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Coronavirus breitet sich schneller aus: Bereits 56 Tote
International 1 5 Min. 26.01.2020

Coronavirus breitet sich schneller aus: Bereits 56 Tote

Passanten mit Atemschutzmasken in China: Die Ansteckungsgefahr in Zusammenhang mit der neuen Lungenkrankheit wird für Menschen in China immer größer.

Coronavirus breitet sich schneller aus: Bereits 56 Tote

Passanten mit Atemschutzmasken in China: Die Ansteckungsgefahr in Zusammenhang mit der neuen Lungenkrankheit wird für Menschen in China immer größer.
Foto: AFP
International 1 5 Min. 26.01.2020

Coronavirus breitet sich schneller aus: Bereits 56 Tote

China hat ganze Städte abgeriegelt, um das Coronavirus zu stoppen. Doch der Erreger breitet sich weiter aus. Die Regierung der besonders betroffenen Metropole Wuhan steht in der Kritik.

(dpa/jt) - Trotz drastischer Gegenmaßnahmen nach dem Ausbruch der neuen Lungenkrankheit in China gibt es immer mehr Todesfälle in der Volksrepublik. Die Zahl der bestätigten Todesopfer stieg inzwischen auf 56, wie die Nationale Gesundheitsbehörde des Landes am Sonntag mitteilte. Demnach haben sich 1975 Menschen in China mit dem Coronavirus angesteckt, der die neuartige Lungenkrankheit auslöst.

Zuletzt war von knapp 1400 Infizierten die Rede gewesen. Weltweit kommen nach bisherigen Informationen rund 30 bestätigte Fälle hinzu - darunter drei Patienten in Frankreich, wobei es sich um die ersten bekanntgewordenen Erkrankungen in Europa handelt. 

Langer Kampf gegen das Virus

Das Coronavirus überträgt sich einer Studie zufolge relativ rasch zwischen Menschen. Experten des Imperial College London berechneten, dass ein Infizierter bis zum 18. Januar durchschnittlich 2,6 weitere Personen angesteckt haben könnte. Chris Whitty, der die Regierung in Gesundheitsfragen berät, ging von einem langen Kampf gegen das Virus aus: „Wir sollten das als Marathon betrachten und nicht als Sprint.“  

Der Ausbruch in China sei ein Zeichen, dass jedes Land der Welt vorbereitet sein müsse, um Krankheitsausbrüche jeglicher Art rechtzeitig zu erkennen und zu handhaben, teilte das WHO-Regionalbüro Europa mit. Es sei zurzeit unklar, wie sich der Ausbruch entwickele, ergänzte die Behörde. „Während wir das Verhalten des Virus nicht voraussagen können, können wir darüber entscheiden, wie gut wir sind, es zu stoppen.“

Bei der Behandlung von Patienten haben chinesische Ärzte aber nun erste Erfolge gemeldet. Wie die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag berichtete, habe sich der Zustand von elf infizierten medizinischen Kräften verbessert. Die klinischen Symptome seien unter Kontrolle gebracht worden. Das Fieber und andere Beschwerden seien zurückgegangen. Zudem seien Testergebnisse für das Virus danach negativ gewesen.

Offenbar keine schwereren Fälle in Europa 

Am französischen Hauptflughafen Charles de Gaulle in Paris wurden indes die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt. Ab diesem Sonntag soll ein medizinisches Team Reisende aus China empfangen. Es sollte sich um Personen kümmern, die Symptome der neuen Lungenkrankheit aufweisen. Temperaturkontrollen wie andernorts hat Frankreich bislang nicht eingeführt. Auch am Londoner Großflughafen Heathrow wurden die Sicherheitsmaßnahmen ausgebaut.

Am Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle kommen täglich mehrere Flüge aus China an. Der Flugverkehr von und nach Wuhan ist seit Donnerstag gesperrt. Am Freitag wurden in Frankreich drei Fälle der aus China stammenden neuen Lungenkrankheit bestätigt. Es sind die ersten Infizierten mit dem neuen Coronavirus in Europa.

Nach den drei Fällen der neuen Lungenkrankheit in Frankreich wurden die Sicherheitsmaßnahmen am Pariser Hauptflughafen Roissy-Charles de Gaulle verstärkt.
Nach den drei Fällen der neuen Lungenkrankheit in Frankreich wurden die Sicherheitsmaßnahmen am Pariser Hauptflughafen Roissy-Charles de Gaulle verstärkt.
Foto: AFP

Die drei Patienten sind offenbar nicht schwer erkrankt. Dem Paar, das im Pariser Krankenhaus Bichat wegen der Lungenkrankheit behandelt werde, gehe es gut, erklärten Ärzte am Samstag. Einer von ihnen habe noch etwas Fieber. Der 31-jährige Mann und seine 30 Jahre alte Frau waren Mitte Januar von einem Aufenthalt in Wuhan in Frankreich angekommen. Auch dem dritten Patienten in Frankreich, der in einer Klinik in Bordeaux behandelt wird, gehe es soweit gut, sagte der Bürgermeister der Stadt, Nicolas Florian.

Auch in der österreichischen Hauptstadt Wien gibt es einen ersten Verdachtsfall auf eine Infektion mit dem Coronavirus. Das meldete der Sender ORF am Sonntagmorgen. Eine Chinesin, die als Flugbegleiterin arbeitet, wird derzeit in einem isolierten Zimmer in einem Wiener Krankenhaus behandelt. Laut Ärzten gehe es der Frau verhältnismäßig gut und sie habe auch kein Fieber mehr. 

Krisentreffen in Peking

Der chinesische Staats- und Parteichef Xi Jinping berief am Samstag in Peking ein Krisentreffen ein. Alle Ebenen von Partei und Regierung müssten dem Kampf gegen das Coronavirus höchste Priorität einräumen, sagte er laut der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. Die Partei habe eine Arbeitsgruppe eingerichtet, um das weitere Vorgehen zu koordinieren. Teams würden in die Provinz Hubei entsandt, um die Arbeit vor Ort zu steuern.

In einem Krankenhaus in Bordeaux wird ein womöglich mit dem Coronavirus infizierter Patient behandelt.
In einem Krankenhaus in Bordeaux wird ein womöglich mit dem Coronavirus infizierter Patient behandelt.
Foto: AFP/Mehdi Fedouach

Die Provinzhauptstadt von Hubei, die Millionenmetropole Wuhan, ist besonders stark vom Coronavirus betroffen: Dort war der Erreger vor wenigen Wochen auf Menschen übergesprungen - vermutlich auf einem Tiermarkt. Wie Staatsmedien am Sonntag berichteten, sollen in der Stadt 24 allgemeine Krankenhäuser nun zusätzliche Betten für Patienten bereitstellen. Wuhan hatte zuvor bereits im Eiltempo mit dem Bau von zwei neuen Krankenhäusern begonnen, die insgesamt eine Kapazität von 2300 Betten haben sollen. Das erste Hospital in Schnellbauweise soll am Montag in einer Woche erste Patienten aufnehmen, das zweite zwei Tage später.

Die Krankenhäuser der Stadt sind offenbar völlig überfordert. Nach offiziell unbestätigten Berichten werden Patienten zurückgewiesen, weil es nicht genug Personal und Betten gibt.

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Aus anderen Teilen Chinas wurden mehr als 1680 Ärzte und Pfleger nach Wuhan entsandt. Auch wurden 14.000 Schutzanzüge bereitgestellt. Der öffentliche Nah- und Fernverkehr, Zug- und Flugverbindungen wurden gestoppt, Ausfallstraßen gesperrt. Von Sonntag an wird auch der gewöhnliche Autoverkehr in den großen Stadtbezirken Wuhans gestoppt. Zudem kündigten Universitäten der Stadt an, den Beginn des neuen Semesters zu verschieben. 

Inzwischen wurden mehr als 40 Millionen Menschen in gut einem Dutzend Städten im Herzen Chinas weitgehend von der Außenwelt abgeschottet, um eine weitere Verbreitung des Virus zu verhindern.

Ein Polizist überprüft die Körpertemperatur eines Autofahrers auf einer Autobahn in Wuhan. In China stehen wegen des Kampfes gegen die Virus-Ausbreitung 13 Städte unter Quarantäne.
Ein Polizist überprüft die Körpertemperatur eines Autofahrers auf einer Autobahn in Wuhan. In China stehen wegen des Kampfes gegen die Virus-Ausbreitung 13 Städte unter Quarantäne.
Foto: AFP/STR

Wie das Staatsfernsehen berichtete, verkündeten am Sonntag weitere Regionen Einschränkungen des Verkehrs. Demnach stellt die ostchinesische Provinz Shandong ihren Busverkehr mit anderen Städten und Provinzen ein. Gleiches gilt für die zentralchinesische Metropole Xi'an. Bereits am Samstag hatte auch die Hauptstadt Peking ähnliche Beschränkungen verhängt. 

Kritik an Behörden

Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit übte Hu Xijin, Chefredakteur der staatlichen Zeitung „Global Times“, überraschend deutliche Kritik. „Dieser Ausbruch hätte in einem Land wie China nicht passieren dürfen, das über fortschrittliche medizinische Standards und soziale Organisationsfähigkeiten verfügt“, schrieb der Chef der sonst regierungstreuen Tageszeitung am Samstag im chinesischen Kurznachrichtendienst Weibo. „Ich persönlich glaube, dass die Stadt Wuhan und die nationalen Gesundheitsbehörden verantwortlich gemacht werden sollten.“ Die Kontrollfunktion der Medien sei in den vergangenen Jahren durch Behörden auf allen Ebenen immer weiter geschwächt worden, was Journalisten daran gehindert habe, den Virusausbruch weiterzuverfolgen.

Auch Luxemburg verfolgt die Entwicklung des Coronavirus. Die Behörden schätzen die Wahrscheinlichkeit, dass der Erreger auch nach Luxemburg eingeschleppt wird, allerdings als gering ein. Es gebe keine direkten Flug- oder Bahnverbindungen von Wuhan nach Luxemburg. Ein "Import" von Einzelfällen könne jedoch nie ausgeschlossen werden. Sollte ein Fall in Luxemburg auftreten, seien Isolierungs- und Behandlungsmöglichkeiten vorhanden. 


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