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Das Morgenland macht dicht
International 17.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Das Morgenland macht dicht

Selbst in Irans heiliger Stadt Ghom kommen nur noch wenige Menschen zum Beten zusammen.

Das Morgenland macht dicht

Selbst in Irans heiliger Stadt Ghom kommen nur noch wenige Menschen zum Beten zusammen.
Foto: AFP
International 17.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Das Morgenland macht dicht

Michael WRASE
Michael WRASE
Zur Bekämpfung des Corona-Virus werden fast alle Flughäfen im Mittleren Osten geschlossen – Iran befürchtet 3,5 Millionen Tote

Von LW-Korrespondent Michael Wrase in Beirut

Das hatte es zuletzt während des Sechs-Tage-Krieges von 1967 gegeben: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus wurden oder werden fast alle Flughäfen im Nahen – und Mittleren Osten geschlossen. Nachdem sich in der letzten Woche bereits Saudi-Arabien und Kuwait von der Außenwelt abgeschottet hatten, folgten am Dienstag und Mittwoch Beirut, Kairo, Damaskus und Bagdad. Erst Ende des Monats soll der Flugbetrieb wieder aufgenommen werden.

 Überdies hatten die libanesische und irakische Regierung landesweite Ausgangssperren verhängt, die von der Bevölkerung allerding ignoriert wurden. Spaziergänger und Jogger waren bei Sonnenschein auf der Beiruter Corniche unterwegs. In die offiziell geschlossenen Schischa-Bars von Bagdad kamen die Besucher mit Mundschutz.

Schwere Wirtschaftskrise  

Der Libanon und der Irak befinden sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die sich nach der vom Staat verordneten Schließung von Geschäften, Restaurants und Cafés weiter verschärfen wird. In beiden Ländern wurden bisher rund 110 Infektionen mit Sars-CoV-2 registriert, jeweils drei Menschen starben.

Polizist in Bassorah. Der Irak befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die sich nach der Schließung von Geschäften, Restaurants und Cafés weiter verschärfen wird.
Polizist in Bassorah. Der Irak befindet sich in einer schweren Wirtschaftskrise, die sich nach der Schließung von Geschäften, Restaurants und Cafés weiter verschärfen wird.
Foto: AFP

 Im iranischen Staatsfernsehen äu ß erste unterdessen ein Arzt die Befürchtung, dass bis zu 3.5 Millionen Menschen der Seuche zum Opfer fallen könnten, falls die Bevölkerung die mittlerweile strikten Regierungsmaßnahmen zur Eindämmung und Bekämpfung des Corona-Virus ignorieren sollte. Bei einer Befolgung der Vorschriften müsse mit 120 000 Infektionen und 20 000 Toten gerechnet werden, erklärte Afruz Eslami im Staatsfernsehen. 

Das iranische Gesundheitsministerium hat gestern 1178 Neuinfektionen gemeldet. Die Gesamtzahl der Infizierten stieg damit auf 16 169, die der Toten um 135 auf 988.  

  Unvernünftig   

 Wie unvernünftig zumindest Teile der Bevölkerung im Iran weiterhin sind, zeigte sich gestern in Ghom und Mashhad. Radikale Schiiten versuchten die letzte Woche geschlossenen religiösen Schreine in den beiden heiligen Stätten zu stürmen.


An elderly man and a woman, wearing a protective mask, walk along a street in Iran's capital Tehran on March 15, 2020. - Iran on March 15 announced that the new coronavirus has killed 113 more people, the highest single-day death toll yet in one of the world's worst-affected countries. (Photo by STRINGER / AFP)
Iran bereitet sich auf hohe Corona-Opferzahlen vor
Lange wurde das Corona-Virus vertuscht. Jetzt ist das wahre Ausmaß der Corona-Pandemie in der Islamischen Republik nicht mehr zu leugnen. Das Regime lässt vorsichtshalber Gräber ausheben.

 Von den Heiligtümern aus, welche von den Gläubigen in der Regel innig abgeküsst werden, hatte sich das Corona-Virus nicht nur im Iran rasant verbreitet. Schiitische Pilger aus dem Libanon, Irak, Kuwait, Katar, Afghanistan und Saudi-Arabien schleppten Covid 19 auch in ihre Heimatländer ein.

 


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