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Corona-Virus: Lage in China bleibt angespannt
International 5 Min. 25.02.2020

Corona-Virus: Lage in China bleibt angespannt

In China hat sich die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamt, so die WHO.

Corona-Virus: Lage in China bleibt angespannt

In China hat sich die Ausbreitung des Corona-Virus verlangsamt, so die WHO.
Foto: AFP/STR
International 5 Min. 25.02.2020

Corona-Virus: Lage in China bleibt angespannt

In China werden erneut Hunderte Infektionen mit dem neuartigen Corona-Virus gemeldet, an den Kapitalmärkten herrscht Alarmstimmung. Die WHO verbreitet trotzdem Optimismus.

(dpa) - Die Zahl der Opfer und Infizierten durch das Corona-Virus ist in China erneut gestiegen. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Dienstag mitteilte, kamen weitere 71 Menschen durch die Covid-19 genannte Krankheit ums Leben. Die Gesamtzahl der Opfer in China stieg damit auf 2663. Die Zahl der nachgewiesenen Infektionen kletterte um 508 auf 77.658.

Außerhalb des chinesischen Festlands sind im Rest der Welt bislang mehr als 2300 Infektionen bekannt. In Südkorea und Italien waren die Infektionen mit dem Virus Sars-CoV-2 zuletzt sprunghaft gestiegen.

Sorgen über Ausbreitung des Virus

Experten sind mittlerweile skeptisch, ob die weltweite Ausbreitung des neuen Corona-Virus noch gestoppt werden kann. „Das Zeitfenster für die Eindämmung des Ausbruchs schließt sich nun sehr schnell“, zitierte die britische Zeitung „The Telegraph“ Devi Sridhar von der Universität Edinburgh, die zur weltweiten öffentlichen Gesundheit forscht. 

Nathalie MacDermott, Expertin für Infektionskrankheiten am renommierten King's College in London, nannte vor allem die Situation in Italien, Südkorea und dem Iran „sehr besorgniserregend“. In Südkorea sind bisher 893 Infizierungen nachgewiesen worden. Acht Menschen starben an der Lungenkrankheit Covid-19. 

Die Weltgesundheitsorganisation übt sich trotzdem in Optimismus. Es sei sehr ermutigend, dass die Fallzahlen in China zurückgingen, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am Montag in Genf. Die Epidemie habe in China zwischen dem 23. Januar und dem 2. Februar ihren Höhepunkt erreicht. "Seitdem ist sie stetig zurückgegangen." Die Ausbreitung des Virus könne noch gestoppt werden. Die Zahlen aus Italien, dem Iran und Südkorea seien gleichwohl sehr beunruhigend, sagte er. Nach WHO-Einschätzung handele es sich bislang nicht um eine Pandemie, sondern Epidemien in einzelnen Ländern.

Krisentreffen in Italien

Die italienische Regierung berät an diesem Dienstag mit den Nachbarländern und Deutschland die Lage. An dem Treffen am Nachmittag sollen neben dem Gastgeber zudem seine Kollegen aus Slowenien, Frankreich, der Schweiz und Österreich teilnehmen.


Kamil Rychlicki, Lube Civitanova, Volleyball
Rychlicki betroffen: Corona-Virus stoppt die Volleyballer
Das Corona-Virus scheint in Italien außer Kontrolle. Deshalb wird der Sportkalender durcheinander gewirbelt. Mit Volleyballprofi Kamil Rychlicki ist auch ein Luxemburger betroffen.

In Italien sind nach Behördenangaben bis zum frühen Montagabend mindestens sieben Infizierte gestorben - alle hatten demnach Vorerkrankungen. Die Zahl der Infektionsnachweise stieg trotz drastischer Maßnahmen wie Sperrzonen auf mehr als 220, wie Zivilschutzchef Angelo Borrelli am Abend in Rom sagte. Mehr als 25 Menschen seien auf der Intensivstation. Am Vorabend waren es noch rund 150 gemeldete Infizierte. Italien ist aktuell mit Abstand das Land mit den meisten erfassten Fällen in Europa.

In der besonders schwer betroffenen Lombardei wurden zehn Gemeinden in der Provinz Lodi zu Sperrzonen erklärt. Dort kontrollieren Sicherheitskräfte, wer rein und raus darf.

Eine Passantin in Mailand mit Atemschutzmaske: Italien fürchtet wirtschaftliche Auswirkungen durch das Corona-Virus.
Eine Passantin in Mailand mit Atemschutzmaske: Italien fürchtet wirtschaftliche Auswirkungen durch das Corona-Virus.
Foto: AFP/Andreas Solaro

Vorerst keine Grenzschließungen vorgesehen

Deutschlands Gesundheitsminister Jens Spahn sagte am Montag, ein Virus mache an Landesgrenzen nicht halt. Zur Frage, ob auch in Deutschland ganze Städte abgeriegelt werden könnten, meinte er, theoretisch sei vieles denkbar. Notwendig sei so ein Schritt nicht. „Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen.“

Erwartet wird, dass die Minister bei ihrem Treffen in Rom Reaktionen auf die Ausbreitung des Virus beraten. Der italienische Zivilschutz und die Regierung in Rom hatten sich bereits gegen Grenzschließungen ausgesprochen. Dies sei rechtlich zwar machbar, bringe aber keinen praktischen Nutzen, so der Zivilschutz.

Luxemburg: Keine Screenings am Flughafen

Die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus ist nach einer neuen EU-Einschätzung für Europäer derzeit „niedrig bis moderat“. Alle bisher berichteten Fälle in der Europäischen Union hätten klare epidemiologische Verbindungen, hieß es in einer Erklärung des ECDC. Man habe Maßnahmen ergriffen, um die weitere Ausbreitung zu begrenzen.


Lokales,Pressekonferenz Coronavirus,Dr.Jean-Claude Schmit. Gesundheitsministerium. Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort
Corona-Virus: "Sorge, aber keine Panik" in Luxemburg
Das Gesundheitsministerium versuchte bei einer Pressekonferenz die Gemüter zu beruhigen.

In Luxemburg sind in Zusammenhang mit dem neuen Erreger derzeit keine konkreten Maßnahmen vorgesehen, die die Reisetätigkeit nach oder aus Luxemburg einschränken. Flugverbote nach Italien halten die Behörden zum jetzigen Zeitpunkt für ebenso wenig angebracht wie obligatorische Gesundheitschecks bei der Einreise. „Italien hat zu den Ländern gehört, die die striktesten Kontrollen an den Flughäfen gemacht haben; gebracht hat es trotzdem nichts“, erklärte Jean-Claude Schmit, Leiter der Gesundheitsbehörde. Es sei ein moderates Risiko vorhanden, dass das Virus auch in Luxemburg auftritt. 

Die Europaschule in Luxemburg hat indes Maßnahmen veranlasst, um Rückkehrer aus der betroffenen Region Norditalien vom Schulunterricht freizustellen.

Börsen rutschen weltweit ins Minus

Die wachsende Sorge vor den Folgen des grassierenden Corona-Virus für die Weltwirtschaft sorgt auch auf den Anlagemärkten für Schockwellen. Der US-Leitindex Dow Jones Industrial, der vor rund zwei Wochen bei über 29 500 Punkten Rekordhöhe erreicht hatte, büßte am Montag mehr als 1.000 Punkte ein und schloss unter der Marke von 28.000 Punkten. Letztlich beendete er den Tag mit minus 3,56 Prozent bei 27.960,80 Punkten auf dem tiefsten Stand seit Mitte Dezember. Auch der Luxemburger Börsenindex LuxX verlor am Montag 2,9 Prozent.

Aktuelle Börsenkurse auf wort.lu

Auch Asiens Leitbörse in Tokio wurde in den Keller gerissen. Nachdem bereits die Börsen in den USA und Europa schwere Verluste erlitten hatten, sackte der Nikkei-Index für 225 führende Werte in Tokio am Dienstag um satte 781,33 Punkte oder 3,34 Prozent auf den Schlussstand von 22 605,41 Punkten. Zwischenzeitlich hatte das Börsenbarometer sogar mehr als 1000 Punkte abgegeben. Der breit gefasste Topix ging mit einem ebenfalls heftigen Abschlag von 55,74 Punkten oder 3,33 Prozent aus dem Handel.

Apple öffnet Geschäfte in China wieder

Besonders unter Druck gerieten Aktien von Unternehmen, die unmittelbar von den Folgen der Infektionskrankheit betroffen sind, etwa Reise- und Fluggesellschaften, Buchungsportale oder Krankenversicherungen. Auch die stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung abhängigen Technologietitel standen auf den Verliererlisten ganz oben. Wenn die Produktion stillsteht oder sich verlangsamt, Lieferketten-Engpässe sich bemerkbar machen und auch die Nachfrage sich abschwächt, schlägt dies auch direkt in diese Branche durch. So büßten die Tech-Schwergewichte Apple fast 5 Prozent und Microsoft mehr als 4 Prozent ein. Unter den Autobauern verloren GM und Ford ebenfalls mehr als 4 Prozent und Tesla 7,5 Prozent.

Apple hat einen Teil seiner Shops in China wieder geöffnet. Allerdings gelten bestimmte Sicherheitsvorkehrungen.
Apple hat einen Teil seiner Shops in China wieder geöffnet. Allerdings gelten bestimmte Sicherheitsvorkehrungen.
Foto: AFP/Nicolas Asfouri

Obwohl die Zahl der Infektionen in China weiter steigt, begann Apple am Dienstag damit, seine Geschäfte wieder zu öffnen. Auf der Website des iPhone-Konzerns waren 23 der 42 Stores in China als geöffnet gekennzeichnet. Apple forderte Kunden jedoch dazu auf, in den Geschäften Mundschutz zu tragen und sich beim Betreten die Temperatur messen zu lassen. Wegen des Ausbruchs der Covid-19 genannten Krankheit hatte Apple Anfang Februar sämtliche seiner Geschäfte in China geschlossen.


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