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Cummings: „Ich bedaure nichts“
International 3 Min. 25.05.2020

Cummings: „Ich bedaure nichts“

Demonstranten forderten den Rücktritt von Dominic Cummings.

Cummings: „Ich bedaure nichts“

Demonstranten forderten den Rücktritt von Dominic Cummings.
AFP
International 3 Min. 25.05.2020

Cummings: „Ich bedaure nichts“

Rücktritt? Das kommt für den britischen Chefberater Dominic Cummings nicht infrage. Er weist Kritik an seinem Handeln während der Pandemie zurück. Damit bleibt er die rechte Hand von Premier Boris Johnson.

(dpa) - Bizarrer Auftritt in der Downing Street: Der britische Regierungsberater Dominic Cummings lehnt trotz der massiven Kritik an seiner Reise zu Verwandten in der Corona-Krise seinen Rücktritt ab. „Ich habe nicht angeboten, zurückzutreten. Ich habe das nicht in Erwägung gezogen“, sagte Cummings am Montag im Rosengarten des Regierungssitzes in London. „Ich bedaure nicht, was ich getan habe.“ Ihm war vorgeworfen worden, gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen und somit andere Menschen gefährdet zu haben.


TOPSHOT - A handout image released by 10 Downing Street, shows Britain's Prime Minister Boris Johnson speaking during a remote press conference to update the nation on the COVID-19 pandemic, inside 10 Downing Street in central London on May 24, 2020. - British Prime Minister Boris Johnson on Sunday backed top aide Dominic Cummings despite mounting pressure from within his own party to sack him over claims he broke coronavirus lockdown regulations. "He has acted responsibly and legally and with integrity," Johnson said of Cummings, who is accused of flouting self-isolation rules by driving across the country with his wife after she contracted the disease. (Photo by Andrew PARSONS / 10 Downing Street / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / 10 DOWNING STREET / Andrew Parsons " - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
Cummings-Affäre: Boris Johnson im Kreuzfeuer
Der britische Premierminister will die Affäre um die angeblichen Lockdown-Verstöße seines Chefberaters möglichst schnell vom Tisch haben. Doch die Wogen sind noch längst nicht geglättet.

Cummings ist der zweitmächtigste Mann nach Premier Boris Johnson in Großbritannien. Der 48-Jährige gilt als hochintelligenter Wahlkampfstratege, aber auch als unberechenbar. Er begann seinen Auftritt mit etwa halbstündiger Verspätung, erschien mit hochgekrempelten Hemdsärmeln und rief Journalisten ein lockeres „Hi there!“ (Hallo) zu. Ein Auftritt im Rosengarten ist ungewöhnlich. Es war damit gerechnet worden, dass Cummings zurücktritt.

Er habe nur einmal Ende März seine Eltern mit seiner Familie besucht, sagte der Strippenzieher in der Downing Street. Britische Zeitungen hatten hingegen berichtet, dass Cummings mehrfach während der Pandemie von London ins rund 430 Kilometer entfernte Durham zu seinen Verwandten gefahren war. Er habe den Umständen entsprechend „vernünftig und angemessen“ gehandelt, sagte Cummings.


23.05.2020, Großbritannien, London: Dominic Cummings, Hauptberater des britischen Premierministers Johnson, verlässt sein Haus. Trotz des Lockdowns soll Cummings mehr als 400 Kilometer zu seinen Eltern gereist sein, als er an Covid-19-Symptomen litt. Nun wächst der Druck auf Premierminister Johnson, ihn zu entlassen. Foto: Aaron Chown/PA Wire/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Rufe nach Rauswurf von Johnson-Berater
Dominic Cummings soll die Regeln des Lockdowns missachtet haben. Er soll trotz Covid-19-Symptomen seine Eltern besucht haben.

Der Berater hatte als Grund für eine Reise Ende März zu seinen Eltern angegeben, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vierjährigen Sohnes sicherzustellen. Er habe für die Betreuung sorgen wollen, weil seine Frau an Covid-19 erkrankt gewesen sei und er selbst mit einer Ansteckung habe rechnen müssen. Er sprach von einer „komplizierten Situation“. Johnson habe er erst später darüber informiert. Am 13. April sei die Familie wieder in London gewesen.

Cummings räumte auch ein, von Durnham aus mit seiner Frau am Ostersonntag zum etwa 50 Kilometer entfernten Schloss Barnard mit dem Auto gefahren zu sein - aber nur, um sein Augenlicht nach der Erholung von seiner Infektion zu testen. Er habe die Sehenswürdigkeit nicht besichtigt. Britische Medien hatten zuvor berichtet, dass ein Augenzeuge Cummings am Schloss gesehen und ihn angezeigt habe. Mehr Besuche habe es nicht gegeben, so Cummings. Britische Zeitungen hatten noch von einem weiteren Aufenthalt in Durham berichtet.

Cummings' Auftritt werteten viele Kritiker als überheblich und selbstherrlich, während vor allem Regierungsmitglieder lobten, dass er nun Klarheit im Ablauf der Geschehnisse gebracht habe.


HANDOUT - 25.03.2020, Großbritannien, London: Professor Neil Ferguson, Epidemiologe vom Imperial College London, spricht während einer Videokonferenz vor dem Wissenschafts- und Technologieausschuss des britischen Unterhauses (bestmögliche Qualität). Foto: House Of Commons/PA Media/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Techtelmechtel statt Distanz: Der renommierte Forscher Neil Ferguson hat für die Sicherheit der Briten während der Pandemie gekämpft - und dann selbst gegen die Regeln verstoßen.

Johnson hatte sich zwar noch am Sonntag hinter seinen Berater gestellt, war dadurch aber selbst massiv in die Kritik geraten. Etwa 20 Parlamentarier seiner Konservativen Partei, die Opposition, Geistliche, Ärzte und andere Kritiker hatten den Rücktritt von Cummings gefordert. Sie fürchteten, er könnte das Vertrauen in die Regierung irreparabel beschädigt haben. Die Kritiker warnten auch vor einem Anstieg der Infektionen, weil Schutzmaßnahmen angesichts solcher Vorkommnisse nicht mehr ernst genommen werden könnten. Großbritannien hat die meisten Corona-Todesfälle in Europa.

Cummings sei „den Instinkten eines jeden Vaters gefolgt“, sagte Johnson am Sonntag. Dafür könne er ihn nicht an den Pranger stellen. Nach den Worten Johnsons hat sein Chefberater „in jeder Hinsicht verantwortlich, legal und mit Integrität“ gehandelt. Nach den Richtlinien der Regierung waren damals Reisen nur aus zwingenden Gründen erlaubt. Der ehemalige Polizeichef der Grafschaft Durham, Mike Barton, hatte dem Sender BBC gesagt: „Lasst uns nicht um den heißen Brei reden, er hat die Regeln gebrochen, das ist sehr klar.“

In Johnsons eigener Konservativen Partei war der Rückhalt für Cummings gebröckelt. Der frühere Staatssekretär Paul Maynard nannte das Verhalten des Chefberaters „völlig unhaltbar“. Der Abgeordnete David Warburton sagte der BBC am Montag, Cummings „schädigt die Regierung und das Land“. Kirchenvertreter griffen direkt Johnson an: Der Premierminister behandle die Menschen „wie Trottel“ und „ohne Respekt“, twitterte der Bischof von Leeds, Nicholas Baines.

Erst Anfang Mai hatte der renommierte Wissenschaftler Neil Ferguson vom Imperial College seinen Posten als Regierungsberater aufgeben müssen, weil er während des Lockdowns Besuch von seiner Freundin erhielt. Auch die oberste medizinische Beraterin der schottischen Regierung, Catherine Calderwood, hatte sich über die eigenen Regeln hinweggesetzt und deswegen ihren Hut nehmen müssen.


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(FILES) In this file photo taken on December 13, 2019 Britain's Prime Minister and Conservative Party leader Boris Johnson arrives at 10 Downing Street in central London, following an audience with Britain's Queen Elizabeth II at Buckingham Palace, where she invited him to become Prime Minister and form a new government. - Britain's Prime Minister Johnson returned to Downing Street on April 26, 2020, after staying at his country residence Chequers, where he has been recuperating since his release from hospital on April 12, due to being diagnose with COVID-19. (Photo by Ben STANSALL / AFP)