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Coronavirus: Lage spitzt sich zu in China
International 3 Min. 26.01.2020

Coronavirus: Lage spitzt sich zu in China

Die chinesische Stadt Wuhan gilt als Epizentrum des Ausbruchs des neuen Virus. Die Straßen dort sind wie leer gefegt.

Coronavirus: Lage spitzt sich zu in China

Die chinesische Stadt Wuhan gilt als Epizentrum des Ausbruchs des neuen Virus. Die Straßen dort sind wie leer gefegt.
Foto: AFP
International 3 Min. 26.01.2020

Coronavirus: Lage spitzt sich zu in China

Fabian KRETSCHMER
Fabian KRETSCHMER
Alleine über das Wochenende hat sich die Verbreitung vervierfacht. 56 Menschen sind bereits gestorben. Auch die wirtschaftlichen Folgen sind groß.

Am Sonntag trat Ma Xiaowei, Leiter der nationalen Gesundheitskommission, gleich mit zwei Hiobsbotschaften vor die internationale Presse in Peking: Zum einen steige die Übertragungsfähigkeit des mysteriösen Coronavirus derzeit weiter an. Und im Gegensatz zu SARS sei der neuartige Erreger aus Wuhan auch während der Inkubationszeit ansteckend. Dies macht eine Eindämmung ungleich schwerer, schließlich dauert es bis zu zwei Wochen, dass unwissentlich Infizierte erste Symptome der Lungenkrankheit zeigen. Die Anzahl an Infizierten könne also weiter steigen, fügte der chinesische Gesundheitsexperte hinzu.

Dabei hat sich allein übers Wochenende die Verbreitung des Coronavirus erneut vervielfacht: Mit Stand vom Sonntag haben die chinesischen Behörden knapp 2.000 Infizierte bestätigt. Die Rede ist von 56 Toten und mehreren hundert Patienten in kritischem Zustand.

Atemschutzmasken-Pflicht, Reisestopp und schulfrei

Die jüngsten Erkenntnisse der Gesundheitskommission erklären die radikalen Eindämmungsmaßnahmen der chinesischen Zentralregierung. Allein am Sonntag wurden über ein Dutzend solcher erlassen: So hat Peking etwa den Start des kommenden Sommersemesters für sämtliche Schulen und Universitäten auf unbestimmte Zeit verschoben. Die südchinesische Provinz Guangdong hat eine Atemschutzmasken-Pflicht für all seine Bürger im öffentlichen Raum eingeführt.


TOPSHOT - A man wears a protective facemask to help stop the spread of a deadly SARS-like virus which originated in the central city of Wuhan, as he walks on the outskirts of the Forbidden City and a New Year instalation displaying a fish and the number 2020 in Beijing on January 25, 2020. - China announced it will close a section of the Great Wall and other famous Beijing landmarks to control the spread of a deadly virus that has infected hundreds of people across the country. (Photo by NICOLAS ASFOURI / AFP)
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Sämtliche Gruppenreisen von Ausländern ins Land wurden gestoppt, auch Chinesen dürfen keine Pauschalreisen mehr buchen – sowohl im In- als auch Ausland. Die Zentralregierung hat zudem den Handel von Wildtieren verboten, schließlich soll der Erreger von einem Markt für exotische Tiere in Wuhan stammen.

Ursprung des Erregers noch ungewiss

Doch als ganz gesichert gilt auch das nicht. Chinesische Mediziner vom Jinyintan-Krankenhaus in Wuhan argumentieren, dass der erste Ansteckungsfall bereits am 1. Dezember entdeckt wurde – vier Wochen vor der ersten Öffentlichmachung der Lokalregierung. Diejenige Person hatte jedoch nachweislich keinen Kontakt zu jenem Tiermarkt in Wuhan.


TOPSHOT - This photo grabbed from a video taken and handout on January 23, 2020 by Rome's Fiumicino Airport Authority (ADR) shows passengers scanned by thermal imaging for body temperature as they go through  health measures and procedures against deadly SARS-like virus outbreak risks, after they landed at Rome's Fiumicino airport on a southern airlines flight from Wuhan, China. - China banned trains and planes from leaving a major city at the centre of a virus outbreak on January 23, seeking to seal off its 11 million people to contain the contagious disease that has claimed 17 lives, infected hundreds and spread to other countries. (Photo by Handout / AEROPORTO DI ROMA / AFP) / RESTRICTED TO EDITORIAL USE - MANDATORY CREDIT "AFP PHOTO / ROME AIRPORT AUTHORITY / AEROPORTO DI ROMA" - NO MARKETING - NO ADVERTISING CAMPAIGNS - DISTRIBUTED AS A SERVICE TO CLIENTS
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In den letzten Tagen tauchten allerdings Medienberichte auf, wonach in Wuhan das Nationale Labor für Biosicherheit stehe. Im Zentrum wird an Ebola- und SARS-Viren geforscht. Experten wiesen schon 2017 darauf hin, dass aus dem Labor Viren austreten könnten.

In Wuhan ist das öffentliche Leben praktisch zum Erliegen gekommen. Die Elf-Millionen-Metropole hat am Sonntag nun auch sämtlichen Autoverkehr auf den Straßen verboten. Das US-Konsulat in Wuhan hat unterdessen die Evakuierung seiner Angestellten sowie einer begrenzten Anzahl an Zivilisten für Dienstag angekündigt. Auch die japanische, russische und französische Regierung planen eine Evakuierung ihrer Staatsbürger aus der sechstgrößten Stadt des Landes.

TOPSHOT - People argue with riot police inside the lobby of a residential building as residents protest against plans for an empty local housing estate to become a temporary quarantine camp for patients and frontline medical staff of a SARS-like virus outbreak which began in the Chinese city of Wuhan, in the Fanling district in Hong Kong on January 26, 2020. - Protesters threw petrol bombs on January 26 night at an empty public housing complex in Hong Kong that had been earmarked to become a temporary quarantine zone as the city battles the outbreak of a SARS-like virus. (Photo by Philip FONG / AFP)
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AFP

Die Lage der medizinischen Versorgung vor Ort ist prekär. Das belegen Videos, die in sozialen Netzwerken kursieren. Darauf zu sehen sind überfüllte Notaufnahmen, in denen Krankenschwestern verzweifelte Menschen nach Hause schicken müssen. In einem von Patienten gefilmten Video schreit ein Arzt in ein Telefon-Headset: „Feuern Sie mich einfach!“

Laut offiziellen Angaben haben sich mindestens 15 Mediziner in Wuhan mit dem Coronavirus angesteckt, ein Arzt ist bereits verstorben. Die Dunkelziffer liege jedoch viel höher, erzählte ein Arzt der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“. Demnach seien die Spitalangestellten ursprünglich nicht darüber informiert worden, dass sich das Virus auch über menschlichen Kontakt verbreiten könne. Zudem fehlten weiterhin Schutzausrüstung und Testkits.

Schwerwiegende wirtschaftliche Folgen drohen

Wirtschaftlich wird die Epidemie wohl schwerwiegende Folgen haben für China. Über ein Dutzend Städte in der Hubei-Provinz wurden abgeschottet und lahmgelegt. Zudem werden die Konsumausgaben während der chinesischen Neujahrsfeierlichkeiten, die am Samstag begonnen haben, wohl massiv einbrechen. 2019 gaben die Chinesen in dieser Zeit umgerechnet 149 Milliarden Dollar aus.


HANDOUT - 22.01.2020, Peru, Lima: Ein Experte bereitet sich auf die Einführung einer Diagnose des Coronavirus in Peru vor. Die chinesische Regierung hat die besonders schwer von der durch den Coronavirus ausgelösten neuen Lungenkrankheit betroffene Millionenmetropole Wuhan praktisch abgeriegelt. Foto: GATO/Minsa/Agentur Andina/dpa - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung und nur mit vollständiger Nennung des vorstehenden Credits +++ dpa-Bildfunk +++
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Das wird die angeschlagene Wirtschaft weiter schwächen. Derzeit wächst diese nur mit 6,1 Prozent, so langsam wie seit 30 Jahren nicht mehr. In einer ersten Einschätzung geht der Analysedienst Economist Intelligence Unit von einem Einbruch des Wachstums von bis zu einem Prozentpunkt aus. Auch im asiatischen Ausland reagieren die Leute hysterisch. In Südkorea ruft etwa eine Petition auf der Präsidenten-Webseite dazu auf, „chinesische Staatsbürger aus unserem Land zu verbannen“. Nach vier Tagen hat die Initiative bereits über 285.000 Unterschriften gesammelt – obwohl zwei der insgesamt drei Infizierten in Südkorea auch südkoreanische Staatsbürger sind.


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A man wearing a protective facemask crosses a street in Beijing on February 3, 2020. - A virus similar to the SARS pathogen has killed more than 300 people in China and spread around the world since emerging in a market in the central Chinese city of Wuhan. (Photo by NICOLAS ASFOURI / AFP)
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