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Corona: Griechische Inseln in Angst
International 2 Min. 19.03.2020

Corona: Griechische Inseln in Angst

In der Corona-Krise setzen viele griechische Inseln auf Isolation.

Corona: Griechische Inseln in Angst

In der Corona-Krise setzen viele griechische Inseln auf Isolation.
Illustration: Shutterstock
International 2 Min. 19.03.2020

Corona: Griechische Inseln in Angst

Viele griechische Inselbewohner wollen keine Besucher mehr vom Festland – aus Sorge, sie könnten das Corona-Virus einschleppen.

Von LW-Korrespondent Gerd Höhler (Athen)

Quarantäne – das Wort hört keiner gern. Oder doch? Thodoris Tzoumas, Bürgermeister von Skiathos, möchte seine Inselgemeinde am liebsten sofort vom übrigen Griechenland abriegeln. Dabei ist die Sporadeninsel auf Besucher angewiesen. Die rund 7.000 Einwohner leben vor allem vom Tourismus. 

Die griechische Insel Skiathos ist ein beliebtes Reiseziel.
Die griechische Insel Skiathos ist ein beliebtes Reiseziel.
Foto: Marc Willière

Skiathos ist bekannt für seine schönen Strände, aber auch für das ausgelassene Nachtleben. Im vergangenen Jahr wurden auf dem kleinen Inselflughafen fast 182.000 Passagiere abgefertigt. Die meisten kamen aus dem Ausland. 

Zuflucht vor dem Virus

Doch jetzt will der Bürgermeister seine Insel so schnell wie möglich dichtmachen. In einem als „Eilsache“ deklarierten Schreiben an die Regierung in Athen fordert Tzoumas, den Personenverkehr zum Festland sofort drastisch einzuschränken. Besucher sollen nicht mehr auf die Insel kommen. Über Ausnahmegenehmigungen soll eine Kommission entscheiden. 

Die Inselbewohner von Skiathos möchten unter sich bleiben - aus Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus.
Die Inselbewohner von Skiathos möchten unter sich bleiben - aus Angst vor Ansteckung mit dem Corona-Virus.
Foto: Marc Willière

Der Bürgermeister von Skiathos steht mit dem Wunsch, seine Insel zu isolieren, nicht allein. Noch gibt es auf den 113 bewohnten griechischen Inseln erst einen dokumentierten Infektionsfall, nämlich im Süden von Lesbos. Alle anderen Inseln sind offiziell noch nicht betroffen, wenngleich die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass es mancherorts nicht entdeckte Fälle gibt. Umso größer ist die Angst der Inselbewohner vor dem Virus. Zumal sich nun viele Griechen vom Festland darauf besinnen, dass sie von einer der Inseln stammen und dort ein Ferienhaus besitzen. 


Refugees and migrants move away from the camp of Moria in the island of Lesbos after a fire broke out, on March 16, 2020. (Photo by Manolis Lagoutaris / AFP)
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Normalerweise kommen diese „ausgewanderten“ Städter im Juli und August auf die Inseln. „Aber jetzt sehen wir plötzlich Leute, die sich seit Jahren nicht haben blicken lassen“, berichtet Evanthia Papadatou von der Insel Kefalonia. Gleich vier Athener sind jetzt in ihrem Dorf Svoronata aufgetaucht. „Sie sagen, sie suchen hier Zuflucht vor dem Virus“, berichtet die Rentnerin Papadatou. Aber schleppen sie die Epidemie womöglich ein? 

Besucher vom Festland

„Wir fühlten uns bisher ganz gut geschützt, das Meer ist eine Grenze“, sagt Fanis Dokas. Er lebt auf der abgelegenen Ägäisinsel Folegandros. Alle zwei Tage kommt eine Fähre aus Piräus, die Überfahrt dauert mehr als zehn Stunden. Früher wünschten sich die Bewohner der kleineren griechischen Inseln mehr Schiffsverbindungen zum Festland, vor allem im Winter. Jetzt möchten viele, dass gar keine Besucher mehr vom Festland kommen. „Es wäre gut, wenn wir eine Weile unter uns blieben“, sagt Dokas. 


WESTMINSTER, MARYLAND - MARCH 16: Dawn Canova, clinical manager for outpatient wound care at Carroll Hospital, prepares to take samples from people so to test them for the coronavirus at a drive-thru station in the hospital's parking garage March 16, 2020 in Westminster, Maryland. Not open to the general public for testing, the station was set up to take samples from people who had spoken with their doctors and received explicit direction to get a test for the novel coronavirus called COVID-19.   Chip Somodevilla/Getty Images/AFP
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Auch Leftheris Karaiskos, der Bürgermeister der Inselgemeinde Amorgos, ist besorgt. „In den vergangenen Tagen sind immer mehr Besucher vom Festland gekommen“, berichtete er der Zeitung „Kathimerini“. Aber auf den Fähren gebe es keinerlei Sicherheitsmaßnahmen, „und auf unserer Insel haben wir keine Möglichkeit, schwere Erkrankungen zu behandeln“, sagte der Kommunalpolitiker. 

Tatsächlich gibt es auf den meisten kleineren Inseln nur eine rudimentäre medizinische Versorgung. Fast nirgendwo gibt es Intensivstationen oder auch nur Beatmungsgeräte. Wer ernstlich erkrankt, muss per Schiff oder, in dringenden Fällen, per Hubschrauber aufs Festland gebracht werden. 

Bitte um Einschränkungen 

Größere Inseln wie Kreta, Rhodos oder Korfu haben zwar gut ausgestattete Kliniken. Aber auch dort wäre man schnell überfordert, wenn die Epidemie ausbricht. Denn auf den Inseln leben überdurchschnittlich viele ältere Menschen, die jetzt besonders gefährdet sind.

Auch die Krankenhäuser auf Kreta wären schnell überlastet bei einer grossen Anzahl von Corona-Patienten.
Auch die Krankenhäuser auf Kreta wären schnell überlastet bei einer grossen Anzahl von Corona-Patienten.
Illustration: Shutterstock

Der für die südliche Ägäis zuständige Präfekt Giorgos Chatzimarkos appellierte deshalb jetzt in einem Brief an Premierminister Kyriakos Mitsotakis, den Fährverkehr zu den Inseln drastisch einzuschränken. Nur Schiffe mit Versorgungsgütern sollen noch in den Inselhäfen anlegen.


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