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Corona-Risikozone beginnt direkt hinter Luxemburger Grenze
International 1 5 Min. 11.03.2020

Corona-Risikozone beginnt direkt hinter Luxemburger Grenze

Die französische Region Grand Est wurde von deutschen Behörden zum Risikogebiet für Corona-Infektionen erklärt.

Corona-Risikozone beginnt direkt hinter Luxemburger Grenze

Die französische Region Grand Est wurde von deutschen Behörden zum Risikogebiet für Corona-Infektionen erklärt.
Foto: Luxemburger Wort/Shutterstock
International 1 5 Min. 11.03.2020

Corona-Risikozone beginnt direkt hinter Luxemburger Grenze

China, Iran, Italien: Das alles klingt ziemlich weit weg. Doch nun zählt auch der französische Grand Est offiziell zum Coronavirus-Risikogebiet. Die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts ruft in der Großregion Kopfzerbrechen hervor.

(dpa/jt) - Eine Einschätzung des renommierten Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin sorgt am Mittwoch für Schockwellen in der Großregion: Die deutsche Behörde für Infektionskrankheiten stuft die an Luxemburg und Deutschland grenzende französische Region Grand Est nunmehr als Coronavirus-Risikogebiet ein. Damit ist eine Gegend gemeint, in der eine fortgesetzte Virus-Übertragung von Mensch zu Mensch vermutet werden kann.

Neben dem Elsass und Lothringen gilt auch die Region Champagne-Ardenne, die eine Grenze mit Belgien teilt, als Risikogebiet. Damit steht der Grand Est seit Mittwoch in einer Reihe mit Teilen Chinas, Iran, Italien und Südkorea. Alle vier Länder sind besonders stark von Covid-19-Erkrankungen betroffen. Laut Angaben der Behörden in Frankreich gibt es bislang 460 bestätigte Coronavirus-Fälle im Grand Est. In ganz Frankreich wurden 1.784 Infektionen registriert.

Lothringen ist Teil der Großregion, die sich über vier Länder erstreckt und in dem 12 Millionen Menschen leben. Insgesamt überqueren in diesem Gebiet täglich rund 230.000 Pendler auf dem Weg zur Arbeit Ländergrenzen in verschiedenen Richtungen - vor allem aber in Richtung Luxemburg.

Luxemburg äußerte sich aufgrund der Einschätzung des Robert-Koch-Instituts besorgt. "Das sind beunruhigende Nachrichten. Viele Arbeitskräfte in Luxemburg kommen aus dieser Region. Das müssen wir ganz genau beobachten", sagte Wirtschaftsminister Franz Fayot bei einer Pressekonferenz am Mittwochnachmittag. Mehr als 100.000 Grenzpendler aus Lothringen fahren täglich zur Arbeit nach Luxemburg. Premierminister Xavier Bettel erklärte, eine Schließung der Grenzen sei aber momentan nicht geplant. Geschlossene Grenzen hätten fatale Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. 


Privatschulen im Focus.hier : Ecole Européenne II,BertrangeFoto:Gerry Huberty
Europaschulen: Schüler aus dem Grand Est müssen zu Hause bleiben
Aus Sorge vor einer Ausbreitung des Corona-Virus haben die Europaschulen in Luxemburg neue Schutzvorkehrungen angekündigt. Schüler aus der Risikozone Grand Est dürfen vorerst nicht mehr zum Unterricht kommen.

Einige Institutionen treffen bereits Vorkehrungen: Die Europaschulen in Luxemburg haben Schülern, die im Risikogebiet Grand Est wohnen, vorerst die Teilnahme am Unterricht untersagt. Die Maßnahme gilt für die Dauer von 14 Tagen.

Die luxemburgische Gesundheitsbehörde beruft sich regelmäßig auf die Empfehlungen des RKI. Sie hat das Gebiet Grand Est aber noch nicht offiziell als Risikogebiet eingestuft, sondern bislang nur die französischen Départements Oise in den Hauts-de-France und Haut-Rhin im Elsass sowie die deutschen Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Unter den sieben Corona-Infizierten in Luxemburg befindet sich auch eine Person, die sich zuvor im Elsass aufgehalten hat. 

Auch im Saarland treffen Betriebe Vorkehrungen als Reaktion auf die Risikoeinschätzung des RKI. "Die Pendler können zur Arbeit gehen. Aber in den Betrieben werden natürlich die Sicherheits- und Schutzmaßnahmen angepasst", sagte Stephan Kolling, Staatssekretär für Gesundheit im Saarland, dem Saarländischen Rundfunk. "Die Betriebsärzte von ZF (Autozulieferer, Anm.) sind beispielsweise verpflichtet, bei erkälteten Grenzgängern einen Test durchzuführen, um zu sehen, ob es sich tatsächlich um das Corona-Virus handelt."

Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz empfahl Menschen, die in einem Risikogebiet wohnen und normalerweise täglich nach Rheinland-Pfalz zur Schule oder zur Arbeit an Schulen und Kindertageseinrichtungen kommen, bis auf Weiteres zu Hause zu bleiben. Unternehmen müssten sicherstellen, dass diese Maßnahme auch eingehalten werde.

Grenzüberschreitender Krisenstab gefordert

Angesichts der sprunghaften Zunahme von Corona-Infektionen in Ostfrankreich werden Forderungen nach einem grenzüberschreitenden Krisenstab in der Großregion laut. Dieser sei für ein gemeinsames Handeln auch in Sachen Prävention notwendig, teilte die Vorsitzende des Europaausschusses im Landtag des Saarlandes, Helma Kuhn-Theis, am Mittwoch mit. Die Gesundheitsbehörden müssten sich über die Grenze hinweg eng abstimmen und informieren.   

Die Regierung des Saarlandes, wo zwei Schulen mit rund 700 Schülern geschlossen wurden, beschloss am Mittwoch ein Paket von Sofortmaßnahmen, mit denen die Ausbreitung des Coronavirus gebremst werden soll. Dazu gehört unter anderem ein verbindliches Verbot von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern.  

Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann sagte in einer Regierungserklärung, die Landesregierung sei „aufgeschreckt“ von der Nachricht, dass die Behörden in der ostfranzösischen Region Grand Est nicht mehr in der Lage seien, mögliche Infizierte ausreichend zu testen. „Bei rund 18.000 Pendlern aus der Region ist das ein Thema, das uns beschäftigen muss.“ Ministerpräsident Tobias Hans habe mit den Verantwortlichen in Frankreich Kontakt aufgenommen „mit dem Ziel, dass dort die Tests möglichst wieder aufgenommen werden“. Man wolle die Maßnahmen grenzüberschreitend koordinieren.  


Corona-Virus, Allgemeinarzt Patrice Anton aus Rümelingen berät seine Patienten online über die CNS Onlinekonsultation, E-Consult, Telekonsultation, médecin, téléconsultation, Foto: Guy Wolff/Luxemburger Wort
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Kuhn-Theis, die auch Vorsitzende der interregionalen Kommission für Innere Sicherheit, Katastrophenschutz und Rettungsdienste im interregionalen Parlamentarierrat ist, sagte, neben dem Krisenstab seien auch die zeitnahe Entwicklung und Implementierung eines interregionalen Pandemieplans sowie ein interregional abgestimmtes Informationsangebot für Bürger der Großregion nötig.

Das RKI hatte am Dienstag Italien zum Risikogebiet erklärt. Schon länger gilt diese Einstufung für Provinzen in China und Südkorea sowie den Iran. Am Mittwoch wurde die Region Grand Est zur Liste hinzugefügt. Besonders betroffen von der Epidemie ist das südelsässische Département Haut-Rhin. Das baden-württembergische Gesundheitsministerium in Stuttgart empfahl bereits am Montag all denen, die von dort zur Schule oder zur Arbeit nach Baden-Württemberg pendeln, nach Möglichkeit zunächst für zwei Wochen zu Hause zu bleiben. 

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