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Cummings-Affäre: Boris Johnson im Kreuzfeuer
International 2 3 Min. 25.05.2020

Cummings-Affäre: Boris Johnson im Kreuzfeuer

Dominic Cummings verlässt die Downing Street am Sonntag nach einem Gespräch mit Premierminister Johnson.

Cummings-Affäre: Boris Johnson im Kreuzfeuer

Dominic Cummings verlässt die Downing Street am Sonntag nach einem Gespräch mit Premierminister Johnson.
Foto: AFP
International 2 3 Min. 25.05.2020

Cummings-Affäre: Boris Johnson im Kreuzfeuer

Der britische Premierminister will die Affäre um die angeblichen Lockdown-Verstöße seines Chefberaters möglichst schnell vom Tisch haben. Doch die Wogen sind noch längst nicht geglättet.

(dpa) - Der britische Premierminister Boris Johnson ist nach dem demonstrativen Eintreten für seinen in die Kritik geratenen Chefberater Dominic Cummings selbst unter Beschuss geraten. Johnson hatte am Sonntag versucht, einen Strich unter die Affäre wegen angeblicher Lockdown-Verstöße zu ziehen und seinen Berater von jeglichem Fehlverhalten freigesprochen.

Cummings wird vorgeworfen, mit einer Reise von London zu Familienangehörigen ins rund 430 Kilometer entfernte Durham Ende März gegen die Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie verstoßen zu haben. Der Berater gab an, er habe keine andere Möglichkeit gehabt, die Betreuung seines vier Jahre alten Sohns sicherzustellen. Johnson ließ das als legitimen Grund gelten, um die damals geltenden strengen Ausgangsbeschränkungen zu umgehen und wies Forderungen nach einem Rauswurf Cummings' zurück.

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Doch Kritiker fürchten, die Glaubwürdigkeit der Regierung könne durch die großzügige Auslegung der Lockdown-Regeln für den Regierungsberater ernsthaften Schaden genommen haben. Mehrere Experten, die nach eigenen Angaben die Regierung bisher beraten hatten, äußerten sich besorgt. Innerhalb von ein paar Minuten habe Johnson „alle Ratschläge, wie man Vertrauen aufbaut und das Einhalten der Maßnahmen sicherstellt, die für die Kontrolle von Covid-19 notwendig sind, in die Tonne getreten“, twitterte beispielsweise der Psychologe Stephen Reicher von der St.-Andrews-Universität in Schottland.

Kritik auch aus den eigenen Reihen

Premierminister Johnson hat mit seiner Rückendeckung für Chefberater Dominic Cummings einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: Mehr als ein Dutzend Parlamentarier aus Johnsons Konservativer Partei, die Opposition, Geistliche und Ärzte forderten den Rücktritt Cummings', weil er gegen Ausgangsbeschränkungen verstoßen haben soll.

Der Premierminister behandle die Menschen „wie Trottel“ und „ohne Respekt“, twitterte der Bischof von Leeds, Nicholas Baines. Außer ihm kritisierten noch viele andere Vertreter der Kirche von England das Verhalten Johnsons und seines Beraters. Auch in der Tory-Partei bröckelt die Unterstützung. Der frühere Staatssekretär Paul Maynard nannte das Verhalten des Chefberaters „völlig unhaltbar“. Der Abgeordnete David Warburton sagte im BBC-Interview am Montag, Cummings „schädigt die Regierung und das Land“.

Die Polizei fürchtet Folgen für ihre Arbeit: Der Chefberater habe durch sein Verhalten die Durchsetzung der Pandemie-Maßnahmen zum Gespött gemacht, sagte ein Vertreter der Polizei in der südenglischen Grafschaft Gloucestershire. Der Mediziner Dominic Pimenta twitterte ein Foto von sich in voller Schutzausrüstung und schrieb: „Wenn er (Cummings) nicht aus dem Dienst ausscheidet, dann mache ich das.“

Die einflussreiche Boulevardzeitung „Daily Mail“ titelte am Montag zu Bildern von Johnson und Cummings: „Auf welchem Planet leben die eigentlich?“ Oppositionschef Keir Starmer von der Labour-Partei zeigte sich von Johnsons Vorgehen enttäuscht. „Das war ein großer Test für den Premierminister und er ist gerade durchgefallen“, sagte Starmer in einem BBC-Interview. Millionen Menschen hätten qualvolle Entscheidungen treffen müssen, beispielsweise Angehörige nicht zu besuchen und nicht zu Beerdigungen zu gehen, sagte der Labour-Chef.

Nicht auszuschließen scheint, dass in der Sache noch weitere Details an die Öffentlichkeit gelangen. Der „Guardian“ und der „Daily Mirror“ berichteten am Sonntagabend, ein Augenzeuge, der Cummings am 12. April an einem Ausflugsziel rund 50 Kilometer vom Wohnhaus seiner Eltern entfernt gesehen haben will, habe inzwischen Anzeige erstattet. Auch für einen weiteren Aufenthalt Cummings' in Durham am 19. April gibt es demnach einen weiteren Augenzeugen. Die Regierung stritt weitere Aufenthalte Cummings in Durham ab.


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Großbritannien hat offiziellen Statistiken zufolge die höchste Zahl an Todesfällen durch die Corona-Pandemie in Europa. Bis Samstag starben dort knapp 36.800 Menschen, nachdem sie positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Inzwischen ist die Zahl der täglich neu gemeldeten Infektionen und Todesfälle zurückgegangen. Doch es wird befürchtet, dass die Epidemie wieder an Fahrt aufnehmen könnte, wenn die Regeln zur Kontaktbeschränkung nicht mehr eingehalten werden sollten. Cummings könnte das Vertrauen in die Regierung irreparabel beschädigt haben, meinen Kritiker.

Dominic Cummings verteidigte am Wochenende sein Verhalten "vernünftig" und erklärte der versammelten Presse vor seinem Haus in London er habe "das Richtige" getan.

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