem zwei stehen: Geopolitik und Klima. Bis Freitag können über einen Livestream 224 Reden und Diskussionsrunden verfolgt werden. Zudem bietet die Tagung Spitzenpolitikern und Topmanagern die Möglichkeit, abseits der Kameras ins Gespräch zu kommen. Es wird erwartet, dass hinter verschlossenen Türen wieder jede Menge bilaterale Treffen anstehen, ein „Speed-Dating“ für Politiker.

Wo? 

Davos mit seinen gut 11.000 Einwohnern liegt im Schweizer Kanton Graubünden und ist vor allem wegen seiner vielen Skipisten beliebt. Zu Berühmtheit verhalf dem Ort der Schriftsteller Thomas Mann (1875-1955) mit seinem 1924 erschienenen Roman „Der Zauberberg“. Dass die WEF-Jahrestagung seit 1971 in Davos stattfindet, hat teilweise mit der Biografie von Klaus Schwab zu tun: Er lernte hier Skifahren. Außerdem war seine Mutter Schweizerin und sprach mit ihm Schweizerdeutsch. Ausschlaggebend waren aber logistische Gründe: So wurde in Davos kurz vor dem ersten Treffen ein neues Kongresszentrum eröffnet, es gab genügend Hotelbetten. „Davos verfügte über alle Voraussetzungen, um eine produktive Arbeitsklausur für Top-CEOs abzuhalten“, betont das WEF selbst in einem Rückblick.

Wer?

Bereits kurz nach der ersten Tagung lud Schwab auch Politiker nach Davos. Als Kritik aufkam, das Treffen diene nur den Reichen und Mächtigen, erweiterte das WEF die Teilnehmerliste erneut - nun kommen auch viele Vertreter internationaler Organisationen und Globalisierungskritiker. Das größte Interesse rufen aber weiterhin die Spitzenpolitiker hervor, in diesem Jahr unter anderen US-Präsident Trump, die deutsche Kanzlerin Merkel, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Greta Thunberg steht in den Schweizer Alpen abermals im Rampenlicht.
Greta Thunberg steht in den Schweizer Alpen abermals im Rampenlicht.
Foto: AFP/Stefan Wermuth

Die Schau stehlen könnte ihnen die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg, die seit der Vorjahrestagung international im Rampenlicht steht. Aufmerksamkeit wird auch dem britischen Thronfolger Prinz Charles gewiss sein, der sich zu Umweltthemen äußern will. Hinzu kommen zahlreiche Topmanager, aus Deutschland sind unter anderem Post-Chef Frank Appel, Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und der VW-Vorstandsvorsitzende Herbert Diess dabei. Frauen machen rund ein Viertel (24 Prozent) der Teilnehmer aus. Etwa 120 Anwesende - rund 4 Prozent - sind nach Schätzungen der Finanznachrichtenagentur Bloomberg Milliardäre.


Es sind zum allergrößten Teil Frauen, an denen die unbezahlte Hausarbeit hängen bleibt.
Oxfam: Unbezahlte Frauenarbeit verschärft soziale Ungleichheit
Der Gegenwert unbezahlter Arbeit durch Frauen beträgt laut der Hilfsorganisation Oxfam über elf Billionen US-Dollar pro Jahr. Das soll sich ändern.

Wer nicht?

Einige Top-Politiker fehlen in Davos. Der französische Präsident Emmanuel Macron wirbt kurz vor dem Beginn des Treffens lieber auf einem eigenen Wirtschaftsforum für den Standort Frankreich. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson verzichtet kurz vor dem Brexit am 31. Januar auf die Reise, auch seinen Ministern strich er den Ausflug in die Schweizer Berge. Kremlchef Wladimir Putin fehlt, ebenso wie Brasiliens rechtsradikaler Präsident Jair Bolsonaro. Diskussionen über die explosive Lage im Nahen Osten soll es geben – so reisen der irakische Präsident Barham Salih und mehrere saudische Minister an -, dabei fehlen aber Vertreter des Irans. Außenminister Mohammed Dschawad Sarif sagte seine geplante Teilnahme kurzfristig ab.

Was kommt dabei heraus?

Kritiker bemängeln, dass hehren Worten in Davos oft keine Taten folgen würden. Der Chef der US-Großbank JPMorgan spottete einst, das Forum sei ein Ort, „wo Milliardäre Millionären erzählen, was die Mittelklasse fühlt.“ Doch das WEF betont, dass bereits zahlreiche Initiativen angestoßen worden seien, etwa zur Armutsbekämpfung sowie für die Rechte von Frauen oder Homosexuellen. Für 2020 sind zwei konkrete Projekte geplant: Bis 2030 sollen eine Milliarde Menschen fit für neue Jobs gemacht werden, die mit der Digitalisierung entstehen.

Und im selben Zeitraum sollen eine Billion Bäume gepflanzt werden. Den Klimaschützern um Greta Thunberg reicht das nicht; sie fordern, dass sich die Teilnehmer verpflichten sollen, nicht mehr in fossile Energien zu investieren. „Ich erwarte, dass von Davos ein Zeichen ausgeht, dass es nicht nur unverbindliche Partnerschaften gibt, sondern eine klare Unterstützung für eine Dekarbonisierung“, betont Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan.

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