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„Corona Ciao“: Historischer Protest gegen die spanische Monarchie
International 4 1 2 Min. 19.03.2020

„Corona Ciao“: Historischer Protest gegen die spanische Monarchie

Spanier beim Radau-Protest auf ihrem Balkon.

„Corona Ciao“: Historischer Protest gegen die spanische Monarchie

Spanier beim Radau-Protest auf ihrem Balkon.
AFP
International 4 1 2 Min. 19.03.2020

„Corona Ciao“: Historischer Protest gegen die spanische Monarchie

Medien sprechen von einem „historischen Topfschlagen“: Tausende protestieren in Spanien während einer Rede von König Felipe mit Kochgeschirr lautstark gegen das Königshaus. Der Unmut macht das Virus in Madrid, Barcelona und Bilbao plötzlich zur Nebensache.

(dpa) - So etwas hat es in Spanien wohl noch nie gegeben. Als König Felipe in seiner Residenz Palacio de la Zarzuela nordwestlich von Madrid vor die Kamera trat, um den Bürgern im Kampf gegen die Coronakrise Mut zuzusprechen, ging es los: Tausende Menschen gingen am späten Mittwochabend im ganzen Land auf Balkone und an die Fenster, um auf Töpfe und Pfannen zu schlagen und gegen das ihrer Überzeugung nach korrupte Königshaus zu protestieren. Das Motto: „Corona Ciao“, Corona tschau. Nein, nicht das heimtückische Virus ist mit „Corona“ gemeint, sondern die Krone.

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Medien sprachen von einem „historischen Topfschlagen“, von einem „massiven“ Protest. In Madrid war der Krach nicht nur im Arbeiter-Vorort Vallecas und in den von vielen Studenten und Intellektuellen bewohnten Vierteln La Latina und Malasaña ohrenbetäubend.

Auch in eher konservativen und eigentlich königstreuen Stadtteilen wie Almagro, Rios Rosas und Trafalgar war die Aktion, zu der auf Whatsapp und in sozialen Netzwerken aufgerufen worden war, eindrucksvoll laut. „Hau endlich ab, Felipe“, schrie ein Mädchen aus einem Fenster unweit der U-Bahn-Station Iglesias, und prompt brandete bei den Nachbarn Jubel auf.


ARCHIV - 10.03.2018, Chile, Santiago: Juan Carlos, ehemaliger König von Spanien, kommt in die Diplomatische Akademie Chiles. Angesichts der neuen Finanzaffäre um den spanischen Altkönig Juan Carlos verlangen immer mehr Spanier eine Spende des umstrittenen Geldes für Hilfen in der Corona-Krise. (zu dpa "Finanzskandal um Juan Carlos: Spanier fordern Spende in Corona-Krise") Foto: Francisco Flores Seguel/Agencia Uno/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Finanzskandal um Juan Carlos: Spanier fordern Spende in Corona-Krise
Altkönig Juan Carlos soll im Jahr 2008 Schmiergelder in Höhe von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien angenommen haben.

Befolgt wurde der Aufruf außerdem nach Medienberichten vor allem unter anderem in Barcelona und ganz Katalonien, in Galicien, im Baskenland und auf Mallorca. „Auf den Balkonen von ganz Spanien“, resümierte die Schlagzeile der Renommierzeitung „La Vanguardia“. „Brutal“, kommentierte ein Twitter-Nutzer. Die Linkspartei Podemos, die seit Januar in einer Koalition mit den Sozialisten von Ministerpräsident Pedro Sánchez regiert, postete auf Twitter: „Es ist bewegend, zu hören, wie die Töpfe #CoronaCiao sagen“.

Das Image der spanischen Monarchie bekommt seit Jahren immer mehr, immer tiefere Kratzer. Da war zum Beispiel jene umstrittene Elefantenjagd von Felipes Vater Juan Carlos in Botsuana. Oder der Korruptions- und Steuerbetrugsskandal um den Mann von Felipes Schwester Cristina, Iñaki Urdangarin, der zu knapp sechs Jahren Haft verurteilt wurde.

An den Unis veranstalten Studenten immer häufiger Kundgebungen und Abstimmungen gegen die Royals. In den vergangenen Tagen wurden die Gemüter aber von einer neuen Finanzaffäre um Juan Carlos zusätzlich gewaltig angeheizt. Immer mehr Spanier fordern nun, dass der Königshof die umstrittenen Gelder für den Kampf gegen die Corona-Krise spendet.


ARCHIV - 03.03.2020, Spanien, Madrid: Felipe VI., König von Spanien, nimmt an einer Veranstaltung zur Anerkennung spanischer Unternehmen in Madrid teil. Das harte Durchgreifen des spanischen Königs Felipe VI. in Zusammenhang mit der neuen Finanzaffäre um seinen Vater Juan Carlos hat dem 52-Jährigen im ganzen Land viel Lob eingebracht. (zu dpa «Viel Lob für Spaniens König Felipe nach Bruch mit seinem Vater») Foto: José Oliva/Europapress/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Spanisches Königshaus: Felipe verzichtet auf sein Erbe
Mitten in der Coronavirus-Krise erlebt Spanien noch einen Einschnitt ganz anderer Art - im Königshaus. Im Zuge eines neuen Skandals distanziert sich Felipe VI. öffentlich von seinem Vater.

Juan Carlos, der 2014 zugunsten seines Sohnes abgedankt hatte, soll 2008 Schmiergeld in Höhe von 100 Millionen US-Dollar aus Saudi-Arabien kassiert haben. Die Justiz in der Schweiz und auch in Spanien ermittelt deshalb gegen den 82-Jährigen. Eine Petition auf der Plattform change.org unter dem Hashtag #FelipeReacciona (#FelipeReagiere), in der eine Spende des Geldes gefordert wird, hatten bis Mittwochabend rund 200 000 Menschen unterschrieben.

Aber auch Felipe, der bisher als „Saubermann“ galt, gerät nun in die Schusslinie. Sein Name war nämlich - offenbar ohne sein Wissen - als Begünstigter einer dubiosen Offshore-Stiftung aufgetaucht. Dass er am Sonntag öffentlich mit seinem Vater brach, auf sein Erbe verzichten will und Juan Carlos auch noch das Gehalt von rund 194 000 Euro jährlich strich, brachte nicht viel ein.


A pedestrian area remains empty in central Madrid on March 14, 2020 after regional authorities ordered all shops in the region be shuttered from today through March 26, save for those selling food, chemists and petrol stations, in order to slow the coronavirus spread. (Photo by JAVIER SORIANO / AFP)
Leben im Ausnahmezustand: Eindrücke aus Madrid
Die spanische Regierung hat am Samstag den Alarmzustand ausgerufen. Die Straßen leeren sich, die Städte verstummen. Das Virus wird sichtbar. Eindrücke unseres Korrespondenten

Auch nicht, dass er in seiner Rede an die Nation am Mittwoch beteuerte: „Das Virus wird uns nicht bezwingen“. Selbst die dem Königshaus nahestehende Zeitung „La Razón“ schrieb nach der Ansprache, die Lage sei dieser Tage für die Casa Real „sehr schwierig“ geworden.


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