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Corona-Virus: Sprunghafter Anstieg der Infektionen
International 3 Min. 13.02.2020

Corona-Virus: Sprunghafter Anstieg der Infektionen

Jugendliche mit Atemschutzmasken blicken auf ihre Handys: Die Regierung in Hongkong rät, so wenig wie möglich vor die Tür zu gehen und Ansammlungen von Menschen zu meiden.

Corona-Virus: Sprunghafter Anstieg der Infektionen

Jugendliche mit Atemschutzmasken blicken auf ihre Handys: Die Regierung in Hongkong rät, so wenig wie möglich vor die Tür zu gehen und Ansammlungen von Menschen zu meiden.
Foto: AFP/Philip Fong
International 3 Min. 13.02.2020

Corona-Virus: Sprunghafter Anstieg der Infektionen

Zuletzt war die Zahl neuer Erkrankungen etwas zurückgegangen. Doch plötzlich gibt es in der Statistik einen kräftigen Anstieg. Wie zuverlässig sind die offiziellen Angaben?

(dpa) - Die Zahl neu nachgewiesener Todesopfer durch das Corona-Virus hat sich in China in der besonders schwer betroffenen Provinz Hubei im Vergleich zum Vortag mehr als verdoppelt. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen verzehnfachte sich dort sogar fast. Wie die Behörden am Donnerstag mitteilten, wurden in Hubei 242 neue Todesopfer registriert, womit die Gesamtzahl der Toten in der Provinz seit Ausbruch der Krankheit bei 1.310 liegt.

Die Zahl der nachgewiesenen Infektion stieg um 14.840 auf nun 48.208 bekannte Fälle. Am Vortag waren in Hubei 97 Todesopfer und 1.638 neue Infektionen gemeldet worden. Landesweit lagen am Donnerstag zunächst keine neuen Angaben über die Verbreitung des Virus vor. Allein durch die neuen Infektionen in Hubei, wo die Lungenkrankheit in der Stadt Wuhan ursprünglich ausgebrochen war, ist die Gesamtzahl der Infektionen auf dem chinesischen Festland aber auf über 59.000 gestiegen. 

Neues Diagnoseverfahren

Wie die Gesundheitskommission der Provinz Hubei mitteilte, seien die Diagnoseergebnisse nach einer Untersuchung „überarbeitet“ worden. Patienten seien gemäß der neuen Klassifikation hinzugefügt worden. Demnach würden seit Donnerstag auch Fälle „klinischer Diagnosen“ in die Zahl der bestätigten Diagnosen aufgenommen.

Auch in Hongkong ist die Angst vor dem neuen Virus allgegenwärtig.
Auch in Hongkong ist die Angst vor dem neuen Virus allgegenwärtig.
Foto: AFP/Philip Fong

Wie die Zeitung „China Daily“ unter Berufung auf chinesische Experten berichtete, können Ärzte jetzt eine offizielle Diagnose stellen, die auf einer Kombination von Faktoren wie Lungenbildern, dem physischen Zustand und epidemiologischer Vorgeschichte beruht. Bislang war demnach nur ein Testverfahren über Nukleinsäuren zugelassen, das aber viele eindeutige Erkrankungen erst nach drei oder vier Tests erkannt habe.

Generell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer. So sind die Möglichkeiten begrenzt, auf das neue Virus zu testen. Ferner erscheint das sich wandelnde Berichterstattungssystem Chinas mit unterschiedlichen Definitionen der einzelnen Fälle besonders für lokale Stellen kompliziert. Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als das wirkliche Ausmaß der Epidemie. 

Kreuzfahrten werden zur Odyssee

Das aus Hongkong kommende Kreuzfahrtschiff „Westerdam“, das wegen Corona-Virus-Angst an mehreren asiatischen Häfen nicht andocken durfte, ist indes vor Kambodscha eingetroffen. Das Schiff mit rund 1500 Gästen und 800 Besatzungsmitgliedern an Bord liege 2,5 Kilometer vom Hafen entfernt. Die Passagiere werden demnach medizinisch untersucht und auf Fieber überprüft. Laut dem Hafendirektor sollen am Donnerstag erst einmal 600 Menschen das Schiff verlassen, 800 am Freitag. 

Die Gäste würden in den nächsten Tagen an Land gehen und dann mit Charterflügen in die Hauptstadt Phnom Penh gebracht, um von dort die Heimreise anzutreten. Man sei den kambodschanischen Behörden „extrem dankbar“ für ihre Unterstützung, hieß es von der Reederei weiter.

Zuletzt hatten Thailand, Taiwan, Japan, die Philippinen und Guam das Einlaufen in ihre Häfen verweigert. Dabei sind bislang keine Fälle von mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten an Bord bekannt. Alle Gäste an Bord sind der Holland America Line zufolge gesund. Es gebe entgegen einiger Berichte weder bekannte noch mutmaßliche Corona-Virus-Fälle an Bord. Die Reederei Line werde nicht nur die Heimflüge für die Gäste organisieren, sondern auch die Kosten für die Kreuzfahrt zurückerstatten.

Das Schiff war am 1. Februar in Hongkong gestartet und sollte seine Reise ursprünglich am 15. Februar im japanischen Yokohama beenden. Im Hafen dieser Stadt liegt aktuell ein anderes Kreuzfahrtschiff, die „Diamond Princess“, unter Quarantäne. Bei 218 Menschen an Bord wurde mittlerweile eine Infektion mit dem Virus festgestellt. Die rund 3600 Passagiere und Crew-Mitglieder sollen nach derzeitigem Stand mindestens noch bis zum 19. Februar auf dem Schiff bleiben.

Japan hält an Olympia fest

Japan will ungeachtet der Ausbreitung des Corona-Virus wie geplant die Olympischen Spiele im Sommer austragen. Der Chef des japanischen Olympischen Komitees, Yoshiro Mori, bekräftigte bei einem Treffen mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Tokio, dass die Planung für die Spiele nicht durch die neue Lungenkrankheit beeinträchtigt werde. „Ich möchte noch einmal klarstellen, dass eine Absage oder Verschiebung der Tokio-Spiele nicht erwogen wurden“, sagte Mori zum Auftakt eines zweitägigen Vorbereitungstreffens mit dem IOC. Man werde mit der japanischen Regierung zusammenarbeiten und „ruhig“ mit jeglichen Problemen infolge des neuartigen Virus umgehen, sagte Mori.


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Derweil verschob die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong erneut die Öffnung der Schulen. Neuer Starttermin ist jetzt der 16. März. Schüler sollen aber über das Internet unterrichtet werden.

Weltweit sind außerhalb des chinesischen Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt, davon 44 in Europa. 14 Fälle stehen in Zusammenhang mit dem deutschen Autozulieferer Webasto. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte den Erreger bei einer Dienstreise eingeschleppt.


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