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Corona-Virus: Italienisches Szenario in Frankreichs Osten
International 3 Min. 17.03.2020

Corona-Virus: Italienisches Szenario in Frankreichs Osten

Polizisten patrouillieren vor der Kathedrale von Straßburg.

Corona-Virus: Italienisches Szenario in Frankreichs Osten

Polizisten patrouillieren vor der Kathedrale von Straßburg.
AFP
International 3 Min. 17.03.2020

Corona-Virus: Italienisches Szenario in Frankreichs Osten

In der französischen Region Grand Est werden durch die Corona-Epidemie die Krankenhausbetten knapp. Nun soll die Armee mit einem Feldlazarett helfen.

Von LW-Korrespondentin Christine Longin (Paris)

Der Ton seiner Fernsehansprache war martialisch: „Wir sind im Krieg“, wiederholte Emmanuel Macron achtmal in den rund 20 Minuten, in denen er sich am Montagabend an seine Landsleute wandte. Vor 35 Millionen Zuschauern nannte der Präsident vor allem eine Region, die ganz besonders vom Coronavirus betroffen ist: den Grand Est an der Grenze zu Deutschland, den das Robert-Koch-Institut zum Risikogebiet erklärt hatte. Dort ist bereits Wirklichkeit, was in anderen Landesteilen befürchtet wird - die Krankenhausbetten werden vor allem auf den Intensivstationen knapp.

Militär macht mobil

Um den Kampf gegen das Coronavirus zu gewinnen, will Macron nun auch militärische Mittel einsetzen. Die Region Grand Est soll zur Entlastung ein Feldlazarett mit 30 Betten bekommen. Das Spezialzelt, das ansonsten bei Naturkatastrophen aufgebaut wird, soll nun gegen die Corona-Katastrophe helfen. Die Krankenhäuser hoffen, dass die Armee nicht nur Betten und Personal, sondern auch Beatmungsmaschinen zur Verfügung stellt. 

Es fehlt uns an Beatmungsgeräten.

Elisabeth Gärtner vom Krankenhaus in Colmar

“Es fehlt uns an Beatmungsgeräten“, sagt Elisabeth Gärtner vom Krankenhaus in Colmar der Zeitung „Le Figaro“. Zwar habe die regionale Gesundheitsbehörde bereits Apparate nachgeliefert, „aber nicht in ausreichender Menge“. Ohne die Maschinen könnten keine neuen Intensivbetten bereitgestellt werden. Was wohl heißen soll, dass - ähnlich wie in Italien - eine Auswahl unter den Patienten erfolgen muss.


16.03.2020, Frankreich, Paris: Emmanuel Macron, Pr�sident von Frankreich, ist auf einem Bildschirm eines Fernsehers zu sehen, w�hrend er sich in einer TV-Ansprache an die Nation wendet. Um gegen die Verbreitung des Coronavirus anzuk�mpfen, schr�nkt Frankreich die Bewegungsfreiheit seiner B�rger stark ein. Die Menschen d�rfen ihre H�user nur noch verlassen, um einzukaufen oder zum Arzt oder zur Arbeit zu gehen. Foto: Ludovic Marin/AFP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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„Das italienische Szenario ist da“, schrieb die Zeitung „Dernières Nouvelles d’Alsace“ zur Situation in Mulhouse. Das Krankenhaus Émile-Muller werde von Patienten „überschwemmt“, zitierte die Zeitung den Chef der Notaufnahme, Marc Noizet. Die Zahl der für die Corona-Patienten bestimmten Betten wurde erst am Wochenende von 74 auf 134 erhöht, doch am Montag reichte das schon nicht mehr aus. 

Auch die Schutzmasken gehen allmählich zur Neige. Noch sei dank der Rekrutierung pensionierter Ärzte und einer Verstärkung der Pfleger genug Personal da, sagte Noizet. Doch die Zahl der Angestellten, die sich ansteckten und nun wegen des Virus zu Hause bleiben müssten, steige. „Das ist erst der Anfang“, prognostizierte Noizet.

Spezialflugzeuge der Armee für Krankentransport

Dabei wurden bereits Operationen verschoben, um vor allem auf der Intensivstation Betten freizuhalten. Um das Krankenhaus zu entlasten, wurden Patienten in Krankenhäuser in Straßburg, Belfort und Nancy verlegt. Nun soll die Armee mithelfen, weitere Kranke auszufliegen, wie Macron ankündigte. Spezialmaschinen des Systems Morphée können bis zu zwölf Patienten gleichzeitig abtransportieren.

Nicht nur im Osten des Landes ist es fast gespenstig leer.
Nicht nur im Osten des Landes ist es fast gespenstig leer.
AFP

Das Krankenhaus Émile-Muller ist besonders vom Notstand betroffen, gegen den seit vergangenem Jahr zahlreiche Ärzte und Pfleger in ganz Frankreich protestieren. Im September waren von 22 Vollzeitstellen bei den Notärzten nur sieben besetzt. Zahlreiche Mitarbeiter kündigten wegen der schwierigen Arbeitsbedingungen. Seit dem Herbst tut auch der Präsident der Region Grand-Est, Jean Rottner, als Arzt am Wochenende im Krankenhaus Dienst, um seine Kollegen zu entlasten.


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Ausgerechnet Mulhouse, rund 30 Kilometer von der deutsch-französischen Grenze entfernt, ist nun das Zentrum der Corona-Epidemie im Elsass. 2.000 Gläubige der Pfingstgemeinde hatten sich dort im Februar eine Woche lang zu Einkehrtagen im Stadtteil Bourtzwiller versammelt. Da die Teilnehmer tagelang auf engem Raum miteinander zu tun hatten, steckten sich Dutzende an. 

Sie schleppten die Krankheit hinterher in ihre Heimatländer, darunter auch Deutschland, ein. In der ganzen Region Grand Est waren am Montag mehr als 1.500 Fälle bekannt, davon fast die Hälfte im Departement Haut-Rhin. Die Präfektin des Departements, Josiane Chevalier, hatte am Dienstag allerdings eine gute Nachricht für das Krankenhauspersonal: Am Vorabend kam eine neue Lieferung Masken an. Die Ärzte und Pfleger sind damit erst einmal geschützt.



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