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Corona-Krise wird zu Glaubwürdigkeitskrise für Trump
International 3 Min. 10.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise wird zu Glaubwürdigkeitskrise für Trump

UUS-Präsident Donald Trump stellt am Montag im Weißen Haus die neu gebildete Task Force zum Corona-Virus vor.

Corona-Krise wird zu Glaubwürdigkeitskrise für Trump

UUS-Präsident Donald Trump stellt am Montag im Weißen Haus die neu gebildete Task Force zum Corona-Virus vor.
Foto: AFP
International 3 Min. 10.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise wird zu Glaubwürdigkeitskrise für Trump

Donald Trump spielt Golf, schüttelt Hände und tut so, als ob der Corona-Virus kein großes Problem sei. Doch gefährlicher als der Absturz der Märkte ist der Verlust an Vertrauen in die Regierung.

Von LW-Korrespondent Thomas Spang (Washington)

Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC rät dringend dazu, auf Handschläge zu verzichten. Insbesondere älteren Menschen, die ein erhöhtes Risiko tragen, wenn sie sich mit dem COVID-19-Virus infizieren. Der 73-jährige Präsident tut derweil genau das: Schüttelt Hände bei einer Spendengala in Mar-a-Lago, auf dem Weg zur Air Force One in Orlando und bei Ankunft in Washington. „Das ist keine große Sache“, überhörten Teilnehmer Trump an seinem Wintersitz in Florida über das Virus sprechen. Der Präsident habe jedem die Hand gedrückt und gesagt, „Sie müssen ihr Leben leben“, erinnert sich der Spender Doug Deason an die Begegnung vom Wochenende.

So ähnlich sahen das auch die beiden Abgeordneten Douglas A. Collins and Matt Gaetz, die hinter Trump aus der Präsidentenmaschine kletterten. Beide Republikaner sind nun in „Corona“-Quarantäne, weil sie bei der jährlichen CPAC-Konferenz in Kontakt mit einem infizierten Teilnehmer waren. Der Super-Trump-Fan Gaetz hatte sich vergangene Woche noch lustig über die Sorge seiner Landsleute gemacht. Zur Abstimmung im Repräsentantenhaus über ein acht Milliarden Dollar schweres Krisenpaket erschien er mit einer Gasmaske. Nun hat er sich sicherheitshalber in Heimquarantäne begeben.

Der Kongressabgeordnete Matt Gaetz machte sich über das Corona-Virus lustig und ging am 9. März an Bord der Air Force. Am 10. März ging er in Quarantäne.
Der Kongressabgeordnete Matt Gaetz machte sich über das Corona-Virus lustig und ging am 9. März an Bord der Air Force. Am 10. März ging er in Quarantäne.
Foto: AFP

Trumps Sprecherin Stephanie Grisham erklärte, der Präsident habe sich nicht auf den Corona-Virus testen lassen. „Er war mit keinem der bestätigten COVID-19-Patienten länger in Kontakt und zeigt keine Symptome“. Er sei nicht besorgt. Was Trump am Montagabend dann doch beunruhigte, war der steilste Absturz der Aktienmärkte in der Geschichte der Wall Street.

Er tauchte kurz im Briefing-Raum des Weißen Hauses auf, um „sehr, sehr dramatische“ Hilfemaßnahmen für die Wirtschaft anzukündigen. Darunter Kürzungen bei den Beiträgen zu den Sozialversicherungen, bezahlte Krankentage für Arbeiter und Unterstützung für die Reiseindustrie.

Das stand im merkwürdigen Kontrast zu den Twitter-Tiraden im Laufe des Tages. Da verglich Trump COVID-19 mit der Grippe und meinte, trotz bis zu 70.000 Grippe-Toten, „schließt nichts und das Leben und die Wirtschaft laufen weiter.“ Wie gewohnt macht Trump die Demokraten und die Medien, in diesem Fall auch die Ölfehde zwischen Russland und Saudi-Arabien verantwortlich.

Sie können eine Epidemie oder Pandemie nicht mit Spin bekämpfen.  

David Axelrod, EX-Chefstratege Barack Obamas.

Der ehemalige Chefstratege Barack Obamas im Weißen Haus, David Axelrod, meint, Trump habe in dem Virus einen ebenbürtigen Gegner gefunden. „Sie können eine Epidemie oder Pandemie nicht mit Spin bekämpfen.“ Es gebe eine Realität, „die durch Leugnung oder Verbreitung von Verschwörungstheorien zu katastrophalen Ergebnissen führen kann.“

Chef der Gesundheitsbehörde rät älteren Menschen zur Vorsicht

Wer zum Beispiel Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow folgte, der nach dem ersten Absturz der Märkte vor zwei Wochen dazu riet, an der Börse „das Tief zu kaufen“, sah den Wert seiner Aktien seitdem insgesamt 15 Prozent fallen. Am Freitag verkündete derselbe Experte, das Virus sei „unter Kontrolle“. Das behauptete auch Trumps enge Vertraute Kellyanne Conway.

Börsenhändler an der New York Stock Exchange (NYSE) müssen mit starken Kursverlusten durch das Corona-Virus umgehen.
Börsenhändler an der New York Stock Exchange (NYSE) müssen mit starken Kursverlusten durch das Corona-Virus umgehen.
Foto: AFP

Während der Chef der US-Gesundheitsbehörde National Institute of Health (NIH), Anthony Fauci, in einem Interview älteren Menschen rät, unmittelbar Vorsichtsmaßnahmen zu ergreifen und nach Möglichkeit auf unnötige Flugreisen zu verzichten, wies das Weiße Haus laut einer investigativen Recherche der „Associated Press“ die Gesundheitsbehörde CDC an, eine entsprechende Empfehlung nicht zu veröffentlichen.

Bei einem Besuch der Behörde in Atlanta vergangene Woche tauchte Trump mit einer roten „Keep America Great“-Kappe auf. Auf Reporterfragen, was mit den Passagieren auf einem Kreuzfahrtschiff mit „Corona“-Erkrankungen geschehen solle, sprach sich der Präsident dafür aus, diese nicht an Land kommen zu lassen. „Ich möchte, dass die Zahlen so bleiben wie sie sind.“ Gemeint war die Zahl der Corona-Fälle in den USA. Was auch die Verzögerung bei der Auslieferung der Test-Kits erklären könnte, die trotz wochenlanger Vorwarnung erst in den vergangenen Tagen begann.


Former US Secretary of State and First Lady Hillary Rodham Clinton poses during a photocall for the film "Hillary" screened in the Berlinale Special category at the 70th Berlinale film festival on February 25, 2020 in Berlin. (Photo by DAVID GANNON / AFP)
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Der Gouverneur des besonders stark betroffenen Bundesstaats New York, Andrew Cuomo, meint, die Verfügbarkeit der Test sei „nicht schnell genug“. Die Kolumnistin der Washington Post Catherine Rampell meint, die Amerikaner lebten in einer „YOLO“-Präsidentschaft, wobei das Kürzel für „Du lebst nur einmal“ steht. „Begreifen diese Leute nicht, wie närrisch sie aussehen“, schreibt Rampell, „wenn ihre mit Gewissheit vorgetragenen Dekrete innerhalb von Tagen, Stunden oder selbst Minuten nachweislich falsch sind?“    


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