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Corona-Virus: dritter Todesfall in Italien
International 1 7 Min. 23.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: dritter Todesfall in Italien

Kein Durchkommen mehr: Einige Städte in besonders betroffenen Regionen im Norden Italiens wurden abgeriegelt.

Corona-Virus: dritter Todesfall in Italien

Kein Durchkommen mehr: Einige Städte in besonders betroffenen Regionen im Norden Italiens wurden abgeriegelt.
Foto: AFP
International 1 7 Min. 23.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Virus: dritter Todesfall in Italien

Kein europäisches Land hat mehr Infektionen mit dem neuen Corona-Virus registriert als Italien. Drei Menschen sind gestorben. Nun greift die Regierung zu drastischen Maßnahmen– auch die Karnevalsstadt Venedig sieht sich zum Handeln gezwungen.

(dpa/jt/SH) - In Italien gibt es nach dem Corona-Virus-Ausbruch ein drittes Todesopfer. Eine ältere, vorerkrankte Frau sei gestorben, die in der Klinik von Crema in der Onkologie gelegen habe, sagte der Gesundheitsbeauftragte der Region Lombardei, Giulio Gallera, am Sonntag. Zuvor waren in Italien zwei ältere Menschen gestorben, die mit dem Virus infiziert waren: eine Person in der Lombardei und eine in Venetien.     

Kein europäisches Land hat mehr Infektionen mit dem neuen Corona-Virus registriert als Italien. Der Südstaat hat den Kampf mit drastischen Maßnahmen aufgenommen. Im Versuch, die weitere Ausbreitung des Virus zumindest einzudämmen, hat die italienische Regierung rund ein dutzend Städte in den Zentren des Ausbruchs abgeriegelt. In Venedig wurde aus Angst vor weiteren Ansteckungen der berühmte Karneval abgesagt. Das teilte der Präsident der Region Venetien, Luca Zaia, am Sonntag mit.

„Wir müssen uns drastischen Maßnahmen anpassen“, sagte Zaia Reportern in der Region Venetien. Dazu zähle die Absage des Venezianischen Karnevals „und sogar noch mehr“.

Die eigentlich bis Dienstag stattfindenden Feste und Umzüge des Karnevals von Venedig gehören zu den größten und berühmtesten Veranstaltungen des weltweiten Narrentreibens.

Bereits mehr als 100 Infektionen in Italien

Nach Angaben des Regierungschefs der nordöstlichen Region ist die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten auf 19 gestiegen. Darunter seien nun auch zwei ältere Personen, die direkt in der Lagunenstadt Venedig im Krankenhaus seien. Insgesamt lag die Zahl der bestätigten Infektionsfälle in Italien am Sonntag bereits bei mehr als 130, davon 89 in der am stärksten betroffenen Region Lombardei, die westlich von Venetien liegt. Hinzu kamen einzelne positive Tests in den Regionen Emilia-Romagna und Piemont. 

Polizei am Ortseingang von Codogno.
Polizei am Ortseingang von Codogno.
Foto: AFP/Miguel Medina

Mitgezählt sind auch die zwei ersten Toten, eine 77-jährige Frau in der Lombardei und ein 78-jährigen Mann in Venetien. Italiens Vize-Gesundheitsminister Pierpaolo Sileri sagte dem Sender SkyTG24, er gehe von weiter steigenden Fallzahlen aus. „Es ist klar, dass wir mehr Fälle haben werden.“ Er hoffe allerdings, dass sie räumlich beschränkt blieben.  

Mit 109 positiv getesteten Patienten ist Italien das europäische Land mit den weitaus meisten erfassten Sars-CoV-2-Infizierten. In Deutschland wurden bisher 16 Fälle gemeldet, in Frankreich zwölf, darunter ein Todesfall.       

Einzelne Gebiete in Norditalien sind derzeit abgeriegelt. Maßgeblich davon betroffen ist die Provinz Lodi (Lombardei) rund 60 Kilometer südöstlich der Metropole Mailand, wo rund 50.000 Menschen leben, sowie die Stadt Vo in der Provinz Padua (Venetien) mit rund 3.000 Einwohnern, in der der 78-Jährige gestorben war. „Das Betreten und Verlassen dieser Gebiete ist verboten“, sagte Regierungschef Giuseppe Conte. 

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Das italienische Wuhan

Der Ministerpräsident hatte die Notfallmaßnahme nach Krisengesprächen mit der Zivilschutzbehörde des Landes angekündigt. „Das Ziel ist es, die Gesundheit der italienischen Bevölkerung zu schützen“, sagt Conte. Zunächst sollten die Sicherheitskräfte die betroffenen Regionen abriegeln. „Wenn nötig, werden es auch die Streitkräfte sein“, fügte Conte hinzu. Wer versuche, die Absperrungen zu umgehen, dem drohe „strafrechtliche Verfolgung“. Er setze dennoch auf Verständnis der Bevölkerung.

Ein Aussetzen der innereuropäischen Reisefreiheit im Rahmen der Schengen-Zone sei vorerst nicht vorgesehen, sagte Conte.  

Die wenigen Passanten in Codogno tragen Atemschutzmasken, um sich nicht mit dem neuen Erreger anzustecken.
Die wenigen Passanten in Codogno tragen Atemschutzmasken, um sich nicht mit dem neuen Erreger anzustecken.
Foto: AFP/Miguel Medina

In der Kleinstadt Codogno, etwa 60 Kilometer südöstlich von Mailand gelegen, fühlen sich die Menschen an die Situation in Wuhan erinnert. Die Metropole in Zentralchina gilt als Zentrum der Corona-Epidemie. "Ich bin sehr beunruhigt", erzählt ein Passantin einem Fernsehsender. "Es herrscht große Panik nach diesen Infektionsfällen. Alles ist geschlossen. Die Menschen, die arbeiten, werden jetzt Schwierigkeiten haben", meint ein junger Einwohner von Codogno.

Auf der Intensivstation des örtlichen Krankenhauses wird derzeit ein 38-jähriger Italiener behandelt, der schwer an Covid-19 erkrankt ist. Der Mann habe sich nach ersten Erkenntnissen in Italien angesteckt, womöglich bei Treffen mit Bekannten, die aus China gekommen waren, und das Virus unwissentlich verbreitet. Er wurde erst am Donnerstag positiv getestet. Seine schwangere Frau und weitere Personen hätten sich ebenfalls mit Sars-CoV-2 angesteckt und seien in Krankenhäusern.

In Südtirol schließen mehrere öffentliche Institutionen

Auch in Südtirol bereiteten sich die Behörden auf einen Notfall vor. Unter anderem empfahlen die Gesundheitsbehörden am Samstagabend dem Südtiroler Landeshauptmann Thomas Widmann vor, die Universität Bozem sowie Kitas und Kinderhorte für die kommende Woche zu schließen. Zudem sei ein medizinischer Notfallplan erstellt worden, berichtete die Website des Rundfunksenders Südtirol.

In zehn Gemeinden der Lombardei wurden Schulen und ein Großteil der Geschäfte vorübergehend geschlossen. Rund 5.000 Einwohner sind aufgerufen, möglichst zuhause zu bleiben. Großveranstaltungen wie Gottesdienste, Karnevalsfeste und Sportevents wurden verboten. Auch in Venetien wurden Maßnahmen beschlossen, die eine weitere Ausbreitung des Virus verhindern sollen.

Fußballspiele abgesagt, Fashion Show vor leeren Rängen

In der Lombardei und in Venetien wurden für Sonntag alle Sportveranstaltungen abgesagt. Davon betroffen sind auch drei Serie-A-Spiele zwischen Inter Mailand und Sampdoria Genua sowie zwischen Hellas Verona und Cagliari Calcio. Auch die Partie Atalanta Bergamo gegen Sassuolo wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Am Nachmittag war bereits das Zweitliga-Spiel zwischen Ascoli Calcio und US Cremonese abgesagt worden.

In Venetien soll es ab Sonntagabend keine öffentlichen Großveranstaltungen mehr geben. Zudem sollen alle Züge und öffentlichen Verkehrsmittel, inklusive der Wasserbusse in Venedig, desinfiziert werden. Auch Museen sollen geschlossen bleiben.


A sign reading "Emergency Department Closed" is put up at the entrance of the municipal hospital in Codogno, southeast of Milan, on February 22, 2020. - An Italian man became the first European to die after being infected with the coronavirus on February 21, just hours after 10 towns in the country were locked down following a flurry of new cases. (Photo by Miguel MEDINA / AFP)
Zwei Menschen in Italien am Corona-Virus gestorben
In Italien sind zwei Menschen mutmaßlich an dem neuen Erreger gestorben. Bei über 50 Menschen wurde in Italien das Virus festgestellt. Auch Südkorea und Japan melden steigende Zahlen.

In Mailand kündigte Modezar Giorgio Armani im Gespräch mit der Agentur Ansa an, dass seine für Sonntag geplante Modeschau vor leeren Rängen abgehalten werde. Die Show als Teil der Modewoche werde lediglich als Livestream zu sehen sein, um die Gefahr einer Ansteckung mit dem Virus zu minimieren. Auch die Mailänder Scala hat ihre Aufführungen gestrichen. Dies gelte als Vorsichtsmaßnahme, bis die Behörden weitere Anweisungen geben würden, teilte das Opernhaus am Sonntag auf Twitter mit.

Auf Nachfrage hin erklärte Luxair am Sonntag, dass die Verbreitung des Corona-Virus in Italien bislang keinen Einfluss auf den Flugplan hat. 

Am Samstagmorgen war in Rom ein Armeeflugzeug mit 19 Italienern angekommen, die an Bord des Kreuzfahrtschiffs „Diamond Princess“ in Japan für zwei Wochen unter Quarantäne gestellt worden waren. Sie werden nun in einem Militärkomplex in Rom unter Quarantäne gestellt. Unter den Passagieren der „Diamond Princess“ hatte es hunderte Infizierte gegeben, drei Japaner starben. 

Frankreich bereitet sich auf Epidemie vor

Angesichts der Lage in Italien bereitet sich Frankreich auf eine Ausbreitung des Coronavirus vor. Die Lage im Nachbarland werde „aufmerksam verfolgt“, sagte Gesundheitsminister Olivier Véran im Gespräch mit dem „Le Parisien“ (Sonntag). „Eine Epidemie? Wir bereiten uns darauf vor“, wurde der Minister zitiert.

Auch auf der koreanischen Halbinsel spitzt sich die Lage zu: Nach dem Ausbruch der Lungenkrankheit haben die Gesundheitsbehörden des Landes zwei weitere Todesopfer in Verbindung mit dem Virus gemeldet. Zudem sei die Zahl der Menschen, die sich mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, über die Nacht zum Sonntag um 123 auf 556 gestiegen, teilten die Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention mit. Der Großteil der neuen Fälle konzentriert sich erneut auf die südöstliche Millionen-Stadt Daegu und deren Umgebung. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich auf vier.


People attend a vigil in Hong Kong on February 7, 2020 for novel coronavirus whistleblowing doctor Li Wenliang (pictured background C), 34,�who died in Wuhan after contracting the virus while treating a patient. - A Chinese doctor who was punished after raising the alarm about China's new coronavirus died from the pathogen on February 7, sparking an outpouring of grief and anger over a worsening crisis that has now killed more than 630 people. (Photo by Anthony WALLACE / AFP)
Der erste Märtyrer des Corona-Virus
Der tragische Tod eines Arztes aus Wuhan erzürnt die Bürger gegen die rigide Zensur der Regierung: Li Wenliang hat als erster Alarm über den neuartigen Virus geschlagen – und wurde von den Behörden zum Schweigen beordert.

In China sind erneut fast 100 Menschen dem neuartigen Coronavirus zum Opfer gefallen. Die Pekinger Gesundheitskommission meldete am Sonntag 97 weitere Tote, womit die Gesamtzahl der Opfer seit Ausbruch Krankheit in China auf 2442 gestiegen ist. Die Zahl neu bestätigter Infektionen kletterte um 648 auf 76.936.

Türkei schliesst Grenze zu Iran

Die Türkei hat ihre Grenzübergänge zum Iran geschlossen, um eine Ausbreitung des Coronavirus Sars-CoV-2 zu verhindern. Dies teilte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca am Sonntag mit. Zudem dürften von 18 Uhr mitteleuropäischer Zeit an keine Flüge aus dem Iran mehr in der Türkei landen. Dies gelte „vorübergehend“, sagte Koca Reportern in Istanbul. In der Türkei selbst ist bislang kein Fall einer Infektion mit dem Virus gemeldet worden.

Im Nachbarland Iran hat sich Sars-CoV-2 möglicherweise schon stark ausgebreitet. Laut Gesundheitsministerium gibt es landesweit 785 Verdachtsfälle, von denen 40 positiv auf das Virus getestet wurden. Bislang sind demnach acht Patienten an der Krankheit gestorben. Nach Angaben des iranischen Gesundheitsministeriums wurden vorläufig in mehreren Städten die Schulen und Universitäten geschlossen. Auch Kino-, Theater- und Konzertveranstaltungen wurden abgesagt.     


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