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Corona-Krise: Belgien schließt die meisten Geschäfte ab Montag
International 30.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise: Belgien schließt die meisten Geschäfte ab Montag

Belgien bleibt ein Brennpunkt der Corona-Pandemie. Am Flughafen Zaventem können aufgrund überlasteter Labore derzeit keine Corona-Schnelltests durchgeführt werden.

Corona-Krise: Belgien schließt die meisten Geschäfte ab Montag

Belgien bleibt ein Brennpunkt der Corona-Pandemie. Am Flughafen Zaventem können aufgrund überlasteter Labore derzeit keine Corona-Schnelltests durchgeführt werden.
Foto: Eric Lalmand/BELGA/dpa
International 30.10.2020 Aus unserem online-Archiv

Corona-Krise: Belgien schließt die meisten Geschäfte ab Montag

Die Corona-Lage in Belgien ist dramatisch. Krankenhäuser sind zum Teil an ihren Kapazitätsgrenzen. Nun zieht die Regierung die Reißleine.

(dpa/jt) - Im schwer vom Corona-Virus getroffenen Belgien müssen die meisten Geschäfte ab Montag wieder schließen. Ausnahmen gebe es etwa für Supermärkte, sagte Regierungschef Alexander De Croo am Freitag nach einer Krisensitzung in Brüssel. „Das sind die Maßnahmen der letzten Chance.“ Gemessen an der Einwohnerzahl zählt Belgien nach Angaben der EU-Gesundheitsagentur derzeit die meisten Corona-Infektionen in der Europäischen Union.

Die nächtlichen Ausgangssperren in Belgien bleiben bestehen. Kneipen, Restaurants und Cafés, Kultur- und Sportstätten sind ohnehin bereits geschlossen. Die Kontaktbeschränkungen werden nun weiter verschärft, wie De Croo sagte. Künftig dürfen Belgier demnach nur einen Besucher pro Woche zu Hause empfangen; bei Alleinstehenden sind es zwei. Bislang waren es - mit Maske - vier.

Alexander de Croo muss sich als Krisenmanager beweisen.
Alexander de Croo muss sich als Krisenmanager beweisen.
Foto: AFP/Thierry Roge

Berufe mit engem Kundenkontakt wie Friseure müssen ihre Arbeit einstellen. Die neuen Regeln sollen zunächst für eineinhalb Monate gelten. Für die geschlossenen Geschäfte soll am 1. Dezember eine Zwischenbilanz gezogen werden. Kunden können aber weiter Waren aus den geschlossenen Geschäften abholen oder sich liefern lassen.

Das Comité de concertation, dem der Premierminister vorsitzt, entschied zudem, dass die Grenzen zu den Nachbarländern offen bleiben sollen. Den Bürgern wird jedoch nachdrücklich empfohlen, von Reisen abzusehen. 

Jeder vierte Test fällt positiv aus

In Belgien steigen die Infektionszahlen seit Wochen rasant. Die Behörden des Elf-Millionen-Einwohner-Landes zählten innerhalb einer Woche zuletzt im Schnitt 15.316 Infektionen am Tag - ein neuer Rekord. EU-weit registrierte das Nachbarland innerhalb von zwei Wochen die meisten Infektionen pro 100.000 Einwohner: 1.600. Jeder vierte Corona-Test fiel in Belgien zuletzt positiv aus.


A waiter wearing a face mask awaits the early closure of bars and restaurants in Piazza Navona in Rome on October 26, 2020, as the country faces a second wave of infections to the Covid-19, caused by the novel coronavirus. - Italy's Prime Minister Giuseppe Conte tightened nationwide coronavirus restrictions on October 25, 2020 after the country registered a record number of new cases, despite opposition from regional heads and street protests over curfews. Cinemas, theatres, gyms and swimming pools must all close under the new rules, which come into force on October 26, 2020 and run until November 24, while restaurants and bars will stop serving at 6pm, the prime minister's office said. (Photo by Tiziana FABI / AFP)
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Die bisherigen Maßnahmen haben nicht zu einer Entlastung geführt. Vielmehr verschärfte sich in den vergangenen Wochen die Lage in den Krankenhäusern dramatisch. Die Grenzen der Kapazität wurden mitunter schon erreicht. Dutzende Patienten mussten in andere Krankenhäuser transferiert werden. Zuletzt lagen 6.187 Patienten mit Covid-19 im Krankenhaus, 1057 von ihnen auf der Intensivstation. „In sehr vielen unserer Krankenhäuser ist eine ganze Zeit schon die Schmerzgrenze überschritten“, sagte De Croo.

Der Verband der belgischen Krankenhäuser hatte jüngst Alarm geschlagen und einen Lockdown gefordert. Dies sei die einzige Möglichkeit, einen kompletten Zusammenbruch des Gesundheitssystems zu verhindern. Ähnlich äußerten sich führende Virologen.


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