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Covid-19: Weißrussland macht weiter wie bisher
International 3 Min. 31.03.2020

Covid-19: Weißrussland macht weiter wie bisher

Fans des Weißrussischen Fußballclubs FC Slutsk. Der Weißrussische Fußballverband hat entschieden, die Saison wegen des Coronavirus nicht abzusagen.

Covid-19: Weißrussland macht weiter wie bisher

Fans des Weißrussischen Fußballclubs FC Slutsk. Der Weißrussische Fußballverband hat entschieden, die Saison wegen des Coronavirus nicht abzusagen.
Natalia Fedosenko/TASS/dpa
International 3 Min. 31.03.2020

Covid-19: Weißrussland macht weiter wie bisher

Volle Cafés, Fußball in Stadien und Schulbetrieb – inmitten eines allgemeinen Lockdowns in Europa gibt sich Weißrussland als Insel der Freiheit. Der autoritäre Staatschef Lukaschenko kämpft gegen die Panik - und redet die Gefahr klein. Doch es regt sich Kritik.

Kämpferisch zeigte sich der 65-jährige Alexander Lukaschenko dieser Tage in Eishockey-Montur im Stadion in Minsk bei einer Partie. Wintersport sei das beste Mittel im Kampf gegen das Coronavirus, meinte der Staatschef von Weißrussland (Belarus) launig. Während in Europa das Leben zum Stillstand kommt, wettert Präsident Lukaschenko fast täglich gegen die „Corona-Panik“ allerorten. Und er warnt immer wieder, dass der wirtschaftliche Schaden durch den Lockdown überall größer sein werde als die Virus-Gefahr.

Zwar geht etwa in Europa auch Schweden einen Sonderweg mit weniger Einschränkungen des öffentlichen Lebens als in anderen Ländern. Aber ausgerechnet der als „letzter Diktator Europas“ verschriene Lukaschenko setzt in diesen Krisenzeiten auf beispiellose Freiheiten statt auf Verbote und Strafen. Der Schulbetrieb? Läuft. Die Restaurants und Cafés in der Hauptstadt Minsk? Gut besucht. Geschäfte und Büros? Geöffnet. Dabei gelten die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation im Kampf gegen die Pandemie auch für Belarus, das zum Wochenstart offiziell 152 Infizierte meldete.


Alexander Lukaschenko ist seit 1994 an der Macht.
Präsidentenwahl in Weißrussland: Fünfte Amtszeit für Lukaschenko
Alexander Lukaschenko hat mehr als 83 Prozent aller Stimmen am Sonntag bei der Präsidentenwahl in Weißrussland geholt. Die Wahl gilt als Test für bessere Beziehungen zur EU.

Weltweit für Aufsehen sorgte zuletzt auch, dass Belarus als einziges Land seine erste Liga noch Fußball spielen lässt. Der Ball in der nationalen Meisterschaft rollt – in den Stadien jubeln Zuschauer auf den Tribünen. Selbst beim Nachbarn Russland – oft das Maß der Dinge für das Leben in Belarus – steht das öffentliche Leben fast still. Aber Lukaschenko betont, dass er sich von niemandem abbringen lasse von seinem Kurs. Er sieht den Höhepunkt der Corona-Krise erreicht.

Dabei bemerken auch unabhängige Medien, dass das Land mit seinen 9,5 Millionen Einwohnern medizinisch durchaus besser aufgestellt sei als etwa die Krisenpunkte Italien, Spanien oder die USA. Demnach gibt es mehr als 2000 Beatmungsmaschinen in der Ex-Sowjetrepublik – ein deutlich höherer Pro-Kopf-Anteil als anderswo. Vor allem aber die Staatsmedien zeichnen das Bild eines Landes, das in der weltweiten Krise alles im Griff hat.

So erklärt das etwa Irina Glinskaja, die stellvertretende Chefärztin des nationalen Zentrums für Hygiene und Epidemiologie, dass Coronavirus-Patienten sofort im Krankenhaus isoliert würden. "Epidemie-Brigaden" würden dann ausrücken, um Wohnung, Arbeitsplatz und andere Aufenthaltsorte des Betroffenen zu desinfizieren. „Die Kollegen in Deutschland etwa verfolgen nur die engsten Kontakte (…) dieser Menschen. Sie werden dort nicht auf Station isoliert, sondern können in Selbstisolation. Das ist auch eine Möglichkeit. Aber unsere Maßnahmen gehen weiter“, sagt Glinskaja der Staatsagentur Belta.

Lukaschenko: "Wir kümmern uns um Infizierte"

Das von Menschenrechtlern als Überwachungsstaat kritisierte Belarus macht nach Darstellung von Präsident Lukaschenko mithilfe von Polizei, KGB-Geheimdienst und Videokameras jeden ausfindig, der mit einem Infizierten Kontakt hatte. „Wir kümmern uns. Aber ohne Lärm und ohne Staubaufwirbeln“, sagt er.

„Wegen dieser Psychose ist heute die Wirtschaft praktisch der ganzen Welt zum Erliegen gekommen“, meint Lukaschenko. Und er kritisiert auch, dass alle Nachbarn – die EU-Staaten Polen, Litauen und Lettland sowie die Ukraine und Russland ihre Grenzen geschlossen haben. Belarus werde trotzdem seine Funktion als Transitland für den Warenverkehr weiter erfüllen, betont er.


Belarus President Alexender Lukashenko looks at the media in the Grand Kremlin Palace at the start of the Euro Asian Economic Union summit, a Russia-dominated economic alliance, in Moscow on Monday, March 19, 2012. Medvedev said that its members plan to expand their cooperation by setting up the Eurasian Union by 2015. (AP Photo/Alexander Zemlianichenko)
"Lieber Diktator als schwul"
Alexander Lukaschenko feiert: Seit 25 Jahren regiert er Weißrussland - mit harter Hand und markigen Sprüchen. Dennoch wird er immer wieder vom Ausland hofiert, wie jüngst bei den Europaspielen.

Noch kann Belarus sein Vorgehen mit vergleichsweise wenigen Coronavirus-Fällen begründen. Doch die Opposition wirft Lukaschenko Fahrlässigkeit vor. Auch in Belarus sähen die Menschen, was überall auf der Welt los ist – deshalb fruchte die Beschwichtigung nicht, meinte die christlich-konservative Partei Belarussische Volksfront. Die Menschen hätten Angst. Bildungs- und Vergnügungseinrichtungen müssten geschlossen, Veranstaltungen mit mehr als 30 Menschen verboten werden, fordert die Partei.

Doch Lukaschenko, der seit mehr als 25 Jahren regiert – so lange wie niemand sonst in Europa – schlug Bedenken auch am Dienstag in den Wind. Schon gar nicht sehe er einen Grund, die Präsidentenwahl im August abzusagen. Da will er wieder antreten. Später am Tag musste er dann noch den ersten Coronavirus-Todesfall in seinem Land bekanntgeben. Demnach starb ein 75 Jahre alter Theaterschauspieler aus der Stadt Witebsk an der Lungenkrankheit Covid-19.


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Auf der Rasierklinge des Gesetzes
Mit ihrem politischen Engagement in Weißrussland riskiert Aygün Rzayeva eine Gefängnisstrafe. Ihre Organisation ist im Ausland registriert.
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